Ende einer Ära an der FOS/BOS Cham: Schulleiterin Barbara Dietzko geht in den Ruhestand

Von David Salimi · 21. Juni 2024 um 11:00

Für Barbara Dietzko sind die letzten Wochen ihres Berufslebens angebrochen. Mit dem Ende dieses Schuljahres verabschiedet sich die Schulleiterin des Beruflichen Schulzentrums Cham in den Ruhestand. Zuvor blickt sie im Gespräch mit unserem Medienhaus nicht nur auf ihre Jahre auf dem Chamer Schulberg zurück.

Zunächst erinnert sich Barbara Dietzko an die Anfänge ihrer Laufbahn als Pädagogin, die sie in jungen Jahren zuerst so gar nicht für sich vorgesehen hatte. „Mir war damals wichtig, etwas mit Naturwissenschaften zu studieren“, erzählt sie. Über Verwandte kommt Dietzko schließlich auf die Idee, ihre Leidenschaft für Naturwissenschaften mit dem Lehrberuf zu kombinieren. An der Technischen Universität in München studiert die spätere Schulleiterin Biologie und Chemie für das Lehramt an beruflichen Schulen – eine Zeit, in der sie die Gelegenheit hat, tief in die Materie der beiden Fächer einzutauchen.

Auf das Referendariat in München und Regensburg folgen Jahre an einer landwirtschaftlichen Schule in Triesdorf, wo Dietzko die ganze Bandbreite von Schülern in Berufen des Agrarsektors unterrichtet: von Milchtechnologen und Molkereifachkräften bis hin zu Tierwirten und Tierpflegern aber auch Anwärtern für Splitterberufe, wie Schäfer oder Imker.

Praktikum in Hellabrunn

So unterschiedlich wie die Ausbildungsberufe der Schüler, die zu diesem Zeitpunkt bei ihr im Klassenzimmer sitzen, sind auch die mitgebrachten Voraussetzungen ihrer Schützlinge. „Vom Förderschüler bis zum Abiturienten war da alles dabei“, erinnert sie sich zurück. Eine extreme Heterogenität, die sie als junge Lehrkraft vor eine Herausforderung stellt. Hinzu kommen erschwerte Rahmenbedingungen, etwa durch fehlende Lehrbücher.

Dietzko lässt sich jedoch nicht unterkriegen und ergreift zugunsten ihrer Schüler die Initiative. Sie absolviert ein Praktikum im Tierpark München-Hellabrunn. „Dennoch ich möchte die Zeit dort nicht missen“, sagt Dietzko rückblickend über die Erfahrungen, die sie für ihre weitere Laufbahn als Pädagogin sammeln konnte.

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Dietzko zieht es allmählich wieder zurück in die Heimat. Nach ihrer Zeit in Mittelfranken folgen Jahre in Weiden, wo sie angehende Friseure unterrichtet. Schließlich wird sie nach Straubing versetzt.

Einen ersten Grundstein für ihre spätere Tätigkeit als Schulleiterin legt die gebürtige Tännesbergerin während ihrer Zeit in Straubing, als sie sich an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung zur Schulentwicklungsmoderatorin ausbilden lässt. Schließlich folgt die Weiterbildung zur Externen Evaluatorin. Ihre neue Aufgabe führt Dietzko an Schulen in ganz Niederbayern, um diese in ihren Veränderungsprozessen zu unterstützen – „eine arbeitsintensive Zeit“, wie sie sagt. Von der Tätigkeit kann die Chamerin aber auch selbst profitieren: „Ich hatte dabei die Gelegenheit, in andere Schulen einzutauchen und konnte auch für den eigenen Schulbetrieb einiges mitnehmen.“

Klage eines Mitbewerbers

2008 erfolgt schließlich die endgültige Rückkehr auf oberpfälzischen Boden. An der FOS/BOS Cham ist eine Stelle für eine stellvertretende Schulleitung ausgeschrieben. Barbara Dietzko ergreift die Initiative und wirkt zunächst als Konrektorin neben ihrem Vorgänger Hans Pfeilschifter. Fünf Jahre später rückt Dietzko nach, muss vorher jedoch eine langwierige Hürde überwinden: Ein Mitbewerber klagt gegen die Entscheidung des Kultusministeriums. Die Angelegenheit wird vom Verwaltungsgericht behandelt, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Für Dietzko eine Zeit der Ungewissheit, die sie durchleben muss. „Ich bin lange Zeit zwischen den Stühlen gesessen“, erinnert sie sich. Erst nach Monaten kann sie aufatmen: Die Entscheidung der Richter fällt zu ihren Gunsten aus.

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Fest gesettelt lenkt die Oberstudiendirektorin das Chamer Schulschiff in eine Zukunft, die von Umbrüchen geprägt ist. Mit der Generalsanierung und Erweiterung des Hauptgebäudes an der Dr.-Muggenthaler-Straße ist Dietzko Bauherrin eines Mammutprojektes, das jedoch längst überfällig war. Denn parallel zu den steigenden Schülerzahlen an FOS und BOS spitzt sich auch die Raumnot zu.

2020 erfolgt deswegen der vorübergehende Umzug in die ehemalige Berufsschule. Rund zwei Jahre später kann die Schulfamilie dann im sanierten und vergrößerten Gebäude nicht nur die Einweihung feiern, sondern auch das 50-jährige Bestehen der Schule mit einem Festakt nachholen, nachdem das Jubiläum der Pandemie zum Opfer gefallen war.

Mit der Entwicklung von FOS/BOS und der angegliederten Wirtschaftsschule ist Dietzko zufrieden. Ein Meilenstein sei die Etablierung des Gesundheitszweiges in der FOS gewesen, der eine Lücke in der Bildungslandschaft geschlossen hat und bis heute sogar über die Grenzen des Landkreises hinaus auf großes Interesse stößt.

Pläne für den Ruhestand

Im Reinen ist Barbara Dietzko aber auch mit ihrer eigenen Arbeit als Schulleiterin. „Ich wollte die Schule nicht nur verwalten, sondern auch gestalten“, beschreibt sie ihr Ansinnen an sich selbst. Weil das aber nicht alleine gelingt, habe sie dabei auch immer auf das Kollegium als Ressource gesetzt. „Mir war es immer wichtig, dass jeder Lehrer jeden Tag gerne in die Schule kommt“. Genau das stelle dann auch einen selbst zufrieden. Neben ihren Schülern und Kollegen werde sie die Vielfältigkeit ihres Berufes vermissen. „Man weiß morgens nicht, was der Tag bringt“, sagt Dietzko. Gerade das mache den Beruf so abwechslungsreich.

Dem Ruhestand sieht die Oberstudiendirektorin dennoch positiv entgegen. „Ich freue mich darauf, freier und zeitlich nicht mehr so festgelegt zu sein.“ Ihre Pläne: „Noch viel von der Welt sehen. Und daheim im Garten gibt es auch viel zu tun“. Außerdem wolle sie ihrem Ehemann bei seinen Hobbys, dem Angeln und Imkern, unter die Arme greifen. Hinzu komme ihr Engagement bei der Frauenunion in Cham.

Bis es so weit ist, ziehen allerdings noch einige Tage ins Land. Am Donnerstag, 25. Juli, wird Barbara Dietzko als Schulleiterin bei einem Festakt offiziell verabschiedet. Am 31. Juli übergibt sie dann die Verantwortung über mehr als 500 Schüler und das Kollegium an ihren Nachfolger Joachim Raab. Danach geht es endgültig in die ganz großen Ferien.