Zeiten mit 50 Bewerbungen sind vorbei: Offene Türen für die Mittelschüler aus Roding

Es sind immer zwei Seiten, die eine Medaille hat. Das gilt auch fürs Thema Fachkräftemangel im Landkreis. Der bremst die Wirtschaft – doch öffnet er Mittelschülern auch Türen zum Traumjob, die für sie lange verschlossen waren. Daher kommen die gut 120 Schulabgänger der Rodinger Mittelschule, die gerade an ihrem Abschlusszeugnis basteln, zur richtigen Zeit− alle Wege sind offen. Sechs von ihnen haben wir befragt, was sie beruflich machen werden.
Katharina Stoiber kommt aus Woppmannsdorf und geht in die 10aM der Mittelschule in Roding. Sie ist 15 Jahre alt und hat sich für einen Beruf entschieden, der extrem gefragt ist. Sie wird zur Erzieherin ausgebildet – und zwar im Kindergarten Falkenstein. Sie habe dort wie auch in Michelsneukirchen vorher eine Praktikum gemacht – „in Falkenstein hat mir alles besser gefallen“, sagt sie zu ihrer Wahl, das Team, der Kindergarten selbst und das Umfeld.
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Eigentlich habe sie eine Bürojob lernen wollen, etwa Bürokauffrau, doch habe sie sich nach dem Praktikum umentschieden. Weniger der Lohn als mehr die Freude am Beruf ist für sie wichtig. Ihre Eltern hätten keinen Einfluss darauf gehabt, meint sie – ihr Vater ist Anlagenmechaniker, die Mutter arbeitet bei der Firma Frey. Möglichkeiten, um in der Berufslaufbahn aufzusteigen, gebe es auch, meint sie. Und hinkommen wird sie auch: Sie hat den Mopedführerschein.
Sparkasse statt Zoll
Johannes Heuberger ist ebenfalls 16 und auch aus der zehnten Klasse. Er ist aus Schorndorf und hat sich einige Berufsbilder, auch in der Industrie, im Handwerk oder im Einzelhandel, in Praktika angeschaut. Am Ende war für ihn klar, dass er bei der Sparkasse den Beruf des Bankkaufmanns lernt.
Beworben habe er sich auch beim Zoll in Regensburg – dort sei der Andrang groß gewesen und er auf der Warteliste gelandet. „Das war mir zu unsicher!“, sagt er zu seiner Entscheidung für die Banklaufbahn. Auch bei ihm lag der Job von den Eltern her nicht nahe – sein Vater sei Bäckermeister, seine Mutter Verkäuferin, erzählt er.
Lian Fritsche, 16, und in der 10bM kommt aus Stamsried und weiß bereits eines, was er einmal sein will – selbstständig. Die Selbstständigkeit sei das Hauptziel, das er anvisiere, sagt der Stamsrieder. Um dieses Ziel besser erreichen zu können, wird Lian Fritsche erst einmal weiter die Schulbank drücken. Er hat sich bei der FOS angemeldet, um dort das Abitur zu absolvieren und dann irgendetwas in Richtung Betriebswirtschaft zu studieren.
Auch er hat Praktika hinter sich, die ein besonderes Merkmal bei der Berufsorientierung der Mittelschule sind. Und daraus einiges mitgenommen: „Mir liegt die Arbeit im Büro, aber auch ein Handwerk wäre möglich.“ Er hat etwa in die Verwaltungsarbeit der Gemeinde Stamsried geschnuppert, wie sich den Beruf des Zerspanungsmechanikers angeschaut. Seine Eltern hätten keinen Einfluss auf seine Entscheidung genommen, sagt er. Sein Vater sei bei der Bundeswehr, die Mutter arbeite bei Naturstein Hofinger. Für ihn steht das Team im Vordergrund, aber auch der Verdienst müsse stimmen, sagt er.
Christoph Raith aus der Klasse 9c ist erst 15 und startet seine Berufslaufbahn bei der Firma Daschner. Der Kirchenrohrbacher macht dort eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker. „Autos haben mich schon immer interessiert!“, betont er, damit seinen Traumjob gefunden zu haben. Jedenfalls habe er nie in ein Büro gewollt, daher sei das Handwerk seine erste Wahl. „Tendiert habe ich auch einmal zum Beruf des Schreiners.“
Ein Praktikum bei der Firma Daschner habe ihm gut gefallen, somit fiel die Wahl auf diesen Weg. Er denke, dort die Freude am Job zu finden, die er sich wünsche, um dann den Meister als Ausbildung noch dranzuhängen. Vielleicht komme auch einmal eine Selbstständigkeit gemeinsam mit seinem Vater heraus, der Elektronikermeister sei und einige weitere Ausbildungen habe.
Maria Hötzl kommt aus Wulting (Gemeinde Schorndorf), geht aktuell in die 9c und ist auch erst 15 Jahre alt. Sie lässt sich zur Restaurantfachfrau ausbilden und hat ihre Lehrstelle im Bayerwaldhof in Liebenstein gefunden. Sie habe mehrere Praktika gemacht, etwa im Altenheim oder bei der Firma Frey oder auch bei einem Bäcker. Eine Bewerbung habe genügt. Fahrprobleme werde sie nicht haben, denn das Hotel biete ihr ein Zimmer vor Ort.
Wichtig sei ihr, mit Menschen etwas zu machen und über den Beruf auch die Welt kennenzulernen. Und auch ihre Eltern haben ihr bei der Berufswahl alle Wege offen gelassen – ihr Vater arbeitet bei der Firma Zollner, die Mutter ist im Kindergarten beschäftigt.
Arbeiten direkt vor Ort
Antonia Gietlhuber, auch erst 15 und aus der Klasse 9c, kommt aus Michelsneukirchen und wird dort auch arbeiten. Sie wird Bäckerin und lernt den Beruf in der Bäckerei Blab in Michelsneukirchen. „Ich habe dort auch ein Praktikum gemacht und kenne die Bäckerei schon lange. Es macht Spaß dort“, ist sie sich sicher. Sie habe erst Köchin werden wollen, doch seien ihr da die Arbeitszeiten zu wechselhaft gewesen. Auch als Bäckerin müsse sie zwar früh aufstehen, doch da gewöhne man sich dran – am Ende bleibe doch viel vom Tag übrig.
Ihre Liebe zu Lebensmitteln und deren Entstehung hat sie bei den Europa-Miniköchen entwickelt. Das Projekt, das vom Hotel- und Gaststättenverband im Landkreis, speziell von Manuela Heizler, angeschoben wurde, soll Kindern gesunde Ernährung und Kochen näherbringen. Da sei sie noch immer dabei, sagt Antonia Gietlhuber. Sie hat auch vor, nach der Lehre noch den Weg zur Meisterin im Bäckerhandwerk zu beschreiten. Die Berufsalternative sei Kinderpflegerin gewesen, „das hat mir auch gefallen!“
Auch hier sind die Eltern von ihren Jobs her gesehen weit weg: die Mutter ist Apothekerin, der Vater Technischer Zeichner.
Beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Schule: Gut 120 Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen der Rodinger Mittelschule sind aktuell in den Abschlussprüfungen. Fast alle haben bereits einen Lehrvertrag in der Tasche und dafür eine breite Auswahl gehabt.
Lage: So günstig wie nie sei die Lage, sagt Heinrich Achatz, künftiger Rektor der Mittelschule. Es seien Berufsfelder für Mittelschüler offen, die es früher nicht im Angebot gab, wie etwa MTA- oder PTA-Ausbildungen.
Welle: Er sehe diese Chancen zwar als Welle, doch die aktuellen Schulabgänger könnten sie gut nutzen. Der Fachkräftemangel öffne für Mittelschüler Türen, die vor zehn Jahren noch für sie verschlossen waren.
Freude: Was ihn freue, so Achatz, sei, dass in den Gesprächen nicht einmal das Thema Work-Life-Balance eine Rolle gespielt habe. Ziel der Jugendlichen sei es, Freude am Beruf zu haben. Wichtig sei es, dass die Schüler die Ausbildung abschließen würden: „Das Schlimmste für uns ist, wenn einer nach drei Wochen hinschmeißt!“





