Vor 25 Jahren wurde das Pflegestift Waldmünchen eröffnet und ist seither deutlich gewachsen

Seit 25 Jahren gibt es das Pflegestift in Waldmünchen. Es liegt im Residenz-Wohnpark, der 1999 eingeweiht wurde und sich auf dem früheren Spaettgelände, einer einst das Stadtbild prägenden Tuchfabrik, befindet. Ein Rückblick anlässlich des Jubiläums.
Das 25-jährige Bestehen des Pflegestiftes wird am Sonntag, 30. Juni, gefeiert. Eigentlich ist es das Sommerfest der Heimbewohner, aber weil es ein Jubiläum ist, wird es etwas offizieller begangen. Es wird eine Andacht und anschließend Grußworte geben, berichtet Regionalleiter Bernd Pirner. Danach gibt es Gegrilltes, später Kaffee und Kuchen sowie Führungen. Alles musikalisch umrahmt von den Z´s.
Start mit 35 Pflegeplätzen
Angefangen hat alles vor 25 Jahren im Gebäude der Residenzstraße 3. Konzipiert war das Gebäude für die Pflege von 35 Menschen unterschiedlicher Pflegegrade, berichtet Pirner. Drum herum gab es viele Eigentumswohnungen für ältere und alte Menschen. Die ursprüngliche Idee war, dass diese Menschen im Laufe der Zeit immer stärker die Angebote des ansässigen Pflegedienstes nutzen sollten. Doch diese Idee hat sich nicht durchsetzen können. „Auch wenn das wunderschön und genial gewesen wäre“, sagt Pirner. Pflegestift und der Wohnpark Seniorenresidenz sind zwar im gleichen Areal, haben aber faktisch nichts mit einander zu tun.
Schon damals kümmerten sich die Dienste für Menschen, die zur Diakonie gehören, um das Pflegestift. In den letzten Jahren sind die Angebote der Dienste für Menschen aber gewachsen und damit auch die Räumlichkeiten. 2016 übernahmen die Dienste für Menschen auch das Further Georgsstift.
2022 folgten nach dem Tod des Wirtes Anton Meier auch das Lokal und die Küche des Kupferdachls von Dienste für Menschen übernommen. Insbesondere die Großküche war für die Pflegestifte in Waldmünchen und Furth im Wald ein Anreiz. Jetzt war es möglich die Menschen in den beiden Häusern mit frischem eigenen Essen zu versorgen, erklärt Pirner. Vorher habe man in den kleinen Wohnküchen oft auf Convinience-Produkte zurückgreifen müssen.
Nächster und neuester Schritt der Erweiterung war die Übernahme des bisherigen Hotels. Das war 2023 und heuer im April 2024 ist der Pflegebetrieb mit 25 zusätzlichen Pflegeplätzen in 21 Einzel- und zwei Doppelzimmern in Betrieb gegangen. Obwohl etliches der ursprünglichen Hotelausstattung übernommen werden konnte, dauerte der Umbau etwa ein halbes Jahr, wie es in der Hauszeitschrift Stiftsbladl heißt. Die neuen Räume werden auch bei der Jubiläumsfeier zu besichtigen sein.
Dennoch steigen die Pflegeplätze nicht auf die rechnerisch möglichen 60 (25 neue und 35 bestehende) Pflegeplätze, sondern nur auf 52. So werden im Stammgebäude aus den ursprünglich 35 Pflegeplätzen künftig 27. Es würden Doppelzimmer aufgelöst, berichtet Pirner. Die Doppelzimmer, so Pirner, „gelten nicht mehr als zeitgemäß.“
Diese Platzanzahl könne man mit eigenem Personal stemmen. Bisher hatte man 35 bis 37 Pfleger und Pflegerinnen, mittlerweile liege man bei 43 und plane weitere Einstellungen, sagt Pirner. Dass es ihm weiter gelingt, Pflegekräfte zu gewinnen, wo anderswo die Angebote wegen Personalmangel zurückgefahren werden müssen, macht Pirner am Tarif der Diakonie fest. „Das spielt eine Rolle“, sagt er.
Im Pflegestift würden alle Grade der Betreuung gepflegt. Man biete auch Palliativbetreuung und Kurzzeitpflege an. Allerdings sei hier die Not besonders groß. Man erhalte viele Anfragen von Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt in Pflege müssten. Bei den Aufnahmen achte man auch auf die regionale Zugehörigkeit. Aufnahmen aus dem Landkreis und dem Altlandkreis Waldmünchen seien ihm wichtig.
Menschen kommen später
Verändert habe sich in den letzten 25 Jahren in der Pflege sehr viel. Vor allem sei die Pflege selbst anspruchsvoller geworden, weil die Menschen viel später in ein Pflegeheim kämmen. Nämlich erst dann, „wenn es zuhause gar nicht mehr geht“, sagt Pirner.
Von den „Dokumentationspflichten werde man mittlerweile erschlagen“, formuliert Pirner drastisch. Mit den Expertenstandards, die sich schnell änderten, könnte ein Pfleger kaum mehr Schritt halten. Auch die Anspruchshaltung von Bewohnern und Angehörigen sei stark gestiegen. Im „ländlichen Bereich geht das noch, aber in den Städten ist das ein ganz anderes Klientel“, sagt Pirner.
Um die Zukunft der Pflege macht sich Pirner ernsthaft Sorgen. „Langfristig und gesamtgesellschaftlich ist dieser Standard nicht zuhalten“, sagt er. Die Vorstellung, dass es irgendwann einmal zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft kommen könnte, hält er für „furchtbar“.
