Expertentipps fürs Seilziehen beim Heimatfest Waldmünchen

Von Martin Hladik · 22. Juni 2024 um 19:00

Seilziehen! Das ist eine der Hauptattraktionen beim diesjährigen Heimatfest Mitte Juli. Zehn Mannschaften haben sich schon für den Wettbewerb gemeldet, berichtet Heike Dannerbeck. Meist seien es Teams von Feuerwehren oder von Vereinen, die am 14. Juli mitziehen wollen. Aber es wäre noch Platz für weitere Gruppen. Stammtische, Urlauber, Fußballer oder andere Sportteams könnten beweisen, was sie in Armen, Beinen und im Rücken haben. Eine Anmeldung ist noch bis zum 5. Juli unter kultur@waldmuenchen.de möglich. Für eine Mannschaft braucht man mindest acht Leute, zwei davon müssen Frauen sein, bis zu vier Reserveleute sind möglich.

Tauziehen & more ...

Aber was ist Seilziehen eigentlich, wenn man es nicht nur als Gaudi betreibt? Die meisten der im Deutschen Rasenkraftsport- und Tauziehverband organisierten Vereine gibt es in Baden-Württemberg, einige wenige in Bayern und zumindest nominell einen in der Oberpfalz. Es ist der SV Rieden zwischen Schwandorf und Amberg. Hier gibt es die Abteilung Tauziehen & more. Gestartet ist die Truppe tatsächlich als Seilziehabteilung, aber vor zehn Jahren hat man sich aus dem Wettkampfsport zurückgezogen und setzt jetzt auf gesellige Aktivitäten.

Trainer der Mannschaft, die in der Landesliga Baden-Württemberg zog, war Thomas Schmucker. Von ihm wollten wir ein paar Tipps, was beim Seilziehen wichtig ist. „Kraft, vor allem Griffkraft“, erklärt er am Telefon. Man solle ruhig mal ein Seil um einem Baum wickeln und am losen Ende ziehen. Da merke man schnell, wie anstrengend das sei. Um das Seil gut zu halten zu können, habe man in der Liga eine Art Harz benutzt. Das ist beim Wettbewerb in Waldmünchen aber nicht erlaubt.

„Einen Riss setzen“

Ansonsten sei Ausdauer gefragt, berichtet Schmucker. Er berichtet, wie sich Mannschaften am Seil gegenüberstehen und in starker Rücklage mit aller Kraft gegeneinanderziehen. „Irgendwann fängt eine Mannschaft an zu wackeln. Dann muss man einen Riss setzen!“ Mit Riss meint er das Anziehen der stärkeren Mannschaft. Die sollte dann koordiniert Schritt für Schritt nach hinten gehen und die Markierung am Seil über die Zielmarkierung ziehen. Gute Mannschaften könnten dieses koordinierte Anziehen schnell umsetzen.

Ein Zeichen, dass eine Mannschaft am Ende ihrer Kräfte ist, sei, dass sie das geradlinige Zurücklehnen im Seil nicht mehr halten kann und die Oberkörper nach vorne gezogen werden. Genauso gefährlich sei es, wenn man den Halt am Boden verliert. Als Schuhe ist alles verboten, was Stollen oder Spikes hat. Erlaubt sind aber Wanderschuhe oder Arbeitsschuhe. Die Profis tragen Stiefel mit Stahlabsatz, so steht es in der Regelkunde des Tauzieh-Verbandes. Auf eines müsse man aber vorbereitet sein: Das Tauziehen werde Spuren auf dem Platz hinterlassen, sagt Schmucker.

Eine Rolle beim Tauziehen spielt das Gewicht einer Mannschaft, deswegen gibt es im Sportbereich Gewichtsklassen. „Eine 500-Kilo-Mannschaft hat gegen eine 800-Kilo-Mannschaft kaum eine Chance“, sagt der ehemalige Tauzieh-Trainer. Beim Hobby-Wettbewerb in Waldmünchen sind Gewichtsklassen aber nicht vorgesehen.

Beim Sportgerät, dem Seil oder Tau, hat die Stadt auf ein Profigerät zurückgegriffen. Heike Dannerbeck hat zwei 33,5 Meter lange Hanfseile besorgt mit einem Durchmesser von 35 Millimetern. Und natürlich stammt das Tau aus einer Stadt, die sich damit auskennt, Seile herzustellen, nämlich aus der Hamburger Tauwerk Fabrik. Für den Seilziehwettbewerb ist es mit den richtigen Markierungsbändchen in der Mitte versehen, und es ist auch erkennbar, ab wo angefasst werden darf. Eines lässt sich auch sagen: Das Tau liegt gut in der Hand. Auch hier gibt es noch einen Tipp vom Seilzieh-Trainer aus Rieden. Das Seil sollte in einer Mannschaft auf möglichst einer Höhe verlaufen, um keine Kraft zu verlieren. Ein Regelverstoß wäre es, wenn sich jemand das Seil irgendwie um den Körper oder den Arm wickeln oder mit dem Arm einklemmen würde. Handschuhe sind im Übrigen auch nicht erlaubt. Der Einzige, der sich das Tau diagonal über die Schulter legen darf, ist der sogenannte Ankermann – und der steht ganz am Ende des Seils.

Heike Dannerbeck zeigt eines der Seilzieh-Taue. Foto: Hladik