Die friedlichen Erben des Kalten Krieges 20 Jahre nach dem Abzug der Soldaten in Bad Kötzting

Erst vor wenigen Tagen haben sich über 200 Ehemalige, die in der Hohenbogen-Kaserne ihren Dienst versehen hatten, wieder einmal getroffen. Dass die Kaserne für immer geschlossen wurde, das jährt sich erst am 30. Juni zum 20. Mal – eine gute Gelegenheit, auch einmal darauf zurückzublicken, was mit dem rund 100000 Quadratmeter großen Areal in den vergangenen beiden Jahrzehnten geschehen ist.
Knapp 40 Jahre lang hatten hier Soldaten ebenso ihren Dienst versehen wie auch auf der Einsatzstellung auf dem Hohenbogen – die beiden Türme künden noch heute weithin sichtbar davon. Sowohl für die Anlage am Zeltendorfer Weg als auch für die Türme fanden sich ab Juli 2004 nicht leicht neue Besitzer; obwohl in der Stadt natürlich schon lange zuvor die Gespräche mit dem Bundesvermögensamt begonnen hatten, zog sich eine Einigung bis in den Dezember 2007 hin.
Platz für die jüngsten Bürger
Wie hoch der Kaufpreis damals war, ist offiziell nicht bekannt. Fest steht aber, dass das Areal der ehemaligen Hohenbogen-Kaserne heute auch auf sehr friedliche Weise bestens genutzt wird: Nicht nur, dass der Bauhof in einen sehr großen Teil eingezogen ist, der zuvor schon durch die Soldaten für die Instandhaltung der Fahrzeuge genutzt worden war; nachdem lediglich zwei der drei Unterkunftsgebäude beseitigt worden waren, sind heute alle Bauwerke auf dem Gelände, das nun (Begegnungszentrum) BZ Alte Kaserne heißt, so gut genutzt, dass sogar schon aufgestockt werden musste.
Letzteres war erst in den vergangenen Jahren der Fall: Rund zwei Millionen Euro investierte die Stadt hier in die Erweiterung der Kinderbetreuungs-Einrichtung, die durch die Arche Noah betrieben wird. Wo bis 2004 die Soldaten ihre Kantine hatten, spielen heute die kleinsten Bürger der Stadt.
Noch schneller war allerdings eine Nachnutzung für das ehemalige Offiziers-Kasino und das verbleibende Unterkunfts-Gebäude gegenüber gefunden. Hier hatte Herbert Sobotta bereits Mitte des Jahres 2008 die Nutzung als Jugend-, Sport- und Bildungsstätte angeregt, die er bis heute hier betreibt. Eine Nachnutzung, um die es erst vor wenigen Tagen wieder spannend geworden ist, da die Stadt die rund 19000 Quadratmeter Fläche, die die JST seit rund 15 Jahren umfasst, zum Verkauf ausschreiben möchte. Die Ausschreibung ist allerdings so eng vorgesehen (passend zum bisherigen Konzept, keine Wohnbebauung zugelassen), dass sich letztlich nicht viel ändern dürfte an dieser Stelle, auch wenn die Stadt nicht mehr Besitzer sein sollte. Die Anlage selbst zu betreiben sei allerdings auch nicht im Sinne der Stadt, hieß es zur Begründung der Entscheidung.
Türme 2008 verkauft
Wo früher der Nachschub untergebracht gewesen war, haben heute Vereine ihre Büros im Haus der Begegnung, und es zog auch die städtische Bücherei ein. Das Jugendzentrum wird im ehemaligen Sanitäts-Bereich beherbergt, und die Sportstätten wurden noch um Plätze für Beach-Volleyball oder einen Skater-Park erweitert. Erst in diesen Tagen geht der neu angelegte Stellplatz für Wohnmobile in Betrieb. Viel Leben tummelt sich auf dem einst militärisch genutzten Areal.
Auch die Türme fanden mit Michael Schreiner im Jahr 2008 einen neuen Besitzer. Der Abbruch wurde umgangen, indem die Anlage unter Denkmalschutz gestellt worden war. Darum sind sie heute öffentlich zugänglich, der neue Besitzer hat durch eine Außentreppe sogar die Plattform auf dem Turm, der früher durch die Bundeswehr genutzt worden war, zugänglich gemacht. Bundesweit gesehen hat das Militär so insgesamt wohl sehr gute Erben für die Symbole des Kalten Krieges gefunden und 20 Jahre nach der Auflösung der Hohenbogen-Kaserne die Räume sinnvoll für friedliche Zwecke zu nutzen gewusst.
