Fernsicht vom ehemaligen Abhörturm: Neue Pläne für Aussichtsplattform am Hohenbogen

Von Christina Hainzinger-Feigl · 24. Februar 2024 um 15:00

Sie ist im doppelten Sinn ein „Höhepunkt“: die Aussichtsplattform auf dem ehemaligen Fernmeldeturm am Hohenbogen. Auf rund 1100 Metern Höhe geht der Blick bei gutem Wetter bis in die Alpen. Und: Auch der Landkreis Cham nennt die Plattform einen Höhepunkt seiner touristischen Attraktionen – etwa im Imagefilm zum 50-jährigen Bestehen des Landkreises (2022).

Vor zehn Jahren hat Besitzer Michael Schreiner die Außentreppe samt Plattform an den Turm anbringen lassen. Ob sich die Investition gelohnt hat und welche Pläne er aktuell auf dem Schwarzriegel verfolgt, hat der 40-Jährige unserer Zeitung erzählt.

2014 verbaute eine Abensberger Firma 100 Tonnen Stahl und 4800 Schrauben für die Außentreppe, die auf 260 Stufen auf die Plattform führt. Auf 50 Meter über dem Schwarzriegel bietet sich eine herrliche Fernsicht in alle Himmelsrichtungen. Der Turm selbst ist 75 Meter hoch – und war übrigens nie ein „Nato-Turm“, wie er gerne bezeichnet wird. Hubert Wenzl, Vorsitzender des Traditionsvereins Hohenbogen-Kaserne Bad Kötzting, erklärt den Unterschied. „Auf dem Hohenbogen haben Soldaten von drei Nationen (Deutschland, USA, Frankreich) Dienst getan; sie haben aber alle national gearbeitet und es war nie vorgesehen, sie in eine Nato-Struktur zu integrieren.“

Nato-Türme am Hohenbogen: Wirtschaftlich tragfähig

Zurück zur Plattform. Die ist nach zehn Jahren Bestehen wirtschaftlich tragfähig, sagt Michael Schreiner. „Die Besucherzahl hat das Niveau der Vor-Coronazeit erreicht und steigt jährlich um fünf Prozent.“ Allein die Besucherzahl der Plattform sei fünfstellig, dazu kämen noch die Gäste, die nur den Biergarten und den Spielplatz besuchten. „Den Kaufkraftverlust spüre ich noch nicht. Vielleicht auch, weil die Plattform-Tickets nicht teuer sind.“ Nach wie vor koste ein Einzelticket sechs Euro. „Der Pyramidenkogel (ein Aussichtsturm in Kärnten) kostet 17 Euro.“

2008 kaufte Michael Schreiner das ehemalige Militärgelände nebst Gebäuden auf dem Schwarzriegel von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Er habe einen „intensiven Lernprozess“ hinter sich, sagt er. „Viele haben mir das hier nicht zugetraut, aber ich habe mich nicht beirren lassen.“ Damals gründete er die Hoher Bogen Mountain Resort GmbH, wollte den früheren Abhörturm der Bundeswehr zu einem Museum über den Kalten Krieg, einem Lokal und einer Jugendbegegnungsstätte umwandeln. Es habe seine Zeit gebraucht, bis er sich mit der Infrastruktur auf dem Berg vertraut gemacht habe – und viel Geld, sagt Michael Schreiner und spricht von einem „teuren Hobby“. Heute würde er keinen so „bombastischen Namen“ für seine GmbH mehr wählen. „Ich will hier ja kein Hollywood bauen.“ Der 40-Jährige fühlt sich auch nicht als „Investor“. „So können sich andere Leute nennen. Aber ich bin hier daheim.“

Auch deshalb will Schreiner eine sanfte Erschließung des Berges (mit Rücksicht auf die Natur) und eine zivile Nutzung des ehemaligen Abhörturms, die mit dessen Status als Denkmal verträglich ist. Deshalb hofft er auch auf Fördermittel vom Landesamt für Denkmalpflege, mit dem Schreiner seit knapp vier Jahren im Austausch steht. Aktuell hofft er, Mittel aus dem sogenannten Entschädigungsfonds zu erhalten. Ein geschätzt siebenstelliger Betrag sei nötig, um mit den erhofften Zuschüssen und Eigenmitteln die Sanierung der Außenhülle und der Infrastruktur des Turms zu finanzieren.

Heizung und Halle am Hohenbogen neu gebaut

Schon 2023 hat Schreiner eine große Summe investiert, ein Gebäude, das die französische Luftwaffe nutzte, weggerissen und eine Halle neu gebaut. Dort lagern jetzt Hackschnitzel für die ebenfalls neu gebaute Heizung und stehen ein neu angeschafftes Räum- und ein Allradfahrzeug. Schreiner kann sich drei Nutzungsvarianten des Turms vorstellen: eine Ausstellung zum Kalten Krieg (kein Museum, dafür bräuchte Schreiner einen Kurator); eine gastronomische Nutzung; oder Ausstellung plus Gastronomie.

Noch ein Wort zur Ausstellung: Nur einige wenige Geräte – zum Beispiel solche, die der Erfassung oder Auswertung dienten – befinden sich derzeit im Turm, sagt Hubert Wenzl. Sie seien Eigentum des Traditionsvereins, der sich, sollte es zu einer Ausstellung kommen, um den Aufbau und die Beschriftung der Geräte kümmern würde. Der Großteil der Geräte ist in zwei Gebäuden im Begegnungszentrum Alte Kaserne aufgebaut. Wenzl informiert, dass es sich dabei um Geräte des Fernmeldesektors F sowie aus der militärhistorischen Sammlung der Kaserne in Trier handelt. Als diese geschlossen wurde, übernahm der Traditionsverein die Sammlung, die auch Geräte umfasst, die mit der Arbeit des Sektor F nichts zu tun haben. Die Geräte, die im Turm stehen, stammen aus Trier, nicht vom Sektor F. Wenzl: „Das ist nicht zu vergleichen mit dem, was wir in der Kaserne haben.“ Durch das Museum des Traditionsvereins führen ehemalige Kötztinger Soldaten – die Führungen am Turm macht Michael Schreiner. Das wird sich auch nicht ändern, sagt Wenzl: „Der Turm ist jetzt in Privatbesitz, Führungen dort machen wir nicht und werden wir nicht machen.“

Historisches

Fernmeldesektor-Türme der Luftwaffe: Mitte der 1960er Jahre errichtete die Bundeswehr, verteilt über das damalige Westdeutschland, fünf sich ähnelnde Funkaufklärungsanlagen mit praktisch baugleichen Türmen. Diese sogenannten Fernmeldesektoren-Türme der Luftwaffe bildeten eine Art Perlenkette entlang der deutsch-deutschen sowie der deutsch-tschechischen Grenze und waren mit Buchstaben gekennzeichnet – A, B, C, E und F. Ein Sektor G war geplant, wurde aber nicht gebaut. Die Einsatzstellung auf dem Hohenbogen gehörte zum Fernmeldesektor F. Neben der Luftwaffe betrieben auch Heer und Marine ähnliche Aufklärungstürme.

Kaserne und Horchposten: Ende 1965 bezog der Fernmeldesektor F die neu erbaute Kaserne am Zeltendorfer Weg in Kötzting. Schon vor der Aufstellung des Sektors war erfolgreich getestet worden, ob sich der Hohenbogen für die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung eignet. 1964 begannen die Bauarbeiten für den Fernmeldeturm auf dem Schwarzriegel, 1967 wurde er in Betrieb genommen.

Weitere Nutzer: Im Laufe der Zeit kamen mit den Soldaten der französischen und US-amerikanischen Streitkräfte weitere Nutzer in die Einsatzstellung auf dem Schwarzriegel. Ein neues Betriebsgebäude wurde errichtet und mit dem „Babyturm“ ein zweiter Antennenträger.

Auflösung: Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs änderte sich 1993 der Auftrag der Soldaten auf dem Turm. Er lautete ab jetzt „Ausbildung und Übung“. Der 24-Stunden-Schichtbetrieb wurde beendet und die Einheit Sektor F in die sogenannten Krisenreaktionskräfte eingegliedert. Die Entscheidung zur Auflösung kam 2001, drei Jahre später ging der Fernmeldesektor F außer Dienst.