Krippenfreunde Furth im Wald planen für die Zeit nach der anstehenden Auflösung

„Frohe Weihnachten“ steht auf dem Fußabstreifer im Büro des Dachgeschosses. Gleich links davon liegt Bethlehem. Und zwar das Bethlehem aus Peru, Mexiko und Palästina. Die Darstellung in der Hand von Johann Dendorfer kommt einem zurecht spanisch vor.
Es ist eine nachgebildete Darstellung aus der Sagrada Familie in Barcelona und ein Geschenk an den langjährigen internatonalen Präsidenten des Weltkrippenverbandes mit Sitz in Rom.
Der gelernte Finanzbeamte war von 2010 bis 2020 – sehr erfolgreich – Weltpräsident. Und als Finanzer hat er seinem spanischen Nachfolger eine wohl bestellte Kasse überlassen. Im Kleinen, direkt vor der eigenen Haustüre, hat er auch einen Verein geführt: die Krippenfreunde des Oberen Bayerischen Waldes. Doch jetzt ist der Vorsitzende Liquidator dieses Vereins. Er löst den Verein auf.
Viel Erfolg, keine Mitglieder
Die Krippenfreunde sind an einem Symptom gescheitert, das derzeit auch viele andere Vereine befällt: Nachwuchsmangel. „Wir haben alles getan. Und es hat auch funktioniert. Da waren tolle Krippen-Bastel-abende und Workshops ... Das hat viel gebracht. Viel Spaß, viel Zuspruch, aber eben keine Mitglieder“, sagt Dendorfer. Die Krippen stehen jetzt daheim in den Wohnungen. Das war’s.
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Doch allzuviel Traurigkeit will das Gründungsmitglied der Krippenfreunde gar nicht aufkommen lassen. „Wir sind ja noch da. Unsere Krippen sind noch da. Wir werden auch weiter Ausstellungen machen. Wir werden kein Verein mehr sein, aber halt ein Stammtisch.“
Was seine Sammlung betrifft, so hat jedes Stück seine Geschichte und der Sammler selbst möchte auch gerne, dass diese Geschichte mit dem Kripperl den Besitzer wechselt und in Ehren gehalten wird. Manche Geschichten sind auch skurril. So wie die der Darstellung aus der spanischen Kathedrale Sagrada Familia. Die Geburtsszene hat er zu seiner Zeit als Präsident des Weltverbandes bekommen. Von einem spanischen Kripperlvereins-Vorsitzenden – sozusagen.
„Die wollte ich gar nicht. Die war so schwer. Und ich musste sie mit nach Hause tragen. Da wollte einer sie unbedingt und ich hab sie ihm geschenkt. Als der Spanier das gemerkt hat, habe ich noch eine gekriegt. Jetzt ist sie hier“, sagt Dendorfer und weist auf den dreiteiligen Schrank voller Bethlehem.
Viel von dem, was Dendorfer einst besessen hat, ist jetzt bei anderen Menschen in den Wohnungen. „Mir ist wichtig, dass ich das Gefühl habe, dass ich damit eine Freude mache und das Kripperl dort einen guten Platz bekommt“, sagt er.
So hat er durch seine dort lebende Tochter Katharina Kontakte nach Odendorf, in die direkte Nachbarschaft des Ahrtals. Auch dort sind damals ganze Häuser untergegangen. „Meine Tochter hat mir erzählt, dass viele ihren weggeschwemmten Kripperln nachtrauern und nichts mehr haben.“ Während die Tochter monatelang in einer Großküche als gelernte Köchin aushalf, sammelten die Krippenfreunde Kleidung und Krippen. 25 Krippen und dazu die Figuren gingen ins Überschwemmungsgebiet.
Dazu besaß Dendorfer einst Papierkrippen aus aller Welt, viele davon aus Tschechien. Für die hat sich ein Sammler aus Spanien interessiert. Dendorfer gab vier Mal acht Kilo schwere Pakete auf der Post ab. Auf die Frage der Dame am Schalter, was denn da so schwer sei, antwortete der Sammler: „40 Jahre meines Lebens!“
Zehn Kilo Bethlehem liegen noch in den Regalen seines Büros. Alles Krippen aus Papier. Es gibt aber auch Perlmutt-Krippen von den Philippinen dort und eine winzige Darstellung als brasilianischen Samen. Und ein Kripperl aus Porzellan. Nicht alles ist wertvoll, aber alles Handarbeit.
„Wenn jemand kommt und sagt: Das da – das wäre ein Traum. Dann würde ich es hergeben. Mitnehmen kann man ja nichts. Und was damit passiert, wenn ich einmal nicht mehr bin — wer weiß. Vielleicht kommt dann der Container...“
Bethlehems Stammtisch
Dendorfer erinnert sich noch an die Zeit, als er mit dem Krippenbaumeister Wolfgang Stein (verstorben 2020) und Willi Schramm, dem späteren Leiter der Kreismusikschule zusammengefunden hat. „Wir haben den Verein gegründet, obwohl wir hier keine originäre Kripperl-Region sind. Aber die ersten Ausstellungen waren sehr erfolgreich. Und weil es keinen Kripperlverein bei uns gab, haben wir uns gedacht: Das könnten wir machen. Daraus sind 40 Jahre geworden“, sagt Dendorfer.
Nun hat Bethlehem einen Stammtisch. Und weil Bethlehem bekanntlich überall ist, warum nicht auch dort?
