Dauerregen führte zu ersten Einbußen – Bei Schwandorfs Landwirten hielten sich die Schäden aber in Grenzen

Von Caroline Keller, Hubert Heinzl · 19. Juni 2024 um 11:00

Felder unter Wasser und Totalausfälle bei den Ernten – vor allem in Oberbayern machte der Dauerregen der vergangenen Wochen den Landwirten das Leben schwer. Die Bauern im Raum Schwandorf kamen bisher jedoch mit einem blauen Auge davon.

Erdbeerhof Rester in Grain hat Einbußen zu beklagen:

Der tagelange Regen hat sein Übriges auf den Erdbeerfelder getan. In Grain sind die Früchte teilweise verfault, sogar die unreifen Erdbeeren sind davon betroffen. Johannes Rester erklärt, dass die Erdbeere als Nachtschattengewächs zu viel Sonne eigentlich nicht verträgt. „Vom Wasser her reicht es eigentlich. Wenn aber jetzt zu viel Sonne auf einmal kommt, ist das auch nicht gut.“ Temperaturen von 20 bis 25 Grad Celsius seien perfekt für das Wachstum. Am besten für den Geschmack der Erdbeere sei es, wenn sie möglichst lange und langsam reifen kann. Dann könne sie ihr Aroma voll entfalten. Dennoch sind die Resters noch glimpflich davon gekommen, berichtet Stefanie Rester-Schmid. „Dadurch, dass wir auf dem Berg sind, kann das Wasser nach unten ablaufen und bleibt nicht auf den Feldern stehen.“

Dass das ablaufende Oberflächenwasser aber auch Schaden anrichten kann, lässt sich beim Maisfeld beobachten. Johannes Rester erklärt, dass die Reihen, die parallel zum Hang stehen, keine Schäden davon getragen haben. Anders ist das bei den Reihen, die längs zum Hang stehen. Sie wurden vom Regen unterspült. Der viele Niederschlag setzt auch den Maispflanzen zu. Diese können laut Rester nur oberflächlich wurzeln. Wenn dann das Wetter schöner und sonniger wird, sprießt der Kolben. Die Wurzeln reichen dann aber nicht tief genug ins Erdreich und die Frucht kann nicht mit Wasser versorgt werden. Der Ausgang der Maisernte bleibt daher noch ungewiss.

Kartoffelbauern rechnen mit Einbußen im Herbst:

Apollonia Brunner vom Brunnerhof in Richt berichtet, dass den Kartoffeln die nasse Witterung auch zusetzt. Ihr Sohn musste auf den Feldern schon mit Chemie die Krautfäule bekämpfen. Man könne aber noch nicht vorhersagen, wie die Kartoffelernte verlaufen werde. „Wenn es trockener wird, ist es optimal für die Kartoffel“, erklärt Brunner. Kartoffelpflanzen würden eher ein kühles, trockenes Wetter bevorzugen. Ein feucht-warmes werde da eher zum Problem, da es das Wachstum von Pilzerkrankungen an den Knollen begünstigt. Die Frühkartoffeln hat es laut Brunner nicht so schlimm erwischt. Die Ernte im September bleibt abzuwarten: „Man muss aber mit Einbußen rechnen.“

Feuchtigkeit hat auch dem Spargel zugesetzt:

Auch wenn sich die Saison nun dem Ende zuneigt – der andauernde Regen hat auch dem Spargel zugesetzt. Sigrid Feldmeier, die Chefin auf dem Spargelhof Scharl-Feldmeier, zieht eine „durchwachsene Bilanz“, was die diesjährige Ernte betrifft. „Zwei Wochen war es ziemlich kalt. Da war fast Stillstand, und nichts ist mehr gewachsen“, berichtet sie. Mit dem Ertrag sei man aber dennoch zufrieden und freue sich bereits auf die nächste Saison.

Menge stimmt bei der Liefergemeinschaft Bioenergie:

In einer vergleichsweise komfortablen Situation befindet sich die Liefergemeinschaft Bioenergie, zu der sich rund 120Bauern zusammengeschlossen haben. Bei der landwirtschaftlichen Produktion zählt für die Mitgliedsbetriebe weniger die Qualität als die schiere Menge der Feldfrüchte. Und die gab es nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Wochen reichlich. Laut Thomas Kopf, dem Vorsitzenden der Liefergemeinschaft, läuft gerade die Getreideernte für die sogenannte Ganzpflanzensilage an. Erwartet werden nach seinen Worten „gut durchschnittliche Erträge. Die Feuchtigkeit hat den Beständen gutgetan“.

Das gilt auch für die Wiesen, an denen in den nächsten Tagen und Wochen ein weiterer Grasschnitt ansteht. Problematisch ist nach den Worten Kopfs allenfalls, dass die Flächen durch die Nässe „schwer befahrbar“ sind. Doch die Liefergemeinschaft behilft sich mit einer ganz besonderen Ernte-Reihenfolge. „Wo die Böden sandiger sind und das Wasser besser ablaufen kann, wird zuerst gemäht. Dann kommen die feuchteren Flächen dran“, erläutert der Vorsitzende. Beim Mais als dritter Feldfrucht für die Biogaserzeugung lassen sich laut Kopf zurzeit noch keine Prognosen abgeben.

Am Mulzer Hof hofft man auf einen sonnigen Juli:

Schon vor Jahren hat sich der Mulzer Hof in Naabsiegenhofen auf die Kultivierung von Himbeeren und Heidelbeeren spezialisiert. Staunässe oder dergleichen ist für die Pflanzen kein Problem, erzählt Inhaberin Rita Mulzer. Doch wenn es zur Erntezeit von Anfang Juli bis Mitte August immer noch regnerisch sein sollte, dürfte es Einbußen geben – und dies nicht nur bei den Erträgen. „Die Sonne sorgt für das gute Aroma“, weiß Rita Mulzer. Und deshalb hofft sie heuer auf einen Sommer, der seinen Namen auch verdient.

Bauernverband gibt vorerst einmal Entwarnung:

Josef Irlbacher, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Landkreis Schwandorf, kann eine erste Entwarnung geben: „Ausfälle im großen Stil, wie in Oberbayern, hat es bei uns, Gott sei Dank, nicht gegeben, auch wenn Bäche übergetreten und Wiesen überflutet waren.“ Trotzdem seien mit den kurzen, aber starken Niederschlägen der vergangenen Wochen einige Felder abgeschwemmt worden. Vor allem Mais und Kartoffeln sind laut Irlbacher davon betroffen. Das liege daran, dass diese Pflanzen noch nicht stark genug verwurzelt seien. Getreide und Raps hingegen hätten da keine Probleme. In den vergangenen Jahren hörte man immer wieder aus landwirtschaftlichen Kreisen, dass das Wetter zu trocken sei und es an Wasser fehle. „Heuer ist es fast zu viel“, sagt Irlbacher. Vor allem der Pilzbefall und Fäule erschwerten die Ernte. Aber nicht nur deshalb bringt der andauernde Regen Probleme für die Landwirte. Er verwandle den Boden in Matsch, so dass die Bauern ihre Felder über längere Zeit nicht befahren könnten.

Faulende Früchte: Zu viel Nässe ist schlecht für die Ernte – das weiß man schon aus dem eigenen Garten. Foto: Caroline Keller
Unterspültes Maisfeld: Die Reihen entlang des Hangs haben die meisten Niederschläge abbekommen. Foto: Caroline Keller