Hopfen für besondere Biere: Jürgen Schnellinger baut in Irrenlohe mehr als 40 Sorten an

Von Renate Ahrens · 15. Juni 2024 um 15:00

Mehrere Meter rankt der Hopfen in die Höhe – saftiges Grün, wohin das Auge reicht. Doch nicht nur in der Hollertau ist das so, sondern auch im Garten der Familie Schnellinger in Irrenlohe, einem Ortsteil von Schwarzenfeld im Kreis Schwandorf. Neben Kartoffeln und Radieschen wuchern etwa 40 verschiedene Hopfenpflanzen, weitere Sorten wachsen an Ecken und Hauswänden.

Der Hopfen ist aber keineswegs nur Zierde. Seit 2001 hat sich Jürgen Schnellinger seiner Leidenschaft, dem Bierbrauen, verschrieben. Alles macht der Maschinenbaumeister selbst, vom Anbau und Trocknen des Hopfens über das Schroten des Malzes bis zum Abfüllen und Etikettieren der Flaschen, die in einer selbstgebauten Flaschenwaschmaschine gereinigt werden. Das Bier, das der Irrenloher in seinem idyllischen Garten einschenkt, ist naturtrüb, mit feinem Schaum – und schmeckt würzig und gut, mit einer „hopfigen Frische“, wie der Fachmann sagt. Und er betont: „So frisch eingeschenkt ist es am besten.“

Obwohl der 51-Jährige seit über 20 Jahren braut, ist sein Bier im Landkreis eher ein Geheimtipp. Kaufen kann man es nur bei ihm, in seiner Hausbrauerei, die sich im ehemaligen Elternhaus neben seinem Wohnhaus befindet, und auf Bestellung, solange der Vorrat reicht. Manchmal werde es auf Feuerwehrfesten und seit etlichen Jahren beim Bürgerfest Schwarzenfeld ausgeschenkt.

Es begann im Wurstkessel

500 Liter passen in Schnellingers Sudpfanne, und etwa alle zwei bis vier Wochen setzt er darin, streng nach dem Reinheitsgebot, die Maische aus Wasser und Malz an. Später kommt noch der eigene Hopfen dazu und die Hefe, die er von einer befreundeten Familienbrauerei bekommt. Zwölf Stunden dauere ein solcher Prozess, an dem sich Schnellinger kaum aus seinem Brauhaus wage.

Nach etwa fünf Wochen nach „altklassischer offener Gärung“ und der Nachreifung in Fässern ist das Bier fertig. Eine automatische Steuerung gebe es nicht, alles sei Handwerk.

Angefangen hatte alles in seinem Keller in einem 80 Liter-Wurstkessel, wie es auch ein Freund tat, und der Funke war geweckt: Denn das erste Bier, ein Märzen, sei bereits stark, aber „so gut“ gewesen. Seine Begeisterung ist seitdem ungebrochen, man merkt es besonders, wenn er ins Schwärmen kommt.

Beim Bier sei es spannend: Jeder Sud schmecke anders. „So viele Faktoren spielen eine Rolle, die man auch gar nicht begründen kann“, sagt der Brauer, der längst ein Nebengewerbe angemeldet hat. Oft hat er sich überlegt, sein Hobby zum Beruf zu machen und aus dem leerstehenden Elternhaus eine Zoiglstube zu machen. Doch das Risiko sei ihm zu hoch, die Auflagen zu viele, und wegen der hohen Energiekosten bliebe ohnehin kaum etwas übrig. Nicht jeder Kunde sei bereit, etwa 20 Prozent mehr für sein Bier zu zahlen – und selbst das sei eigentlich zu wenig. „Die uralte Wirtshauskultur stirbt“, bedauert Schnellinger. Noch vor zehn Jahren sei traditionelles Bier wie seines mehr geschätzt worden.

Das Brauen und alles, was dazugehört, sei zeitaufwendig. Die ganze Familie, Ehefrau Andrea und die Söhne Johannes (24) und Michael (21), packen mit an. Das beginnt bei der Hopfenernte, die jedes Jahr Anfang September ein großes Ereignis sei. Freunde und Verwandte würden mithelfen und dabei Geschichten von früher erzählen, so wie damals auf den Bauernhöfen.

Traditionelle und neue Sorten baut Schnellinger an, die er bei Züchtern oder direkt von Bauern etwa aus der Holledau kauft, denn er liebt das Experimentieren und ist begeistert vom Ergebnis. „Manche Sorten lassen das Bier fruchtig nach Melone oder Zitrone schmecken, mit anderen Sorten entstehen Pale Ale oder Zoiglbier.“

Selbstverständlich alles bio

Alles bei ihm sei biologisch und nachhaltig. Wenn mal ein paar Läuse auf den Pflanzen seien, kümmerten sich darum die Marienkäfern. Der Nachbar, der ihm jedes Frühjahr mit der Schubkarre Kuhdung für den Hopfengarten bringt, bekommt von ihm den Treber nach dem Brauen als Tierfutter. Natur pur also. Im ehemaligen Elternhaus werden die Dolden im September im luftigen Dachboden auf Gitterkörben ausgebreitet und täglich gewendet, und nach einer Woche kann der Hopfen luftdicht in Säcken verpackt werden. Diese rund 30 Kilogramm reichen dem Brauer das ganze Jahr.

Inzwischen braut er untergäriges Helles und Dunkles, Zoiglbier, Märzen und „Goldrotes Weizen“, und hin und wieder obergäriges Pale Ale, und saisonal Osterbier, Winterzoigl, Kupfer, oder das mit erntefrischem grünen Hopfen eingebraute Hopfa-Zoigl. „In Irrenlohe gibt es gutes, weiches Wasser, auch das spielt eine große Rolle.“ Kein Bier könne kopiert werden, und genau das finde er so spannend, sagt Schnellinger, nimmt einen Schluck Bier und blickt auf seinen Garten, während die Sonne auf den Hopfen scheint und Vögel zwitschern.

Service-Angebot

Abfüllung: Das nächste Bier ist am 21.Juni zum Verkauf bereit. Die Abholung der Vorbestellungen ist am 21.Juni von 10bis 18 Uhr und am 22.Juni von 10 bis 13Uhr möglich.

Vorab Bestellen: Nur per E-Mail und telefonisch werden Bestellungen angenommen, weitere Infos auf schnellinger-bräu.de. Dort gibt es auch Festzubehör wie Fässer und Zapfgarnituren, Schirme und Bierbänke.

Alle zwei bis vier Wochen wird der Sud angesetzt. Die Zutaten sind natürlich und streng nach dem Reinheitsgebot ausgewählt. Fotos: Renate Ahrens