Syrer in Regensburg von Brücke gestoßen: Prozess gegen Deutschen offenbart neue Vorfälle

Von André Baumgarten · 15. Juni 2024 um 19:00

Im Prozess um den Brücken-Stoß von Regensburg sind ganz neue Details zutage gekommen. Auch der Anwalt des Mannes, der einen 21-Jährigen im Herbst 2023 schwer verletzte, spricht zum ersten Mal.

Im Oktober stößt ein 29-Jähriger einen jungen Syrer von der Steinernen Brücke – mutige Augenzeugen hielten den Verdächtigen auf, der dann den Hitlergruß zeigte. Selbiges tat er weniger als vier Stunden vor der als versuchter Mord klassifizierten Tat bereits in Amberg. „So quasi, schaut mal, was ich mache, ihr könnt mir nix“, beschrieb es ein Zeuge am Freitag vor Gericht. Zudem berichtete eine Kripobeamtin von einer früheren Axt-Attacke auf Polizisten.

Die Schwurgerichtskammer am Landgericht hat in dem Fall, der wegen des fremdenfeindlichen Kontextes im Herbst bundesweit Schlagzeilen machte, nicht über Schuld zu entscheiden. Für den psychisch schwer vorbelasteten 29-Jährigen geht es vielmehr um die dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie. Obgleich die Staatsanwaltschaft von „ausländerfeindlicher Gesinnung“ als Motiv ausgeht, hält sie den Beschuldigten für schuldunfähig.

Verteidiger Marius Hoser betonte dazu auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern, alle Auffälligkeiten diesbezüglich stünden in engem Zusammenhang mit dem psychischen Zustand seines Mandanten. Denn: Die Ermittlungen hätten aus seiner Sicht keine weiteren objektiven Beweise ergeben, dass dieser rechtsradikal sein könnte.

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Dass der 29-Jährige kein unbeschriebenes Blatt ist, ließ der Vorsitzende Richter Thomas Polnik durchblicken, als er das Vorstrafenregister mit fünf Einträgen ansprach. Verlesen werden sollen die in einem der nächsten Termine. Dann dürften womöglich auch mehr Details zur Attacke mit einer Axt ans Licht kommen, die wohl bei einem früheren Polizeieinsatz in Amberg passierte. Dafür hätte sich auch der psychiatrische Sachverständige interessiert, der noch am Freitag nichtöffentlich sein Gutachten erstattete.

Trotz schlimmer Folgen: Opfer verzeiht Beschuldigtem

Das Opfer des unvermittelten und hinterhältigen Angriffs, ein 21-jähriger Syrer, kämpft bis heute mit den Folgen – körperlich wie psychisch. Fast sieben Meter tief war der Asylbewerber gefallen und landete schwer verletzt auf dem Pfeiler des Wahrzeichens der Stadt.

Als der 29-Jährige ihn von der Brüstung der Steinernen Brücke stieß, hatte der Geschädigte gerade mit seiner Mutter videotelefoniert. Deren Ungewissheit, so seine Aussage vor Gericht, belaste ihn besonders. Dennoch nahm er die Entschuldigung des Mannes an.

Spätestens am 21. Juni soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mann eingewiesen wird. Bis dahin wird der Prozess mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

Seit dem Vorfall ist der 29-Jährige (li.) in der Psychiatrie untergebracht – er wird zum Prozess von der Polizei vorgeführt. Foto: Baumgarten