Silvester-Randale in Regensburg – Erster Hemingways-Schläger gesteht vor Gericht

Das Jahr 2024 begann in Regensburg mit brutalen Attacken dreier Intensivtäter und Randale. Der erste Prozess um die Vorfälle hat nun begonnen – die Opfer schildern vor dem Schöffengericht dramatische Minuten.
Erst machen sie reihenweise junge Frauen an, filmen sie ungeniert, dann fliegen Fäuste und abgebrochene Flaschen – die Vorfälle in der Neujahrsnacht in Regensburg schockierten. Dabei hatte die Polizei zuerst von einem ruhigen Silvester gesprochen, dann machte jedoch ein Video die Runde, das es in sich hatte. Es zeigt, wie bei der Silvester-Randale dreier Tunesier mehrere Menschen teils massiv verletzt werden. Gegen den ersten der Angreifer hat gestern der Prozess begonnen. Er gestand, wollte sich entschuldigen, tat es dann aber doch nicht.
Der 38-Jährige, den Polizeibeamte an Händen und Füßen gefesselt in den Saal führen, sitzt fast durchgehen d mit gesenktem Blick auf der Anklagebank. Er bewegt die Lippen, als würde er Verse vor sich hinsprechen. Sieht man den Mann, der seinen 39. Geburtstag dieser Tage in U-Haft in Landshut feiern wird, lässt sich kaum erahnen, welches „Kaliber“ er zu sein scheint – die Verlesung der fünfseitigen Anklageschrift offenbart, wie wenig er offenbar von Gesetzen und geltenden Regeln des Landes zu halten scheint, in dem er Asyl beantragte.
Obwohl der Tunesier ab 3. November nach dem Diebstahl einer E-Zigarette in einer Regensburger Tankstelle dort Hausverbot hatte, tauchte er immer wieder auf: Neunmal beging er somit Hausfriedensbruch, zweimal stahl er dabei erneut (Bier), beleidigte und bedrohte sogar einen Angestellten. Im Dezember 2023 wurde er mit Ecstasy-Tabletten erwischt. In zwei Monaten summierten sich so sechs Tatbestände aus dem Strafgesetzbuch. Der schwerwiegendste ist gefährliche Körperverletzung in acht Fällen – als das Jahr 2024 gerade ein paar Stunden alt war.
„Mega viele Flaschen“ flogen auf die Menschen
Tatort war die Obere Bachgasse in der Altstadt. Weil sie im Hemingways mehrfach weibliche Gäste belästigten, wurden der Angeklagte und seinen zwei Freunde des Lokals verwiesen. Eine resolute Barkeeperin und mehrere Kollegen geleiteten die Männer nach draußen. „Auf einen Schlag ist es so richtig eskaliert“, berichtet eine Augenzeugin gestern im Prozess vor dem Schöffengericht. Erst schlug der 38-Jährige eine Barkeeperin, dann eskalierte es.
Mitarbeiter und auch unbeteiligte Gäste wurden dabei attackiert. Zunächst griff ein Angreifer zu einer Champagnerflasche, zerschlug sie, drohte damit und warf sie dann in Richtung der Menschentraube vor dem Eingang. So schildert es ein Zeuge. Dann flogen „mega viele Flaschen“, erinnert sich eine Barkeeperin. Scherben davon verletzten zwei Männer. Ein anderer Mann wurde von einer Flasche am Nacken getroffen. Der dicke Kragen der Winterjacke habe ihn vor Schlimmerem bewahrt, erklärt der 22-Jährige dazu. Wer den Schlag führte, kann er jedoch nicht sicher sagen.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Alte Bekannte vor Gericht: Schüler (16) in Regensburg mit Elektroschocker abgezockt?
Einen 24-Jährigen, der kurz vor der Silvester-Randale zum Rauchen rausgegangen war, erwischte es bei der Attacke besonders schwer – so sehr, dass „ich fast verreckt wäre“. Einer der Täter sei auf ihn zugekommen, habe eine Flasche vor ihm am Boden zerschlagen und aus kürzester Distanz unvermittelt auf ihn geworfen. „Er war es nicht“, betont er mit Blick auf den Angeklagten. Der 24-Jährige musste notoperiert werden und leidet bis heute an den Folgen, begab sich für mehrere Wochen sogar stationär in psychologischer Behandlung.
Deal für Geständnis – Entschuldigungen fehlten
Ohne sichtbare Regung oder Emotion nahm der angeklagte Tunesier die drastischen Schilderungen zur Kenntnis. Sein Verteidiger Maximilian Keser hatte zu Prozessbeginn ein Rechtsgespräch angeregt – das mündete in einem Deal, dem auch Staatsanwalt Konstantin Voges, Leiter des im Herbst 2023 eigens für tunesische Intensivtäter gegründeten Referats, zustimmte. Für ein Geständnis des Angeklagten stellte das Gericht nicht mehr als drei Jahre und drei Monate Haft in Aussicht.
Die von Anwalt Keser angekündigte Entschuldigung bei den Opfern der Silvester-Randale von Regensburg blieb jedoch aus. Der Prozess wird am 19. Juni fortgesetzt, wo auch das Urteil fallen soll. Die beiden Mittäter stehen ab Anfang Juli dann vorm Schöffengericht.