FTI-Insolvenz: Regensburger Unternehmer steht nach Pleite bei Reiseunternehmen im Feuer

Tausende sind betroffen von der Insolvenz in der Reisebranche – dabei führt der gebürtige Regensburger Karl Markgraf seit 2022 das Ruder. Nun wurde bekannt, welche finanziellen Verstrickungen es im Hintergrund gibt. Das müssen Reisende jetzt wissen.
Etwa 60.000 Reisende waren akut von der Insolvenz des Reiseanbieters FTI betroffen. Der Kopf von FTI ist ein gebürtiger Regensburger: Karl Markgraf machte als IT-ler Karriere, bevor er 2022 zum CEO des Reiseunternehmens berufen wurde. Kurz vor dem Insolvenzantrag soll Markgraf versucht haben, noch Millionen für die Finanzierung der Lücken bei FTI locker zu machen – er scheiterte.
Noch vor einem Monat veröffentlichte Markgraf auf seinem Linkedin-Profil eine Meldung, die angeblich die Zukunft des Reisekonzerns skizzieren sollte: „In der FTI-Gruppe schauen wir in die Zukunft und die nächste Phase von Wachstum und digitale Transformation“, schrieb der CEO auf Englisch dort. Dabei verkündete der gebürtige Regensburger, ein Konsortium würde 125 Millionen Euro in das Reiseunternehmen investieren. Doch schon vor einem Monat, also Wochen vor dem Insolvenzantrag, kam Kritik. Die Vorsitzende des Bundesverbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros schrieb Markgraf ins Stammbuch: „Ich sag's hier ganz offen, ohne das Vertrauen der potenziellen Urlauber und des stationären Vertriebs, sowie den Fokus auf höhere Erlöse wird das nichts!“ Umsatz allein und Marktanteilgewinnung reiche nicht – „das sollten Sie jetzt gelernt haben“, so die Verbandsvertreterin.
600 Millionen Staatshilfe
Noch im Februar trat Markgraf dann auch relativ breitbeinig im Branchendienst FVW (Fremdenverkehrswirtschaft) auf. In einem Interview sagte Markgraf: „Wir fokussieren uns auf ein profitables Wachstum, und wir haben in den vergangenen Jahren kräftig in die Transformation investiert. Das kostet erst einmal Geld, aber da werden wir in Zukunft die Früchte ernten.“ Berichte über eine finanzielle Schieflage, die bereits damals ins Kraut schossen, dementierte er schlichtweg.
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In der Branche war zudem bekannt, dass der Reiseanbieter massive Leistungen vom Wirtschaftsstabilisierungsfonds aufgrund der Corona-Ausfälle bekommen hat. 600 Millionen flossen, hinzu kamen Bankdarlehen von 280 Millionen Euro. Markgraf aber sagte, das sei kein Problem: „In dem Zusammenhang möchte ich mit Blick auf die jüngsten Presseberichte betonen, dass wir wahrscheinlich derjenige Veranstalter sind, der am stärksten regulatorisch überwacht wird.“ Mit den staatlichen Hilfen sei eine „sehr detaillierte Kommunikation zu den finanziellen Fortschritten verbunden“.
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Hunderttausende sollen es sein, die eine Reise beim derzeit drittgrößten Anbieter des Landes gebucht haben sollen. Welche finanziellen Auswirkungen der Insolvenzantrag haben wird, ist indes noch nicht ganz sicher. Allerdings gibt es einen Reiseversicherungsfonds.
Hätte die Reise bis zum 5. Juli stattgefunden, bekommen die betroffenen FTI-Kunden eine Entschädigung aus dem Fonds. Alle Kunden, deren Reisestart erst nach dem 5. Juli stattfinden würde, müssen warten, ob die Reise abgesagt wird.
Auch in einer Erklärung des Unternehmens selbst wird der Finanzdeal erwähnt, den Markgraf noch Anfang des Jahres verkündet hatte. Demnach sollten 125 Millionen Euro von der Investmentgruppe Certares fließen. Laut Medienberichten sei der Deal aber noch nicht einmal durch die Kartellbehörde der EU geprüft, Geld ist noch nicht geflossen. Auch in der Erklärung des Unternehmens zum Insolvenzantrag vom 3. Juni heißt es, die Buchungszahlen seien „trotz der positiven Nachrichten deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Hinzu kam, dass zahlreiche Lieferanten auf Vorkasse bestanden haben“.
280 Millionen Euro futsch?
Ungereimtheiten gibt es derweil nicht nur um das Certares-Investment, für die nicht einmal ein Antrag auf Prüfung gestellt wurde. Angeblich soll der ägyptische Investor Samih Sawiris über eine Firma in Luxemburg 75 Prozent der FTI gehalten haben und mit einem Verlust von 280 Millionen Euro rechnen müssen. Eine Bestätigung gibt es bislang nicht.
Auf Anfrage der Mediengruppe Bayern richtet eine Sprecherin aus, dass Markgraf „alles versucht“ habe, „um dem Unternehmen die Zukunft zu sichern“. Eine Verantwortung für die Insolvenz treffe nicht ihn, die Hauptschuldenlast der FTI rühre aus Pandemie-Zeiten. „Herr Markgraf, der erst seit rund einem Jahr die Rolle des CEO inne hat, tat sein Möglichstes, um das Unternehmen unter diesen Bedingungen zu leiten“, ließ er ausrichten.
