Krones-Rakete zündet Richtung Zukunft – und will neue Stellen schaffen

Den Aktionären präsentiert der Branchen-Primus Krones in Regensburg gute Zahlen. Neben Investitionen in China und Indien will Krones 100 Millionen Euro in den Standort Deutschland stecken. Zudem werden Stellen aufgebaut. Kritik gab es von Aktionärsvertretern bei der Hauptversammlung lediglich an einer Sache, die schief gelaufen ist.
Wenn es läuft, dann läuft es eben: Der Branchen-Primus Krones mit Sitz in Neutraubling hat am Dienstagnachmittag im Marinaforum in Regensburg Spitzenzahlen präsentiert. Das freute auch die Aktionäre, denn die Hauptversammlung beschloss auf Vorschlag des Vorstands, die Dividende auf 2,20 Euro zu erhöhen. Im vergangenen Jahr betrug diese Gewinnausschüttung je Aktie noch 1,75 Euro – also ein sattes Plus von 25 Prozent.
Wie die Stimmung in der Krones-Belegschaft ist, das wusste auch Sepp Weitzer, Konzernbetriebsratschef und Neutraublinger Urgestein, am Rande der Aufsichtsratssitzung zu berichten. „Wir hatten schwierige Jahre, dann kam noch Corona – das war nicht lustig“, sagte Weitzer. „Doch wir haben uns dann die Frage gestellt, wie wir das Unternehmen nachhaltig für die Zukunft ausrichten können.“ Querbeet habe man gemeinsam alle möglichen Bereiche bearbeitet. Bei den Firmenzukäufen habe man die Strategie ebenso weiterentwickelt und umgesetzt wie die Fertigungsstrategie in Deutschland. Für Weitzer ein Riesenerfolg: „Wir ernten jetzt, was wir gesät haben.“ Auch Vorstandsvorsitzender Christoph Klenk bestätigte, dass der Standort Deutschland extrem wichtig für Krones ist: 100 Millionen Euro, so seine Zahlen in der Hauptversammlung, werde man hier investieren.
„Kannte die Regel nicht“
Doch den Aktionären war Klenk auch noch eine Erklärung schuldig. Er ging in die Offensive. Der Schreck saß tief, als der Branchen-Primus aus Neutraubling im September 2023 aus dem MDAX flog. Ausgerechnet eine Personalie hatte das verursacht: Der langjährige Finanzvorstand Norbert Broger, der keinen unwesentlichen Anteil am heutigen Erfolg bei Krones hat, wurde im Aufsichtsrat zum Vorsitzenden des Prüfungs- und Risikomanagementausschusses gewählt. Damit verstieß man aber gegen die Regeln der DAX-Familie. Das Unternehmen reagierte umgehend, Broger legte den Posten am selben Tag noch nieder, Matthias Winkler folgte auf Broger. Die Personalie hatte gegen die Empfehlung des Deutschen Corporate Governance Kodex verstoßen. Kritik kam deshalb auch vom Vertreter der Schutzgemeinschaft Kapitalanleger, Daniel Bauer: „Das hätte nicht vorkommen dürfen“, sagte dieser bei der Aussprache auf der Hauptversammlung. Aber: „Mir war die Regel auch nicht bekannt und Krones ist auch nicht das einzige Unternehmen, das davon betroffen war.“ Auch Klenk hatte das Versäumnis gegenüber den Aktionären sehr kleinlaut eingeräumt.
Die Welt bewegt ein Unternehmen, das weltweit tätig ist. Das bestätigte auch Aufsichtsratsvorsitzender Volker Kronseder, der auch erwähnte, dass die Erben des Firmengründers Hermann Kronseder die enge Verbundenheit der Familie mit dem Unternehmen zeigen würde. „Der Russland-Ukraine-Konflikt beanspruchte das Unternehmen ebenso wie die knappe Versorgung mit Elektrokomponenten“, so zeichnete Kronseder die Probleme nach, denen sich Krones stellen musste. „2023 kam zum Krieg in der Ukraine der im Nahen Osten dazu. Zudem könnten die Spannungen zwischen den USA und China mittel- und langfristig zu deutlichen Verschiebungen der Weltordnung sowie zu einer Deglobalisierung führen“, sagte Klenk. „Krones beobachtet diese Entwicklungen sehr genau, um auf weitere geopolitische Veränderungen reagieren zu können.“ Und doch: „Krones war 2023 erneut sehr erfolgreich.“
Das präsentierte die Finanzvorständin Uta Anders dann auch den Aktionären. So stieg das Konzernergebnis von 187 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 224 im Jahr 2023. Auch für 2024 zeichnete Anders ein positives Bild, das Ergebnis im ersten Quartal 2024 ist erneut positiv: Die EBITDA-Marge (also das Ergebnis ohne Steuern und Abschreibungen) liegt bei 10,1 Prozent, im vergangenen Jahr waren es 9,6.
Das hat auch Auswirkungen auf die Mitarbeiter-Struktur. Weltweit beschäftigte Krones mit mehr als 18500 Mitarbeitern über 1300 Menschen mehr als im Vorjahr. Weitere Stellen werden aufgebaut, auch in Deutschland und damit in Neutraubling.
Investition in China
Weltweit investiert Krones aber auch, unter anderem baut man ein Werk in China aus. Um das politische Risiko zu minimieren, miete man die 44000 Quadratmeter großen Hallen aber zunächst bei der chinesischen Regierung, erläuterte Klenk. Auch in Indien will man investieren. Allein in Deutschland will der Konzern 100 Millionen Euro investieren, sagte der Vorstandsvorsitzende. „Das Unternehmen ist gut aufgestellt, um die Wachstumschancen unseres Marktes zu nutzen“, lautete Klenks Fazit. Das komplette Krones-Team habe einen „hervorragenden Job gemacht“. Und die Reise gehe weiter, skizzierte der Firmenlenker, indem er Entwicklungen vorstellte wie ein Biokraftwerk, mit dem künstliches Fleisch hergestellt werden kann sowie 100 Prozent recycelbares Verpackungsmaterial
Die Krones-Euphorie hält Kurs
Aktienkurs: Den Aktionären konnten die Verantwortlichen des Krones-Konzerns stolze Zahlen präsentieren. Mit einer gestiegenen Dividende von 2,20 Euro schüttete der Konzern etwa 30 Prozent der erwirtschafteten Gewinne aus. Der Aktienkurs machte den Anteilseignern ebenso Freude: Am Tag der Hauptversammlung stand dieser bei 127,40 Euro (17.20 Uhr).
Entwicklung: Nach dem für Krones schwierigen Jahr 2020 geht es derzeit steil bergauf. Damals hatte man knapp 80 Millionen Euro minus verzeichnet. Der Aktienkurs lag demnach auch bei 65 Euro, etwa die Hälfte des heutigen Kurses. Eine kleine Delle gab es letztes Jahr wegen des kurzfristigen DAX-Rausflugs, doch Krones setzte den Kurs nach oben bis heute fort.
