15.000 Übernachtungen im Jahr: Auf den Kollerhof in Neunburg kommen seit 50 Jahren Urlauber

Von Jan Lange · 6. Juni 2024 um 19:11

Das Jubiläum rückt immer näher: Seit 50 Jahren empfängt Familie Koller auf ihrem Hof in Poggersdorf bei Neunburg (Landkreis Schwandorf) Urlauber. Gefeiert werden soll dies am letzten Juniwochenende. Zu dem Ereignis erwarten die Kollers auch eine ganze Reihe Stammgäste.

Die allerersten Gäste werden nicht kommen: In den Osterferien 1974 hatte eine vierköpfige Familie aus Berlin Urlaub auf dem Bauernhof gemacht.

Die Idee ging von Franz Xaver und Monika Koller aus. Sie hatten 1969 den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb mit Viehzucht, Milcherzeugung und Ackerbau übernommen. Sie fingen sogleich mit großen Veränderungen an und stellten damit die Weichen für den heutigen Kollerhof. Der Bauernhof befindet sich seit knapp 100Jahren im Besitz der Familie.

Weil die Familie immer größer wurde – 1973 erblickte mit Tochter Elke das vierte von insgesamt fünf Kindern das Licht der Welt –, bauten sie sich ein neues Wohnhaus, in dem auch die erste Ferienwohnung eingerichtet wurde.

Von den Nachbarn anfangs belächelt

Von den Nachbarn wurden die Kollers dafür belächelt. Niemand wollte so recht glauben, dass Großstädter zum Koller-Bauern kommen, um zwischen Tieren und Misthaufen ihre Ferien zu verbringen. Familie Koller hielt damals unter anderem Kühe, Pferde, Hühner, Hasen, Enten und Gänse. Erst Anfang der 70er Jahre kam eine Schweinezucht und -mast mit etwa 1000 Tieren hinzu. Die Tiere waren für die Urlauber aber von Anfang an eine Attraktion.

Das frühere Wohnhaus der Kollers wurde in der Folge zu weiteren Ferienwohnungen umgebaut, um die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr zu erhöhen. Allein auf diese Schiene wollte sich die Familie aber noch nicht fokussieren. Die Landwirtschaft wurde weiter betrieben. Das änderte sich erst 1977, als noch einmal in sechs neue Fremdenzimmer investiert wurde. Alle Kühe wurden verkauft, die Schweine blieben aber vorerst noch fester Bestandteil des Hofes.

Aus dem Schweinestall wurde ein Gasthaus

Franz Koller, der im Juli 2014 mit 70 Jahren gestorben ist, trieb den Hof damals immer mehr in Richtung Tourismus voran – auch weil die Nachfrage stieg. Nachdem 1980 das „Haus Bettina“ im Nachbarort Kleinwinklarn mit drei zusätzlichen Ferienwohnungen dazugekommen war, erfolgte ein Jahr später der nächste, riesige Schritt. Aus dem Schweinestall wurde ein Gasthaus mit weiteren Fremdenzimmer.

Vor der Eröffnung des Gasthauses hatte Monika Koller, die Hauswirtschaftsmeisterin ist, die Touristen teilweise in der eigenen Küche versorgt. „Im Landgasthof konnte sie ihre hervorragenden Kochkünste noch besser entfalten“, weiß Sabine Koller, die seit 2005 mit Günter Koller, dem heutigen Chef des Familienbetriebes, verheiratet ist und zum Jubiläum die Chronik aktualisiert hat. Ihre Schwiegermutter Monika sei immer das Herz und die Seele des Hauses gewesen – nicht nur für die Familie, sondern ganz besonders auch für die Gäste.

Zimmer zusammengelegt

In der ersten Hälfte der 90er Jahre erreichte der Kollerhof mit mehr als 30 Ferienwohnungen, Ferienhaus und Campingplätzen eine Betriebsgröße, die in den Folgejahren nicht mehr vergrößert werden sollte. Seitdem stand vor allem die Renovierung und Modernisierung der vorhandenen Ferienwohnungen im Vordergrund. In diesem Zuge wurden einige Unterkünfte auch zusammengelegt und die Gesamtzahl damit reduziert. Aber auch der Ausbau des Reitbetriebes wurde vorangetrieben. Denn die Kollers haben sich inzwischen auf die Reiturlauber konzentriert. In den Ferien stellen die Reiter mehr als 70 Prozent der Urlauber, zu Ostern und Pfingsten sind es sogar noch deutlich mehr Gäste, die wegen der Pferde kommen. Rund 15.000 Übernachtungen verbuchen die Kollers im Jahr.

Künftig soll der Urlaub auf dem Bauernhof, mit dem alles begann, wieder verstärkt werden. Damit sollen auch noch mehr Familien mit Kleinkindern angesprochen werden.

Ihre Ferienwohnungen und Fremdenzimmer haben die Kollers bereits vor mehr als zehn Jahren klassifizieren lassen. Sie erhielten zwei bis vier Sterne. Bei den jüngeren Klassifizierungen gab es sogar fünf Sterne.

Trotz aller Vergrößerungen und Veränderungen ist der Kollerhof immer ein Familienbetrieb geblieben, dessen Zukunft auch die nächsten Jahrzehnte gesichert scheint. Der älteste Sohn Johannes will Landwirtschaft studieren und den Betrieb sehr wahrscheinlich später mal weiterführen.

Festprogramm

Samstag, 29. Juni: Tag der offenen Tür ab 14Uhr mit Ponyreiten, Traktor- und Kutschfahrten, Streichelzoo, Hüpfburg, Kaffee und hausgemachtem Kuchen, Schmankerl vom Grill; ab 19 Uhr Live-Band Moonlight Special; ab 20 Uhr Barbetrieb

Sonntag, 30. Juni: Tag der offenen Tür ab 10Uhr mit den gleichen Angeboten wie Samstag; Ehrung durch Neunburgs Bürgermeister Martin Birner

Sie erweiterten den Landwirtschaftsbetrieb um das Standbein Tourismus: Monika und Franz Xaver Koller.
Sie sind die aktuelle und die nächste Generation: Sabine, Johannes (18), Günter und Matthias (14) Koller.
Seit dem Sommer 2015 sorgt eine Herde Galloway-Rinder für noch mehr Abwechslung auf dem Kollerhof.
Zwischen 2000 bis 2003 wurden die vorhandenen Unterkünfte renoviert und Balkone angesetzt.
1977 entstanden nochmals sechs Ferienwohnungen, denn die Nachfrage stieg.
Das Dach des Haupthauses vor vor mehr als 20 Jahren mit großen Gauben ausgestattet.
Der jüngste Neubau wurde zu Pfingsten 2023 fertiggestellt.
2012 wurde ein Gebäude im Innenhofbereich, in dem sich die ersten Ferienwohnungen befanden, abgerissen.