In Neunburg sind Reiter willkommen: Stadt zur pferdefreundlichen Gemeinde gekürt

Von Jan Lange · 13. Juni 2023 um 15:22

Dass in Neunburg Pferde und Reiter willkommen sind, ist längst kein Geheimnis mehr. Seit dem Wochenende kann sich die Pfalzgrafenstadt sogar mit dem Titel „Pferdefreundliche Gemeinde 2022“ schmücken. Das liegt auch an drei besonderen Höfen.

Nur zwei Orten wurde diese Auszeichnung im Rahmen der Deutschen Meisterschaften im Dressur- und Springreiten überreicht: Neben Neunburg auch der Gemeinde Kalletal (NRW).

Bürgermeister Martin Birner (CSU) freut sich über den Titel: „Wir sind richtig stolz.“ Die Dichte an Betrieben sei für eine Kommune wie Neunburg besonders: Drei Reitbetriebe sowie weitere private Besitzer von Pferden und Reitvereine würden dafür sorgen, dass bei Reiterfreunden keine Wünsche offen bleiben, ist der Rathauschef überzeugt.

Knapp 200 Pferde kommen auf 8400 Einwohner

Mit den knapp 200Pferden, die es in Neunburg und seinen Ortsteilen (rund 8400 Einwohner) gibt, seien zum Beispiel Wanderritte im Gelände, Fuchsjagden, Kutschfahrten, Dressur- und Springreiten sowie spezielle Lehrgänge für Reitabzeichen möglich.

Es sei ein Aushängeschild, das man stärker herausstellen wolle. Deshalb bewarb sich Neunburg um den Titel „Pferdefreundliche Gemeinde 2022“ – und stellte seine Präsentation unter das Motto „Pferdefreundlich? Na und wie ...!“

Bereits 2006 bewarb sich die Stadt erfolgreich um diesen Titel. Damals war Martin Birner noch kein Bürgermeister. Nachdem er 2011 ins Amt kam, stellte er schnell fest, welche Bedeutung die Reitbetriebe für Neunburg haben: Zum einen verdienen dort viele Menschen ihr Lohn und Brot, zum anderen sind sie ein Wirtschafts- und Tourismusfaktor.

Von den knapp 760touristischen Betten, die aktuell in Neunburg zur Verfügung stehen, entfalle ein Großteil auf die Reitbetriebe, erklärt Birner.

Kollerhof – Etwa 130 Pferde leben dort: Der Kollerhof in Poggersdorf, der 2003 beliebtester Ferienhof Bayerns wurde, ist der größte Reiterbetrieb. Mehr als 30 Zimmer, Appartements und Ferienwohnungen mit etwa 120 Betten stehen zur Verfügung. Seit gut 50Jahren können Gäste dort übernachten. Alles fing mit einem reinen Urlaub auf dem Bauernhof an, blickt Günter Koller zurück.

Auf dem Hof gab es seinerzeit auch ein paar Pferde und Ponys, für die sich die Gäste immer wieder interessierten. An den Wünschen der Urlauber orientierten sich die Kollers – und bauten die Angebote rund um die Vierbeiner über die Jahre aus. Inzwischen kommen rund 90 Prozent der Gäste genau wegen dieser Angebote, erklärt Günter Koller. Viele wollen reiten lernen oder ihre Reitkenntnisse verbessern, manche auch nur in der Pferdekutsche die Gegend erkunden. Circa 130 Pferde stehen auf dem Kollerhof für diese Aktivitäten bereit. Fünf festangestellte Mitarbeiter sichern tagtäglich den Reitunterricht ab.

In den 50 Jahren habe sich immer was getan auf dem Kollerhof, meint dessen Chef. Zuletzt ist ein Anbau, in dem sich unter anderem eine beheizte Sattelkammer, ein Stallbüro und zwei Personalwohnungen befinden, entstanden. Der Bau soll bis zum Winter endgültig fertig werden. In den nächsten Jahren will Günter Koller mehr in die Qualität als in weiteres Wachstum investieren.

Fuchsenhof – Mehr als 10.000 Reitabzeichen abgelegt: Die Reitschule Fuchsenhof blickt auf eine fast 40-jährige Tradition zurück. Mitte der 1980er Jahre entstand der Reiterhof mit ersten Ferienwohnungen, einer ersten Reithalle und dem Reitstüberl. Erich Vetter war reitbegeistert und erfüllte sich mit dem Reiterhof einen langgehegten Wunsch.

Über die Jahre wurde der Betrieb weiter ausgebaut, Ferienwohnungen und -häuser kamen hinzu, neue Hallen und Ställe wurden errichtet oder vergrößert. „Wir haben jetzt eine Größe erreicht, die gut ist“, meint Birgit Vetter, die seit 2011 den Familienbetrieb zusammen mit ihrem Bruder Jürgen weiterführt. Künftig gehe es vor allem darum, den Bestand zu erhalten und zu renovieren.

Recht bald begann Familie Vetter damit, Lehrgänge für das Reitabzeichen anzubieten. Mehr als 10.000 Reitabzeichen wurden bisher erfolgreich am Fuchsenhof abgelegt. Von den 79 Pferden auf dem Hof werden 60 bis 65 Tiere für die Reitabzeichen-Lehrgänge genutzt. Sogar aus dem Ausland reisen Gäste an, um das Abzeichen zu erwerben. Den größten Anteil der Gäste stellen aber die Bayern, wie Birgit Vetter berichtet. Der Anteil der Stammgäste sei sehr groß, mancher komme seit 40 Jahren immer wieder.

Heimerlmühle – Seit gut einem Jahr in neuer Hand: Maya und Martin Obermeier hatten immer den Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen. Das ist ihnen im vorigen Jahr mit der Heimerlmühle im Ortsteil Lengfeld gelungen. Auch ein Jahr nach der Übernahme sind sie noch voller Tatendrang und haben jede Menge Ideen. So sollen die Ferienwohnungen noch ausgebaut und modernisiert werden. Etwa 20 Gäste können in der Heimerlmühle übernachten.

Darüber hinaus sind vier weitere Boxen für Pensionspferde geplant. Derzeit kümmern sie sich um 15Einstellpferde. Daneben haben sie 15eigene Pferde. Die zusätzlichen Boxen sind für Vierbeiner vorgesehen, die kurz auf dem Hof bleiben wie beispielsweise die Pferde von Wanderreitern.

Sie haben den Fuchsenhof auf das Ablegen von Reitabzeichen spezialisiert: die Geschwister Jürgen und Birgit Vetter (v. r.). Auch Birgits Tochter Celina Vetter ist bereits im Betrieb tätig. Foto: Jan Lange
Maya und Martin Obermeier betreiben seit vorigem Jahr die Heimerlmühle im Ortsteil Lengfeld. Foto: Roland Thäder, Archiv
Die Urlauber können im Kollerhof (2. v. r. Inhaber Günter Koller) unter anderem mit den Ponys um den Badesee spazieren oder Reiten lernen. Foto: Jan Lange