Bodenwöhrs Pferdeflüsterin: In ihrem Allergikerstall werden kranke Tiere wieder gesund

Von Jan Lange · 9. Juni 2023 um 05:00

Mit Tieren wollte Franziska Mühlberg immer arbeiten. Jetzt erfüllte sie sich den Wunsch. In Windmais, einem Ortsteil von Bodenwöhr (Landkreis Schwandorf), hat die 32-Jährige einen Stall errichtet, in dem kranke Pferde ein Zuhause finden.

Mit der Idee eines Allergikerstalls ging sie länger „schwanger“. Knapp zwei Jahre dauerte es, bis sie eine Baugenehmigung erhielt. Das 100 Quadratmeter große Gebäude ist mittlerweile fertig – und auch schon voll belegt. Vier Pferde sind hier untergebracht, zwei eigene und zwei Einstellpferde.

Alle Vierbeiner hätten laut Mühlberg ihre Leiden, kleine wie große. Wallach Leo sei an Arthrose erkrankt. Zudem habe er Husten, dessen Auslöser unklar ist. Trotz tierärztlicher Behandlungen wollte sich bei dem Hannoveraner keine Besserung einstellen. Dies gab Franziska Mühlberg den Anstoß, sich mit alternativen Heilmethoden zu beschäftigen. Sie wollte nach der Ursache der Probleme suchen und sie nicht „nur wegspritzen“. Viele Therapeuten würden die emotionale Ebene außen vorlassen. Ihr ist die sehr wichtig. Als Tierenergetikerin baut sie eine starke Bindung zum kranken Tier auf, um mit ihm zu kommunizieren. Das geschieht zum einen bei Behandlungen vor Ort, zum anderen auch meditativ.

Mancher mag es als esoterischen Humbug abtun – die 32-Jährige verweist aber auf ihre Behandlungserfolge. Ihr zweites eigenes Pferd, die Stute Midsummernight, war lange unreitbar. Sie warf im jungen Alter mehrfach die Reiter ab.

Keine übermäßige Belastung

Nachdem sich Franziska Mühlberg der Stute angenommen hatte, zeigten sich erste Erfolge. Ihre achtjährige Tochter Jolina saß bereits auf Midsummernight und ist mit ihr ausgeritten. „Wir schauen genau, wo die Belastungsgrenze ist, damit sie ihre Reiter nicht wieder abwirft“, erklärt die Tierenergetikerin. Nachdem Franziska Mühlberg bereits in Neunburg, wo sie bis vor kurzem zuhause war, überlegt hatte, die Stute wieder zu reiten, probierte sie es am neuen Standort einfach mal – mit positivem Ergebnis.

Das war nicht selbstverständlich, denn auch Midsummernight hat einige Leiden. Sie sei hochgradig allergisch, habe Arthrose und einen Muskelgendefekt sowie eine schwere Bronchitis. „Hätte ich sie nicht mitgenommen, wäre sie vielleicht beim Schlachter gelandet“, glaubt die 32-Jährige.

Aus familiären Gründen nach Windmais

Im neuen Stall in Windmais komme allergikergeeignetes Einstreu zum Einsatz, versichert Franziska Mühlberg. Ein hundertprozentiger Allergikerstall sei es aber noch nicht. Dafür müsste auch das Heu bedampft werden und kleine Portionen hergerichtet werden. Sie entschied sich allerdings für ganze Heuballen.

Dass der Stall in Windmais und nicht in Neunburg gebaut wurde, hat familiäre Gründe. Das 1,5 Hektar große Grundstück gehört ihrem Stiefvater. Zudem war die Lage am Ortsrand von Windmais von Vorteil. Getreidefelder oder andere Bauernhöfe grenzen nicht direkt an. „Es war die einzige Option: Entweder er entsteht hier oder gar nicht“, sagt Mühlberg. Den Stall betreibt sie seit vorigem Herbst, vor vier Wochen ist sie mit ihrer Familie auch nach Windmais gezogen.

Es sei immer ihr Wunsch gewesen, einen eigenen Stall zu haben. Über Umwege ist der Realität geworden. Ursprünglich wollte sie Tierarzthelferin werden, berichtet sie. Doch dann hätte sie keinen Job in der Nähe bekommen. Weg aus der Heimat wollte sie nicht und so entschied sie sich für den Einzelhandel. Ihre Eltern betrieben viele Jahre in Neunburg ein Geschäft. 2019 hatte sie sich zur Tierenergetikerin ausbilden lassen und ist seit knapp drei Jahren in diesem Beruf tätig.

Zuerst nur mobil unterwegs

Während es einige Physiotherapeuten und Osteopathen für Pferde gibt, ist ihre Sparte relativ unbekannt. In der Gegend sei sie die Erste ihrer Art. Zuerst war sie nur mobil unterwegs, mit dem Stall gibt es nun einen festen Anlaufpunkt.

Schon während der Bauphase interessierte sich eine Pferdebesitzerin für das Projekt und brachte ihren Wallach Buddy gleich nach der Fertigstellung zu Franziska Mühlberg. Bei Buddy werden Stoffwechselprobleme vermutet. Einige Wochen waren Leo, Midsummernight und Buddy zu dritt im Stall, im Herbst kam ein weiterer Wallach dazu. Er musste den Stall wieder verlassen, da er sich nicht mit den anderen vertrug. Vor sechs Wochen zog Wallach Lenox ein, der ebenfalls starke Arthrose haben soll. Franziska Mühlberg hofft, dass die vier Pferde ein Leben lang zusammenbleiben können. Jeder Wechsel bedeute für die Tiere Stress.

Im Schnitt vier bis fünf Behandlungen

„Wenn die Symptome schon offensichtlich sind, behandle ich sie erstmal vor Ort“, erklärt die Tierenergetikerin. Im Schnitt finden vier bis fünf solcher Behandlungen statt. Auch die Tierkommunikation per Meditation sei in der Regel keine einmalige Sache. Es kann sein, dass sie drei- bis viermal in der Woche mit den Vierbeinern in Kontakt tritt. Und das nach einer gewissen Zeit wiederholt – je nachdem wie die Tiere darauf reagieren.

Der Wunsch vom eigenen Stall ist erfüllt, nun hat sie bereits neue Ziele. So würde Franziska Mühlberg gern eine Praxis für Kleintiere aufbauen und mit Kindern zusammenarbeiten. Wenn der Nachwuchs von klein auf die Pferdesprache lerne, wäre der Umgang mit den Tieren später bewusster, ist die 32-Jährige überzeugt. Denn oft werden Krankheiten vom Menschen ausgelöst, glaubt sie.