Mehr Gewalttaten und Alkoholunfälle: Wie sicher ist der Landkreis Cham?

Von Sabrina Kauer · 6. Juni 2024 um 19:00

Die Sicherheit im Landkreis Cham sei Aufgabe eines jeden Einzelnen, nicht nur die der Polizei. So lautete ein Appell von Landrat Franz Löffler bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts 2023 für die Region.

Dennoch stand am Ende des Gesprächs fest: Im Landkreis Cham lässt es sich sehr sicher leben. Landrat Löffler, Thomas Schöniger, Präsident des Polizeipräsidiums Regensburg, die Chamer Dienststellenleiter sowie Vertreter der Bundespolizei und des Landratsamtes tagten dort am Donnerstag im Großen Sitzungssaal. Die Verantwortlichen verschafften sich einen Überblick über die Sicherheitslage im Landkreis.

Eine Nasenlänge voraus sein

„Wir leben in einer sehr sicheren Region, aber man muss auch etwas tun, um die Sicherheit zu stabilisieren“, sagte Landrat Löffler. Man müsse möglichst „vor die Lage kommen“, also immer „eine Nasenlänge voraus sein“, so Löffler. Es müssten also Straftaten im Vorfeld schon aus dem Weg geräumt werden. „Der wichtigste Partner bei dieser Arbeit ist der Bürger selbst“, sagte der Landrat. Deshalb sei die Aufgabe eines jeden Einzelnen im Land, für Sicherheit zu sorgen.

Landrat Franz Löffler: „Rechtsstaatliches System anerkennen und schätzen“

Dafür soll laut Löffler vor allem das „gute rechtsstaatliche System anerkannt und geschätzt werden, denn das ist wichtig. Der Rechtsstaat trägt zum Wohlstand bei“, sagte er.

Aber nicht nur die Anerkennung des Rechtsstaates sei wichtig, auch die Mithilfe der Bürger sei essenziell – und zwar in der Funktion als Übermittler. Denn ein wesentlicher Teil für die Sicherheit sei die Sozialkontrolle. Der Appell von Polizeipräsident Thomas Schöniger lautete deshalb: „Wenn Bürger etwas Verdächtiges wahrnehmen, sollen sie das der Polizei mitteilen.“

Schöniger stellte die Statistiken der Straftaten im Landkreis Cham vor. Im Vergleich zu 2022 haben diese 2023 um 13,5 Prozent zugenommen. Aber: Die Aufklärungsquote liegt bei 75 Prozent. „Drei viertel der Straftaten im Landkreis Cham werden aufgeklärt – dieser Wert ist ganz hervorragend“, so Schöniger. „Die Botschaft ist also: Wer sich bei uns was erlaubt, hat im Grunde schon verspielt“, fügte Landrat Löffler hinzu und zollte der Polizei Respekt für ihre Arbeit. Unter anderem haben es die Polizisten in der Region mit Gewaltdelikten, Wohnungseinbruchsdiebstählen oder Verkehrsunfällen zu tun. Jedoch gebe es dabei keinen Schwerpunkt, mit dem die Beamten besonders zu kämpfen haben.

Bei den Gewaltdelikten ist von 2022 auf 2023 ein Anstieg um 25,8 Prozent zu verzeichnen. Die Aufklärungsquote liege hier jedoch bei etwa 90 Prozent, so Schöniger.

Einige Einbrecher scheitern bei ihrem Vorhaben

Ein Bereich, der die Bevölkerung zurecht verunsichert, sind laut des Präsidenten die Wohnungseinbruchsdiebstähle. Diese hätten 2023 leicht zugenommen. Dennoch seien auch einige Einbrecher bei ihrem Vorhaben gescheitert. „Die Täter konnten nicht ins Haus gelangen. Das zeigt, dass die Präventionsangebote der Polizei gut angenommen werden. Die Kriminalprävention funktioniert gut“, sagte Schöniger.

Die Rauschgiftkriminalität habe 2023 ebenfalls zugenommen, und zwar um 24,1 Prozent. Dies hänge jedoch damit zusammen, dass es sich dabei um ein sogenanntes Kontrolldelikt handelt: Je mehr Intensität in die Kontrollen gesteckt wird, desto höher ist die Straftatenzahl und in diesem Fall auch die Aufklärungsquote.

Problematischer Cannabis-Konsum

Seit der Cannabislegalisierung seien keine besonderen Probleme bekannt. Dennoch sehe die Polizei den Konsum vor allem in Bezug auf die Verkehrssicherheit problematisch.

Die Unfälle auf der Straße im Allgemeinen seien leicht gestiegen. Pro Tag passieren elf Unfälle im Landkreis Cham. Die Zahl der Verkehrstoten ist 2023 aber auf acht gesunken (2022: zwölf). Einen Zehn-Jahres-Höchststand gibt es bei den Alkoholunfällen. Die Zahl stieg von 42 in 2022 auf 61 in 2023. Die Polizei wolle deshalb künftig verstärkt Alkoholkontrollen durchführen.

Trotz der Anstiege in einzelnen Bereichen sei die Kriminalitätsbelastung im Landkreis Cham deutlich niedriger als in anderen Teilen Bayerns und auch der Oberpfalz. Das „Entdeckungsniveau“ der Straftaten sei außergewöhnlich hoch, „weshalb man sagen kann, dass es sich im Landkreis Cham sicher leben lässt“, sagte Polizeipräsident Thomas Schöniger. Dazu würden unter anderem auch das gute Zusammenspiel der einzelnen Behörden sowie die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Kollegen der tschechischen Polizei beitragen, waren sich Landrat Franz Löffler und Polizeipräsident Thomas Schöniger einig.

Die Präsentation zeigte: Im Vergleich zu 2022 haben die Straftaten im Landkreis 2023 um 13,5 Prozent zugenommen. Aber: Die Aufklärungsquote liegt bei 75 Prozent. Foto: Sabrina Kauer