Mehr Straftaten als im Vorjahr – Trotzdem sieht der Inspektionsleiter Cham als ein sicheres Pflaster

Die Zahl der Straftaten in Cham war im vergangenen Jahr höher als 2022. Vor allem Diebstahlsdelikte haben zugenommen. Aber: Die Aufklärungsquote befindet sich auf einem guten Niveau und insgesamt lässt es sich im Inspektionsbereich, zu dem Cham, Pemfling, Runding, Traitsching, Waffenbrunn, Weiding und Willmering zählen, sicher leben. Dieses Fazit zog Stephan Gürster, Leiter der Polizeiinspektion Cham, bei der Vorstellung des Sicherheitsberichtes 2023 am Mittwoch in seiner Dienststelle.
2023 bearbeitete die Polizei Cham 1261 Straftaten (ohne Verkehrsdelikte, -unfälle oder Verkehrsstraftaten). Zum Vergleich: 2022 waren es laut des Sicherheitsberichts 1103 Straftaten. Das ist ein Anstieg um 14,3 Prozent. „Wir befinden uns da wieder in dem Bereich wie vor der Corona-Pandemie“, sagt Gürster.
941 Delikte geklärt
Was ihn besonders freue, sei die Aufklärungsquote: 74,6 Prozent und somit 941 Straftaten konnte die Polizeiinspektion Cham klären. „Ich bin sehr stolz auf die Ermittlungsarbeiten meiner Kollegen“, sagt er.
Bei den einzelnen Bereichen im Bericht stechen vor allem die Diebstähle heraus. Insgesamt seien 316 Fälle von Diebstahlskriminalität (2022: 228) angezeigt worden. Insbesondere seien die Zahlen bei einfachen Diebstählen wie Ladendiebstählen steigend. Waren es 2022 noch 44 Fälle, sind es heute 93. Das entspricht einer Steigerung um 111,4 Prozent.
Dennoch werden 90 Prozent der Ladendiebstähle geklärt, sagt der Inspektionsleiter. Zudem zählen zu den 93 Diebstählen auch zusammenhängende Taten, die zwar in der Statistik als einzelne Delikte behandelt werden, „am Ende aber ein Komplex sind“, merkt Marco Müller, stellvertretender Dienststellenleiter, an.
Steigerung bei Wohnungseinbruchdiebstählen nicht besorgniserregend
Eine Steigerung um 125 Prozent ist bei Wohnungseinbruchdiebstählen, die zu den schweren Diebstählen zählen, zu verzeichnen. Im Gegensatz zu 2022 mit vier Fällen waren es 2023 neun. „Aber das ist trotzdem noch im einstelligen Bereich und nicht besorgniserregend“, sagt Gürster. Vermehrte Sicherheitsmaßnahmen würden deshalb von Seiten der Polizei Cham nicht eingeleitet werden. „Wir werden weiter unsere Streifen in Wohngebieten durchführen, auch in Zivil, und vor allem in Jahreszeiten, wenn es eher dunkel wird“, sagt Müller auf Nachfrage. Für Anpassungen der Kontrollen wäre die Chamer Polizei aber „flexibel“ und könnte „schnell reagieren“, fügt er hinzu.
Im Gegensatz zu den Diebstahlsdelikten zeigt sich ein anderer Bereich etwas erfreulicher: Bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten seien es 2023 nurmehr 134 Fälle (2022: 152) gewesen, ein Rückgang von 11,8 Prozent. Vor allem bei den Betrugsdelikten sei die Zahl der Taten von 97 auf 56 gesunken (minus 33 Prozent). „Das ist ein signifikanter Rückgang und für mich sehr erfreulich“, sagt Gürster. Er vermutet, dass die Leute vorsichtiger werden und weniger auf Betrugsmaschen reinfallen.
Mehr Kontrollen, mehr Taten
Gestiegen, aber ebenfalls nicht besorgniserregend, sei die Zahl der Rauschgiftdelikte (2023: 316, 2022: 228). „Das zeigt die Arbeit der Polizeiinspektion. Je mehr Intensität wir in die Kon-trollen reinstecken, desto höher ist die Straftatenzahl“, sagt Stellvertreter Müller.
Die Zahlen im Bereich der Straßenkriminalität knüpfen an das Niveau von 2022 an: 153 Fälle (2022: 145) seien erfasst worden. Dabei handelt es sich um Straftaten, die auf öffentlichen Straßen, Wegen, Plätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln passierten.
Erwachsene Frauen und Männer, Kinder unter 14 Jahren, Jugendliche und Heranwachsende zwischen 14 und 21 Jahren, Senioren über 60 oder Nichtdeutsche – die Tatverdächtigen erstrecken sich „queer Beet durch die Gesellschaft“, und seien somit nicht pauschal sozial schwächer gestellte Personen, sagt Stephan Gürster auf Nachfrage.
Straftaten in Bayern, der Oberpfalz und im Landkreis Cham
Bayern: Die Kriminalität im Freistaat ist 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent gestiegen, heißt es auf der Internetseite des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren, für Sport und Integration. Das seien 4361 Straftaten pro 100.000 Einwohner.
Aufklärung: Der Bayerischen Polizei sei es gelungen, 65,2 Prozent mehr Straftaten aufzuklären. Bereits 2022 habe die Bayerische Polizei mit einer Aufklärungsquote von 64.4 Prozent Platz Eins im bundesweiten Vergleich belegt.
Oberpfalz: Das Polizeipräsidium Oberpfalz berichtet auf seiner Webseite von 44.523 Straftaten im vergangenen Jahr. Das sind 2544 Taten mehr als 2022.
Aufklärung: Die Aufklärungsquote des Polizeipräsidiums Oberpfalz sei um 0,9 Prozentpunkte zurückgegangen und liege demnach bei 69,9 Prozent (2022: 70,8 Prozent). Trotzdem befinde sich die Zahl der geklärten Taten auf einem hohen Niveau.
Landkreis Cham: Im Landkreis Cham liege die Zahl der Straftaten in 2023 bei 4942 Fällen. Das sind 205 mehr Taten als 2022 (4737 Fälle) und entspricht einem Anstieg von 4,3 Prozent.
Aufklärung: Die Aufklärungsquote für Straftaten im Landkreis Cham liegt laut Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums Oberpfalz bei 79,4 Prozent.
Erheblicher Anstieg: Ob in Bayern, der Oberpfalz im Landkreis oder Inspektionsbereich Cham: Vorreiter unter den Delikten ist die Diebstahlskriminalität. Im Freistaat sei diese um 10,5 Prozent gestiegen (152.495 Fälle). Vor allem Ladendiebstähle hätten zugenommen (42.449 Fälle, 19,5 Prozent). Auch in der Oberpfalz seien 12.855 Diebstahlsdelikte registriert worden. Das bedeutet einen Anstieg um gut 2000 Straftaten im Vergleich zu 2022. Im Landkreis Cham seien 2023 916 Diebstähle erfasst worden. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 19 Prozent.