Werftstraße: Die Anwohner am Regensburger Donauufer bangen weiter

Die Situation in der Werftstraße in Regensburg stellte sich auch am Mittwoch unverändert kritisch dar. Deswegen durften die etwa 200 evakuierten Anwohner weiterhin nicht in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Bei allem Verständnis für die Situation und großem Lob für die Helfer äußerten einige vor Ort auch Sorgen – und leise Kritik.
„Ich will wieder zurück!“ Mit diesem Wunsch dürfte eine Anwohnerin der Werftstraße allen anderen Betroffenen aus der Seele sprechen. Gemeinsam mit zwei weiteren Frauen, ebenfalls in unmittelbarer Nähe zur Donau daheim, ist sie vor Ort, um sich über die aktuelle Hochwasserlage zu informieren. Weil das Trio sich mit der angespannten Situation unwohl fühlt, will es seinen Namen nicht in der Zeitung lesen.
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Frühestens am Freitag soll es neue Informationen für die Anwohner geben, ob und wann sie wieder zurückkehren dürfen, sagt eine der Frauen. Nach dem Besuch auf der Brücke müssen zwei von ihnen einkaufen gehen, sie haben keine frischen Klamotten mehr. „Ich bin mit dem gegangen, was ich am Leib hatte“, sagt eine der Anwohnerinnen. Am Donnerstag kam dann bereits die erlösende Nachricht: Wegen der sinkenden Pegel dürfen die Bewohner offiziell am Freitag wieder in die Werftstraße zurückkehren.
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Dank gilt den zahlreichen Helfern
Viel Lob äußern die Betroffenen angesichts des schier unerschöpflichen Engagements der Helfer. „Sie sind so freundlich, geduldig und versuchen, Antworten auf alle unsere Fragen zu finden“, sagt die Frau. „Man bietet uns allerorts Unterstützung und Hilfe an, dafür ein großes Danke.“
Leise Kritik äußern die drei in Bezug darauf, wie sie von der Evakuierung am Montagabend erfahren haben. „Wir hatten nur etwa eineinhalb Stunden Zeit, das Nötigste zu packen, dann mussten wir raus“, so eine der Betroffenen.
Über die bevorstehende Maßnahme habe sie von einer Nachbarin gehört, nicht von offizieller Stelle. Zudem seien die meisten Informationen nur digital ergangen. „Meine Mutter ist über 80 Jahre alt, die hat weder Internet noch ein Smartphone. Es muss doch auch möglich sein, diese Menschen rechtzeitig zu benachrichtigen.“ Was die Anwohnerinnen sich gewünscht hätten: eine frühzeitigere Information, dass die Möglichkeit einer Evakuierung im Raum steht. „So habe ich in der Hektik einige wichtige Dinge vergessen und komme auf absehbare Zeit auch nicht mehr ran“, sagt eine der Betroffenen.
Die Entscheidung über die Evakuierung sei kurzfristig am Montagabend gefallen, sagt Katrin Butz, Sprecherin der Stadt Regensburg, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir hatten nicht den Vorlauf, um etwa mit Einwurfzetteln zu arbeiten.“ Die Information sei deswegen hauptsächlich digital erfolgt. Trotzdem habe man versucht, die Anwohner bestmöglich über Lautsprecherdurchsagen und Helfer vor Ort zu erreichen.
Die Kunden bleiben aktuell aus
„Für uns ist es eine bange Situation, auch wenn man mit den Jahren eine gewisse Routine im Umgang mit dem Hochwasser entwickelt“, sagt Gerhard Schwarzfischer. Seit 1995 betreibt er die TechnikLounge Schwarzfischer in der Wöhrdstraße – und ist wiederholt unmittelbar von der Flut betroffen. Vorsichtshalber hat der Geschäftsmann sein Lager im Keller ausgeräumt. Nicht nur sein Standort ist aktuell in Gefahr, auch der Betrieb läuft seit Tagen anders als gewohnt. Denn die Kunden bleiben aufgrund der angespannten Lage an der Donau weitestgehend fern, auch wenn das Geschäft tapfer weitermacht. Schwarzfischer freut sich angesichts der Ausnahmesituation besonders über den Zuspruch seiner Stammkunden, die ihm die Treue halten und Solidarität bekunden, wie er sagt. Auch sein Dank gilt den zahlreichen Helfern vor Ort.
„Es ist eine bekannte Problematik, aber heuer ist es extrem“, sagt eine Hauseigentümerin aus der Werftstraße, die am Mittwoch ebenfalls vor Ort war, um sich bei den Einsatzkräften über deren aktuelles Vorgehen zu informieren. „Man muss auf die Entscheidungen vertrauen, die jetzt getroffen werden und abwarten“, sagt sie. „Wer am Wasser lebt, lebt auch mit dem Wasser.“
Holler: „Ein Stück Normalität“
Den Eindruck, dass die Betroffenen im Umgang mit dem Hochwasser einigermaßen routiniert sind, bestätigt auch Marcel Holler, Sprecher des THW-Landesverbands Bayern. „Die Anwohner, die mich ansprechen, wirken relativ gefasst“, sagt Holler. „Sie vermitteln den Eindruck, als wäre es für sie ein Stück weit Normalität.“
Wann die Betroffenen wieder in ihre Häuser zurückkehren können, ist noch völlig offen. „Darüber wird derzeit noch nicht gesprochen. Momentan ist es noch nicht zulässig, dass die Anwohner wieder zurückkehren“, sagt Michael Köstlinger, Leiter des Tiefbauamts der Stadt Regensburg. „Wir werden definieren müssen, ab welcher Pegelhöhe es ungefährlich ist. Aber das muss erst im Krisenstab besprochen werden“, so Köstlinger.
Trotz der aktuellen Notlage sind sich alle Betroffenen einig: Das wiederkehrende Hochwasser ist für sie kein Grund, aus ihren Wohnungen, Häusern oder Geschäften an der Donau wegzuziehen. „Das Leben am und der Blick auf den Fluss sind unbezahlbar“, sagt eine Frau. „Das kann einem auch das Hochwasser nicht kaputt machen.“




