Jede Menge Stressmomente: Marcel Bucher koordiniert in Neustadt bis zu 250 Kräfte

In der Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus in Neustadt a. d. Donau (Landkreis Kelheim) laufen während des Hochwassers alle Drähte zusammen. Dessen Leiter hat jede Menge Arbeit – und dazu noch Stressmomente.
Marcel Bucher spricht in sein Mobiltelefon. „Wir brauchen noch 2000 Sandsäcke.“ Binnen zwei Minuten kommt das grüne Licht aus dem Landratsamt. Bucher kann nun seinem Kollegen am Einsatzort mitteilen, dass die Säcke unterwegs sind.
Der 28-jährige Bucher ist Leiter der Einsatzzentrale im Neustädter Feuerwehrhaus. Während des Gesprächs mit dem MZ-Reporter geht seine Arbeit weiter. Immer wieder klingelt sein Telefon. Einmal wird es kurzzeitig dramatisch: In Mauern gibt es eine Rauchentwicklung. Es stellt sich heraus, dass das Wasser einen Stromkasten beschädigt hat. Wasser könnte unter Strom stehen.
Bevölkerung auf dem Laufenden halten
Jetzt sind weitere Absprachen nötig, Bucher schickt schließlich einen Einsatzzug zur Unterstützung der Mauerner Wehr, auch Experten der Stadtwerke müssen los. Nach nur einer halben Stunde gibt es schon Entwarnung, es besteht keine Gefahr für Menschen mehr. Nur wenige Minuten später steht diese Info auf der Internetseite der Stadt. Pressesprecherin Andrea Holzapfel hat sie im Feuerwehrhaus in ihren Laptop getippt. Schneller geht das wohl kaum.
Auch ohne solche Stressmomente hat Bucher in diesen Tagen genügend zu tun. Er koordiniert alle Einsatzkräfte, die während des Hochwassers rund um Neustadt a. d. Donau im Einsatz sind. Jeden Morgen müsse er entscheiden, wie viele Feuerwehrleute an den verschiedenen Brennpunkten notwendig sind. Die fordere er dann an. Wichtig sei, dass man da durchwechsle und keine Wehr zu sehr beanspruche. Grundsätzlich kämen die Helfer aus dem gesamten Kreis.
Alle Aktiven im Einsatz
Eingebunden in diesen Dienst sind alle Aktiven der Neustädter Wehren, wobei die Ortsteilwehren nicht zuletzt für das Abpumpen von Wasser zuständig sind. Zu den Auswärtigen, die im Einsatz sind, gehören Lukas Zizelsperger, stellvertretender Kommandant der Wehr aus Herrnwahlthann, und seine Kameraden. Sie sind bereits den vierten Tag hier, können zumindest zum Schlafen nach Hause. „Wir haben Sandsäcke gefüllt und waren bei den Arbeiten in Hienheim mit dabei“, erzählt er.
Im Gegensatz zu ihm war Bucher seit Samstagfrüh, als er seinen Dienst angetreten hat nicht mehr daheim. „Ich habe eine Schlafstelle hier, meine Frau sehe ich nur, wenn sie mich hier besucht.“
Noch vermag er nicht zu sagen, wie lange es so noch gehen wird. Er wolle keine Prognose über den weiteren Verlauf des Hochwassers machen. Dabei ist es nicht so, als hätte er keine Erfahrung. Beispielsweise war Bucher nach eigenen Worten bei der Flutkatastrophe in Simbach im Einsatz.
Deutschen Lebensrettungsgesellschaft übernimmt Deichwache
Heute sind es 140 Kräfte, die in Neustadt eingesetzt sind. Die höchste Zahl lag laut Bucher bisher bei 250 Frauen und Männern. Zu denen gehören täglich auch Kräfte der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). „Sie übernehmen die Deichwache“, teilt Bucher mit. Wie bereits mehrfach berichtet, werden die Deiche in einem engen Zeittakt kontrolliert. Mitglieder der DLRG machen laut Bucher genau so wie die weiterer Hilfsorganisationen wie etwa das Technische Hilfswerk (THW) regelmäßig Übungen mit, bei denen es um die Verteidigung von Deichen gehe.
Das THW ist in diesen Tagen für die Verpflegung zuständig. Im Feuerwehrhaus steht eine mobile Küche, in der für alle rund um den Ort eingesetzten Kräfte gekocht wird.
Viele Tische stehen bereit, um für alle Platz fürs Mittagessen zu haben. „Es kann aber auch sein, dass Essen an die Einsatzorte gefahren wird“, berichten Michael Gaßner und Christa Seifert vom THW. Das mache das Rote Kreuz. Beide sortieren gerade Nahrungsmittel für kommende Mahlzeiten.
Abwechslungsreiche Küche
Laut Holzapfel werden diese regelmäßig vom Handel bezogen. Ein eigenes Lager gebe es dafür nicht. Der THW-Koch würde abwechslungsreiche Gerichte anbieten. Es gab schon Linseneintopf. An diesem Tag wird es Fisch geben. Die Einsatzkräfte werden die Stärkung gebrauchen können.
