Donau-Anrainer haben bohrende Fragen: Wer zieht Lehren aus der Flut?

Von Isolde Stöcker-Gietl, Christine Schröpf · 5. Juni 2024 um 18:41

Evakuierte an der Regensburger Werftstraße machen ihrem Ärger Luft. Zu lange warten sie schon auf einen guten Hochwasserschutz. Nun musste ihre Straße kontrolliert geflutet werden, damit das Ufer nicht nachgibt.

Die Pumpen laufen im Haus der Weidmüllers in der Werftstraße in Regensburg. „Diesmal waren wir gerüstet“, sagt Richard Weidmüller. Nach dem Hochwasser 2013 habe er vorgesorgt. Seit Jahren kämpft der Landschaftsarchitekt für guten Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd. Passiert ist bislang nicht viel. Die Planungen laufen seit 2014. Das Wasserwirtschaftsamt verweist auf Schwierigkeiten. „Aber ich hoffe, dass das jetzige Hochwasser für ein Umdenken sorgt, dass das ein Warnschuss für die Verantwortlichen ist und die Oberbürgermeisterin endlich Druck beim Freistaat macht.“ Weidmüller hätte wie alle Anwohner der Werftstraße am Montagabend sehr kurzfristig sein Haus räumen müssen. „Aber ich bin derzeit in Portugal“, sagt er am Telefon. Die Pumpen setzte seine Tochter in Betrieb. Richtig entspannend sei der Urlaub trotzdem nicht. „Das ist kein schönes Gefühl. Wir informieren uns laufend darüber, was in Regensburg vor sich geht.“

Flut deutlich unter Ausmaß von 2013

Die Stadt Regensburg kann auch am Mittwoch noch keine Entwarnung geben. Laut Hochwassernachrichtendienst Bayern hat sich ein sehr langgezogener Hochwasserscheitel ausgebildet, der bei einer Höhe von 6,16 Metern verharrt. Die Meldestufe 4 wird voraussichtlich erst in der Nacht zu Freitag unterschritten, so die Prognose. An der Marke zum Jahrhunderthochwasser lässt sich allerdings ablesen, dass die Flut 2024 deutlich unter dem Ausmaß von 2013 bleiben wird. Damals lag der Pegelstand bei 6,82 Metern.

Die aktuelle Lage bleibt angespannt. Der lang anhaltend hohe Wasserstand, der enorme Kräfte auf den mobilen Hochwasserschutz ausübt, und der steigende Grundwasserspiegel bereiten den Verantwortlichen der Stadt Regensburg dabei besondere Sorge. Am Mittwoch entschied die Führungsgruppe Katastrophenschutz, dass der Wasserspiegel auf der Landseite gezielt erhöht wird. Die Werftstraße wurde mit Wasser geflutet, um Gegendruck auf die Schutzelemente zu schaffen. In der Badstraße flussaufwärts oberhalb der Steinernen Brücke laufen dagegen weiterhin die Pumpen.

Ausflugsschiff „Veronika“ evakuiert

Evakuiert worden war in der Nacht zu Mittwoch an der Werftstraße auch das Ausflugsschiff „Veronika“, das an einem Anlegesteg vertäut ist. Kapitän Georg Schäffer und seine Ehefrau Veronika hatten seit Sonntag die Stellung gehalten, um beim Verschärfen der Situation sofort das Tau zu kappen. Der Anker war zum Fallen klar gemacht, auch die Motor wäre jederzeit startklar gewesen, sagt er. Doch gegen 3 Uhr sei man von Einsatzkräften gezwungen worden, von Bord zu gehen – mit dem Argument, dass die Uferkante wegbrechen könnte. „Sonst wären wir mit dem Hubschrauber rausgeholt worden“, erklärt Veronika Schäffer, warum sie und ihr Mann am Ende gegen eigene Überzeugung einlenkten, ins motorisierte Beiboot stiegen und eine kurze Strecke flussabwärts beim Eisstadion-Parkplatz an Land gingen. Der Ärger war auch 13 Stunden später noch. „Ich bin ein pflichtbewusster Kapitän“, sagt Georg Schäffer. „Ich hätte gewusst, was zu tun ist.“ Er kreidet der Stadt an, dass das Ufer der Werftstraße bis heute unzureichend gesichert ist, obwohl seit dem Hochwasser 2013 klar sei, dass das nötig ist. Das Ufer der Badstraße sei dagegen „vorbildlich saniert“. Ins gleiche Horn stößt auch Richard Weidmüller. Nach seiner Rückkehr will er mit anderen Anwohnern über das weitere Vorgehen beraten, um dem Projekt Hochwasserschutz neuen Antrieb zu geben. „Vielleicht werde ich die Fertigstellung selbst nicht mehr erleben, aber ich will mich nicht mehr länger vertrösten lassen!“

Das Kloster Weltenburg ist noch immer von den Wassermassen umspült. Der Pegel Kelheim lag am Mittwoch bei 7,56 Metern. Foto: Stöcker-Gietl
Blick auf die Regensburger Jahninsel: Der beliebte Platz in der Stadt ist wohl für längere Zeit nicht nutzbar. Foto: Stöcker-Gietl
Am Grießer Spitz erkundet ein Hund zusammen mit seinem Herrchen einen Tümpel, der sich am Rande des Hochwassergebiets gebildet hat. Foto: Daniel Pfeifer
In der Badstraße laufen die Pumpen. Dort dringt Grundwasser in die Häuser ein. Foto: Stöcker-Gietl
Das Donauwasser sucht sich seinen Weg. Foto: Pfeifer