Hubschrauber-Einsatz und kontrollierter Zulauf: Lage in Regensburg bleibt angespannt

Am Mittwochmorgen sorgte eine Schiffsverlegung per Hubschrauber für Aufsehen. Die Eiserne Brücke war dafür kurzzeitig gesperrt worden. Abseits des Hochwasser-Hotspots Werftstraße drückt das Grundwasser auch an anderen Stellen in Regensburg.
Für die Freudenau und die Siebnerin wurde die Situation zu kritisch. Mitten in der Nacht erhielt Christoph Seidel, technischer Vorstand des Schifffahrtsmuseums, die Meldung, dass die beiden Schiffe wegen des Hochwassers nicht am bestehenden Anlegeplatz bleiben könnten.
Mit Einsatzkräften der Feuerwehr, DLRG, THW und Mitarbeitern des Tiefbauamtes machte sich Seidel gemeinsam mit drei Kollegen gestern in den frühen Morgenstunden auf, um das Museumsschiff und das Tagesausflugsschiff zu verlegen.
„Das Problem daran war, dass uns die DLRG nicht mehr mit Booten zu den Schiffen bringen konnte“, sagte Seidel als verantwortlicher Schiffsführer, „die Strömung und der Wasserstand waren einfach zu stark“. Aus diesem Grund startete schließlich eine spektakuläre Aktion, bei der sich das vierköpfige Team von einem Hubschrauber auf die Decks abseilen ließ. Die Eiserne Brücke musste dafür kurzzeitig gesperrt werden.
Schiffe müssen langfristig umziehen
„In der Form habe ich so etwas noch nicht erlebt“, sagte Seidel, „das war das erste Mal, dass ich per Hubschrauber auf ein Schiff eingestiegen bin“. Rund 100 Meter gegen die Strömung mussten die Freudenau und die Siebnerin anschließend zu sogenannten Dalben – darunter versteht man in den Grund eingerammte Pfähle – gefahren werden, wo sie wieder sicher verankert werden konnten. „Dieses Hochwasser hat gezeigt, dass die Schiffe auch langfristig umziehen werden müssen“, gibt Seidel noch einen Ausblick.
Ungewöhnlich war das Ereignis am Morgen wohl nicht nur für den Schiffsführer, sondern auch für Michael Köstlinger, Leiter des Tiefbauamts der Stadt. Am Mittag hatte er sich gemeinsam mit Stefan Neudert, Leiter des Regensburger Wasserwirtschaftsamts, an der Ecke Eiserne Brücke/Werftstraße den Fragen der Presse gestellt. Wie Köstlinger bei dieser Gelegenheit erklärte, könnten andere angelegten Schiffe – darunter der Radzugdampfer Ruthof, der wie die Freudenau als Museumsschiff genutzt wird – an Ort und Stelle bleiben. „Sie sind so verankert, dass sie nicht gefährdet sind“, gab er Entwarnung.
Kontrollierter Wasser-Zufluss an der Werftstraße
Die Umpark-Aktion der beiden Schiffe war jedoch nicht die einzige Entscheidung an Regensburgs Hochwasser-Hotspot, die gestern für Aufsehen sorgte. An der Werftstraße hatte man zudem erstmals kontrolliert Wasser zufließen lassen. „Die Führungsgruppe Katastrophenschutz hatte entschieden, eine gezielte Erhöhung des Wasserspiegels auf der Landseite durchzuführen“, hieß es dazu offiziell von Seiten der Stadt. Auf diesem Wege sollte der Gefahr, dass die Hochwasserschutzelemente schlagartig versagen könnten, entgegengewirkt werden.
Neudert vom Wasserwirtschaftsamt sprach vor Ort über die Details. So sei die fehlende Untergrundabdichtung in der Werftstraße zum Problem geworden. Der Boden war durch den anhaltenden Wasserpegel zu stark aufgeweicht. „Wir haben sehr früh begonnen, zu beobachten, wie sich der Untergrund bewegt“, sagt er, „mit dem gezielten Wasserzufluss wollen wir sicherstellen, dass kein zu großes Druckgefälle zwischen Land und Wasserseite besteht“. Wenn eine gewisse „vernünftige“ Höhe erreicht sei, würden wieder Pumpen zugeschaltet werden.
Lage hat sich noch nicht entspannt
Um die Lage weiterhin richtig einschätzen zu können, müsse man genau beobachten und gegebenenfalls nachregulieren, fügte Neudert noch hinzu. „Man will natürlich kein Risiko eingehen. Deshalb müssen die Überprüfungen auf ein Minimum begrenzt werden“, ergänzte ein weiterer Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes. Bei den Kontrollen sei ein Wasserretter mit Helm und Schwimmweste dabei, der notfalls eingreifen könne.
Das sich die Hochwasserlage in der Stadt keinesfalls entspannt hatte, wurde bei all diesen Schilderungen schnell deutlich. Wann die Evakuierung der Anwohner der Werftstraße beendet sein wird, konnte an diesem Tag noch niemand sagen. Laut dem Hochwassernachrichtendienst Bayern wird die Meldestufe 4 voraussichtlich erst in der Nacht zu Freitag unterschritten. An der Donau habe sich ein sehr langgezogener Hochwasserscheitel ausgebildet, der auf gleicher Höhe verharre.
Grundwasser macht Probleme
„Der Wasserstand der Donau wird nur sehr langsam – zentimeterweise – zurückgehen und wieder sinken“, sagte Neudert. Im Vergleich zum Jahr 2013 sei der Hochwasserstand zwar höher, der Scheitel aber wesentlich kürzer gewesen. „Deshalb bestand die Problematik mit dem Grundwasseranstieg bei weitem nicht so wie jetzt.“
Dass das steigende Grundwasser Probleme macht, wurde auch abseits der akut gefährdeten Punkte an der Donau deutlich. Selbst in Kumpfmühl bemerkten Anwohner gestern Wasser, das auf die Straße geflossen war. „Im Krisenstab wird das gesamte Stadtgebiet im Blick behalten“, sagte Tiefbau-Leiter Köstlinger dazu, „aufgrund der langanhaltenden Regenfälle ist der Boden sehr gesättigt“.
„Jede Welle ist anders“
Das Grundwasser sei überall sehr hoch, sodass es nicht nur im flachen Gebiet Überflutungen und vollgelaufene Keller gebe. „Man spricht von sogenanntem Hang- oder Schichtenwasser“, sagte er. Dies sei bekannt, die Feuerwehr im Einsatz. „Im Endeffekt wurden schon vor Tagen Keller ausgepumpt, um einzelne Anwesen zu sichern.“
Wann sich die Situation tatsächlich entspannen und sich das Grundwasser wieder auf einem normalen Niveau einpendeln werde, könne man schlecht vorhersagen. „Das wäre Kartenleserei“, so Köstlinger. Auch Neudert machte noch einmal deutlich, dass es mit genauen Prognosen schwierig sei. „Jedes Hochwasser ist anders und jede Welle ist anders.“



