Katastrophentouristen und liebe Nachbarn: Wie Donau-Anwohner die Flut erleben

Überall entlang der Donau in Regensburg sind Menschen vom Hochwasser betroffen. Gemeinsam mit Nachbarn, Freunden und Verwandten schleppen sie Sandsäcke, ziehen Schutzmauern hoch, beobachten gemeinsam den steigenden Flusspegel – und ärgern sich über Katastrophentouristen.
Badelatschen oder Gummistiefel – auf eine dieser beiden Fußbekleidungen fällt meist die Wahl der Donau-Anwohner, um durch vollgelaufene Keller und überflutete Vorgärten zu waten. „Hier hilft jeder jedem. Wir alle hoffen, dass wir das Hochwasser gut rumbekommen“, sagt Eva Köhler, während sie vor ihrem Haus in der Badstraße an der Donaupromenade steht. Gerade sind Freunde zu Besuch und rollen einen Feuerwehrschlauch zusammen, mit dem der längst geflutete Keller ausgepumpt worden war. Ein wenig enttäuscht ist Köhler hingegen von der Stadt, die im Hochwasserschutz eine gefährliche Lücke an der Brücke über den Brandnerkanal lasse.
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„Die sind ganz schön dreist“
Ein paar Meter weiter machen sich Paulina und Jonas Seitz ans Werk. Mit Brettern verbarrikadieren sie notdürftig ihre Haustür, um Sandsätze zu ergattern mussten sie bis nach Sallern fahren, weil alle vergriffen waren. Die beiden sind mit der Verteidigung des Hauses auf sich gestellt, denn ihre Eltern sind gerade in Italien im Urlaub. „Papa ruft alle zehn Minuten an“, sagt Jonas Seitz und lacht.
Die beiden nehmen die Situation ebenso mit Humor wie Dennis Döhler. Auch sein Keller ist voller Wasser, doch am grantigsten ist er nicht über die Donau, sondern über die Katastrophentouristen. Zahlreiche Menschen kämen zum Gaffen, ein paar seien sogar einfach in sein Haus gegangen, um sich umzusehen. „Die sind ganz schön dreist“, sagt er. Mit sarkastischem Humor reagiert er und stellt ein Schild vor das Haus an der Badstraße: „Sonderangebot für Katastrophentouristen: Führung inkl. Fotos in überfluteten Räumen: 19,95 Euro pro Person“ steht darauf.
Ein Dank an die Feuerwehr
Auch Maria Achhammer beklagt, dass einige Schaulustige recht schamlos seien. Die Frau sicherte schon am Sonntag mit 16 Freunden und Verwandten das Haus der Metzgerei Wolf an der Werftstraße. Besonderen Dank richtet sie an die hilfsbereiten Einsatzkräfte, vor allem von der Feuerwehr Weichs. Während gegen das Hochwasser und das ansteigende Grundwasser nur Hoffen helfe, würden THW, Feuerwehr, Polizei und all die anderen Helfer Schlimmeres verhindern. Achhammer erinnert sich noch an das Hochwasser 2013, als der Hochwasserschutz überspült wurde, das Wasser in der Metzgerei bis unter die Decke stand. Aktuell aber sei die Lage entspannt, sagt sie.
Eine gewisse Ruhe legen die meisten Donau-Anwohner an den Tag. Viele leben seit Jahrzehnten dort, haben schon Schlimmeres erlebt und nehmen Hochwasser als Preis für ihre großartige Lage hin. In der Badstraße zum Beispiel nutze fast niemand seinen Keller, verrät Dennis Döhler. Fast alljährlich stehe dort mehr oder weniger Wasser. Den Häusern selbst, die oft 300 bis 400 Jahre alt sind, mache das wenig aus, erzählt auch Tobias Sorgenfrei, Inhaber des gleichnamigen Wirtshauses an der Badstraße. Sein Keller gleicht derzeit einem Swimmingpool. „Aber mei, ist halt so. Das Geschirr schwimmt drin rum, aber mehr ist es auch nicht.“ Echte Panik würde in der Nachbarschaft dann eintreten, wenn der Pegel sich den sieben Metern nähern würde. Hoffnungsvoll blicken die Donaubewohner aber schon wieder auf Prognosen sinkender Pegelstände.
Während viele Alteingesessene schon Hochwasser-erprobt sind, ist es für Klaus Schützmann das erste Hochwasser. Vor rund sieben Jahren baute er am Pfaffensteiner Steg ein hochmodernes Haus auf Stelzen, einen Großteil seines Grundstücks gab er an die Stadt, die dort einen Hochwasserschutz bauen wollte. „Bisjetzt ist nichts passiert“, sagt Schützmann, während er auf seinen komplett gefluteten Garten blickt. Doch auch er bleibt gelassen. „Wir wussten, worauf wir uns einlassen, wenn wir so nah an der Donau bauen“, sagt er.




