Wirte können nur noch abwarten: Hochwasser in Regensburg zwingt erste Betriebe in die Knie

Nicht wenige Gastronomen in Regensburg kämpfen gegen die Flut. Während mancherorts nur noch die Feuerwehr helfen kann, versuchen andere Restaurantbesitzer weiterhin entspannt zu bleiben. Auch Touristen erleben die Domstadt derzeit im Ausnahmezustand.
Für ein ausführliches Gespräch hat Julian Wiesbeck am Montagvormittag keine Kapazitäten. „Es war eine lange Nacht“, sagt der Wirt der Alten Linde entschuldigend und lässt sich für einen Moment auf einen der Klappstühle im verlassenen Biergarten sinken. Seit 5 Uhr morgens würden die Einsatzkräfte der Feuerwehr beim Abpumpen des Wassers unterstützen. „Ohne sie wäre es noch viel schlimmer“, sagt er.
Sehr überraschend sei das Wasser nicht gekommen. Die Prognosen haben erwarten lassen, dass es kritisch werde bei dem Wirtshaus, das normalerweise mit Ausblick auf die Steinerne Blicke und den Dom besticht. Jetzt fällt der Blick nur noch auf das Wasser. Auf der Homepage der Alten Linde werden Gäste darüber informiert, dass das Restaurant aufgrund der verschärften Hochwasserlage geschlossen bleibe, bis sich die Situation entspannt habe.
Alle Maßnahmen getroffen
Wie es im Inneren des Lokals aussehe? „Unordentlich“, sagt Wiesbeck und lacht kurz gequält auf, „aber noch geht es.“ Für ihn heiße es jetzt abwarten – und weiter auf die Unterstützung der Feuerwehr setzen. „Wir haben alle Maßnahmen getroffen, die wir treffen können.“
Am Lokal vorbei, von der Lieblstraße in Richtung Steinernen Brücke, sind an diesem Vormittag die Hofmans unterwegs. Die kleine, vierköpfige Reisegruppe aus Belgien ist im benachbarten Sorat Insel-Hotel untergebracht, das ebenfalls mit der Flut kämpft. Gegenüber unserer Zeitung hatten sich die Betreiber des Hotels nicht äußern wollen. Vor Ort lässt ein dicker Schlauch, durch den Wasser aus dem Tiefgarage gepumpt wird, erahnen, dass auch hier die Prioritäten gerade anderswo liegen.
Die aus Brüssel angereisten Hofmans geben allerdings gerne wieder, wie sie die Situation als Hotelgäste empfinden. „Wir mussten das Auto aus der Tiefgarage holen und umparken“, sagen sie. Ansonsten hätte es bislang keine Einschränkungen gegeben. Von den Mitarbeitern seien sie sehr gut und umfassend informiert worden. Bis zur Weiterreise nach Berlin können sie in ihren Zimmern bleiben. „Wir kennen uns mit Hochwasser aus und machen das Beste daraus“, sagen die Touristen.
„Ein beklemmendes Gefühl“
Etwa 300 Meter weiter in Stadtamhof sind Anton Sperger und sein Team dabei, eine Spundwand aufzubauen. „Wir liegen ein bisschen höher“, sagt der Wirt des Spitalgartens, während er in Blick in Richtung Wasser und Alte Linde blickt, „somit sind wir hier drin eigentlich ziemlich sicher.“
Den Biergarten habe man bereits zurückgebaut, erklärt er. Geöffnet sei das Lokal weiterhin. „Noch bin ich guter Dinge. Ich habe vorhin nachgemessen und wir haben noch gut 50 Zentimeter, bevor das Wasser über die eigentliche Biergartenmauer schwappen würde“, sagt Sperger. Belastend sei die Situation natürlich dennoch. „Das ist schon ein leicht beklemmendes Gefühl.“
Neu renoviertes Lokal
Auch auf der anderen Seite der Steinernen Brücke harren Gastronomen der Dinge, die da kommen. Duy Khanh Do, der in den vergangenen Monaten mit seinem Bruder die frühere Cocktailbar Mood Am Wiedfang zum vietnamesischen Restaurant Cô Hà umgebaut hat, vertraut auf die Schutzmaßnahmen entlang der Donau.
„Ich habe die großen Hochwasser von 2008 und 2013 miterlebt. Da stand das Wasser noch wesentlich höher“, sagt er. Der Restaurant-Betreiber will sich deshalb nicht zu viele Gedanken machen, ob die Flut nicht doch in das neu renovierte Lokal eindringen könnte. „Anderswo ist die Situation noch viel kritischer als bei mir.“
Gäste stellen viele Fragen
In einer ganz speziellen Lage befinden sich auch die Mitarbeiter im Besucherzentrum Welterbe Regensburg, das im historischen Salzstadel untergebracht ist. „An unser Team werden aktuell sehr viele Fragen von Gästen, aber auch Einheimischen rund um das Thema Hochwasser gestellt“, sagt Welterbekoordination Janina Rummel.
Geöffnet sei nur noch die Dauerausstellung im Erdgeschoss. Gegen Mittag habe man am Montag begonnen, das Untergeschoss samt Sonderausstellungsfläche zu räumen. Zuletzt trat dort 2013 Wasser ein. „Sobald sich die Situation weiter zuspitzt, wird das gesamte Besucherzentrum geschlossen“, so Rummel.


