Ein Stimmungsbild: Wie halten es die Further denn mit der Europa-Wahl?

Am 9. Juni ist Europawahl. Wie ist die Stimmung in Furth im Wald? Wir haben Ordnungsamtsleiter Toni Lauerer nach dem Stand der Briefwahl gefragt und wollten wissen, wie Verantwortungsträger zur Wahl stehen.
Lauerer blättert in seinen Unterlagen: „Bei der letzten Europawahl am 26. Mai 2019 haben wir 1339 Briefwähler registriert. Stand jetzt (Freitag Vormittag, 9.30 Uhr) sind wir bei 1486, werden die Marke von 1500 wohl heute noch überschreiten.“
Täglich, so der Ordnungsamtschef, gehen rund 100 Anträge für Briefwahlunterlagen ein. Er schätzt, dass daher die 2000er Marke überschritten wird.
Die Stimmung ist gut
Seine Beobachtung: Die Stimmung pro Europa ist gut. Mit Blick auf das neue Erstwahlrecht für 16-Jährige sagt er: „Es kommen viele junge Leute, etliche Erstwähler, das freut mich.“
Gerade erst hat er Besuch von jemandem bekommen, der gerade erst 16 geworden ist. Lauerer findet die Europawahl wichtig, „weil man als einzelne Nation im Spiel der großen Mächte nicht mehr wahr- und auch nicht mehr ernst genommen wird. Wir würden zerrieben werden.“ Das gelte gerade auch mit Blick auf den Umstand, dass Deutschland traditionell eine Exportnation ist.
Eine leidenschaftliche Europäerin ist auch Karin Stelzer, Leiterin des Europe Direct-Informationszentrums in Furth im Wald. Sie ist mit ihrem Team sehr aktiv im Bereich der Aufklärung für jugendliche Erstwähler. „Diese Maßnahme ist ja nicht ganz unumstritten.“ Deshalb sieht sie es diesmal als wichtige Aufgabe, aufzuklären und dem Wahlnachwuchs das Handwerkszeug mitzugeben, nicht irgendwen zu wählen, sondern eine eigene Meinung zu vertreten. „Europa soll jünger werden“, sagt Stelzer und setzt daher auf politische Bildung. Sie empfiehlt den Wahl-O-Mat zu nutzen und der Gefahr der Desinformation entgegenzuwirken. Zu wählen ist in ihren Augen ein Privileg, das man nutzen sollte, sonst dürfe man im Nachgang auch nicht mitreden, denn: „Europa wählen heißt Europa mitzugestalten.“
So sieht es auch Arnschwangs Bürgermeister Michael Multerer. „Zu wählen ist unsere staatsbürgerliche Pflicht, die wir erfüllen dürfen“, lautet sein Credo mit Blick auf andere Länder, in denen ein Mitentscheiden nicht möglich ist. Eine Stimme für Europa sei das Statement für das Wissen, dass es uns in Deutschland und Europa gut geht und es so bleiben soll. Er appelliert auch an Kurzentschlossene: „Bei der Europawahl hat jeder nur ein Kreuz zu vergeben. Die Zeit, das zu tun, sollte jeder finden.“
Aus Sicht Kulturschaffender hat Europa auch einen ganz klaren Mehrwert. Ohne Europa, findet Alfred Bruckner, Vorsitzender des Kulturvereins Freiraum, wäre der grenzüberschreitende Austausch, beispielsweise mit Tschechien, kaum möglich. Sein Sohn, der in europäische Projekte eingebunden ist, habe mit Kollegen aus anderen europäischen Ländern ein Netzwerk gebildet, das sehr groß ist. Auch die eine oder andere Förderung aus EU-Mitteln hat der Verein schon bekommen. „In diesem Bereich könnte es natürlich immer noch ein wenig mehr sein“, sagt er.
Garant für Frieden
Am Rande eines Treffens mit Verantwortlichen der Landesgartenschau Furth im Wald 2025 (LGS, wir berichteten), sagte Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt: „Europa ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte für die Menschen, sondern auch eine für die Wirtschaft der Region Oberpfalz.“
Der Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp brach ebenfalls eine Lanze für Europa und bekräftigte, wie wichtig die Wahl am 9. Juni ist: „Weil wir in Furth im Wald wissen, was Europa für uns bedeutet.“
Jede Stimme für ein stabiles und demokratisches Europa sei auch eine gegen rechtes Gedankengut. Gemeinsam mit Furths Bürgermeister Sandro Bauer vertrat er die Ansicht, die Wahl sei ein Garant für „Frieden, Freiheit und Sicherheit.“ Bauer ergänzte: „Wir gehen zur Europawahl, weil wir Demokraten sind und die Aufgabe haben, uns an Wahlen zu beteiligen.“
LGS-Geschäftsführer Robert Sitzmann nimmt ebenfalls an der Europawahl teil. Er ist sicher, ohne Fördermittel der EU wäre die LGS in dieser Form nicht möglich. Vier Millionen Euro fließen für Daueranlagen nach Furth im Wald. Vom Fonds für regionale Entwicklung profitiere der Ländliche Raum ganz erheblich.
