Wut bei Michelsneukirchener Feuerwehr: Rücksichtsloses Parken behinderte Einsatz massiv

Wut bei der Michelsneukirchener Feuerwehr (Landkreis Cham): Rücksichtsloses Parken behinderte den Einsatz bei einem Unfall am Sonntag, während der Festzug stattfand, massiv. Ein Auto stand sogar direkt vor dem Gerätehaus. Bei den nächsten großen Festen könnte es nun verstärkte Kontrollen durch die Polizei geben.
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Es war am vergangenen Sonntag um 14.30 Uhr – ganz Michelsneukirchen war auf den Beinen, um beim Festzug zum gerade stattfindenden KLJB-Jubiläum mitzugehen oder sich diesen anzuschauen. Doch nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt hatte sich auf der Kreisstraße Cham 7 ein schwerer Motorradunfall ereignet, und ein Kradfahrer aus Neukirchen b. Hl. Blut zog sich bei einem Frontalzusammenstoß mit einem Auto schwerste Verletzungen zu.
Alles massiv zugeparkt
Jede Sekunde zählte. Dass die Sirene die Feuerwehr zum Einsatz rief, ist normal, doch was die Einsatzkräfte vor und im Umfeld ihres Gerätehauses vorfanden, ärgert Sebastian Laußer, 3. Kommandant, auch Tage danach immer noch maßlos: Das Einfahrtstor war mit einem parkenden Auto versperrt, und auch die Straßen im Umfeld waren massiv zugeparkt.
Laußer: „Das war nicht nur bei unserem Fest so, das ist überall das Gleiche.“ Doch wie stellte sich die Situation vor Ort dar, als die Sirene die Einsatzkräfte rief? „Wir waren zum Glück schon im Festzug wieder Richtung Festplatz unterwegs. Wir haben dann einfach versucht, so schnell es ging zu Fuß zum Gerätehaus zu laufen.“ Wer einen Blick auf den Alarmierungsplan warf, wusste schnell: Wenn die Leitstelle nach THL 3 alarmiert, muss etwas Schlimmes vorgefallen sein.
„Trauten Augen nicht“
Das Löschfahrzeug und der Mannschaftstransportwagen lösten sich zeitgleich aus ihren Absicherungsposten heraus und fuhren ebenfalls zum Gerätehaus, um die Einsatzkräfte aufzunehmen. „Als wir dort ankamen, trauten wir unseren Augen nicht“, ist Laußer auch Tage danach noch fassungslos, hatte sich doch ein Verkehrsteilnehmer getraut, sich zwischen den beiden Einsatztoren der Wehr hinzustellen. „Eigentlich war der Plan, das Einsatzfahrzeug fährt zum Gerätehaus, wendet, nimmt uns auf, und wir fahren los. So war erst einmal großes Wenden angesagt. Doch das war durch die parkenden Autos nicht möglich.“
Als Zweites kam hinzu, wie Laußer informiert, dass die Irlbergstraße ebenfalls komplett zugeparkt war. Dies wäre eigentlich die Route gewesen, welche die Einsatzfahrzeuge nehmen hätten können, um den Festzug zu umfahren. Laußer: „Da wäre man maximal mit einem Fahrrad durchgekommen.“
Einsatzfahrzeuge mussten durch den Festzug fahren
Also blieb den Einsatzfahrzeugen der FFW Michelsneukirchen nichts anderes übrig, als durch den Festzug hindurchzufahren, um zum Einsatzort zu gelangen: „Das ist natürlich brandgefährlich, du weißt ja nie, wie die Leute reagieren.“ Doch das habe dann relativ gut geklappt.
Was Laußer und die Feuerwehrkameraden weiter ärgert, ist die Tatsache, dass es sowohl am Schulsportplatz als auch rund um das Rathaus noch viele befestigte Stellplätze gegeben hätte. Für die Wehr ist es dabei nur ein schwacher Trost, dass auch in den Siedlungsstraßen von Michelsneukirchen oft wild geparkt wurde, wo es auch für den Rettungsdienst, falls es zu einem Notfall gekommen wäre, heikel geworden wäre.
„Bußgeldkatalog sieht hier durchaus Strafen vor“
Die Polizei Roding sieht im Parkverhalten vor dem Gerätehaus kein Kavaliersdelikt. So lässt Verkehrssachbearbeiter Joachim Zisler auf Nachfrage unserer Zeitung wissen: „Der Bußgeldkatalog sieht hier durchaus Strafen vor.“
Wer einen Rettungsweg zuparkt und damit die Rettungsfahrzeuge behindert, muss mit einer Straße von 100 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünderdatei rechnen. Wer eine Feuerwehrzufahrt zuparkt, ist mit 55 Euro dabei. Dies, so Zisler, regelt der Paragraph 12 im Bußgeldkatalog.
Vor allem in Sachen der Irlbergstraße, welche die Feuerwehr nicht befahren konnte, hätte es wohl einiges an Bußgelder gehagelt. Denn auch wenn ein Auto parkt, muss die Straßenbreite immer noch mindestens drei Meter haben, ansonsten darf das Fahrzeug dort nicht abgestellt weden.
Appell an die Vernunft
Wie oft wird die Polizei mit solchen Fällen konfrontiert? „Wir haben uns immer wieder mit solchen Situationen zu beschäftigen“, antwortet Zisler. Als Beispiel führt er den Oberen Markt in Roding an, wo teilweise rechts und links geparkt wird. Doch irgendwo sind der Polizei auch Grenzen gesetzt, wie Zisler zugibt, so appelliert der Verkehrssachbearbeitet an die Vernunft der Autofahrer und Festbesucher, oft lieber einen längeren Fußmarsch in Kauf zu nehmen und auf den ausgewiesenen Parkplätzen zu parken.
Dieses Wochenende steht in Obertrübenbach gleich das nächste große Fest an, welches sicherlich wieder viele Besucher anziehen dürfte. Ob die Rodinger Polizei dann ein verstärktes Auge darauf haben wird und öfter nach Obertrübenbach fahren und schauen wird, ob die Rettungs- und Einatzwege diesmal frei bleiben, darüber wollte Zisler noch keine endgültige Aussage treffen. Nur soviel lässt er wissen: „Wir schauen uns bei jedem Fest die Zufahrten an.“
Allerdings kann man wohl davon ausgehen, dass nach den Ergeignissen aus Michelsneukirchen die Rodinger Polizei diesmal wohl genau hinschauen dürfte.
Strafen und nächstes Fest
Einsatzkräfte behindert: Der Bußgeldkatalog sieht Strafen für die Verkehrsteilnehmer vor, die Einsatz- und Rettungswege behindern. Hier wird zwischen 55 Euro und 100 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünderdatei unterschieden.
Fest: An diesem Wochenende findet das große Feuerwehrfest in Obertrübenbach statt. Durchaus möglich, dass nach den Vorfällen in Michelsneukirchen die Rodinger Polizei diesmal sehr genau hinschauen wird, wo geparkt wird.