Regensburger Chirurgin mit 32 Jahren schon Professorin: Sie gibt Frauen die Brüste zurück

Sie ist 32 Jahre alt, Oberärztin und Professorin. Alexandra Anker, Plastische Chirurgin am Caritas-Krankenhaus St. Josef, wurde kürzlich zur jüngsten außerplanmäßigen Professorin der Medizinischen Fakultät der Universität Regensburg bestellt. Im Interview spricht sie über persönliche Ziele – aber auch darüber, warum Brustrekonstruktionen für Frauen nach Krebserkrankungen so wichtig sind.
Frau Anker, Sie sind 32 Jahre alt, Oberärztin und nun zur jüngsten außerplanmäßigen Professorin der Medizinischen Fakultät der Universität Regensburg bestellt worden. Würden Sie sich als Überfliegerin bezeichnen?
Alexandra Anker: Als Überfliegerin nicht, aber als Person, die immer versucht hat, konsequent ihre Ziele zu verfolgen. Alles, was ich in Angriff nehme, möchte ich besonders gut machen. Das war schon immer so.
Wann stand fest, dass Sie einmal Ärztin werden?
Anker: Ziemlich spät. Am Gymnasium war ich noch relativ offen. Es wären verschiedene Wege für mich in Betracht gekommen. Über Bekannte bin ich mit der Medizin in Kontakt gekommen.
Und wie sind Sie in den Positionen gelandet, die Sie heute bekleiden?
Anker: Die Plastische Chirurgie in Regensburg wurde mir während des Studiums empfohlen. Ich habe meine gesamte Facharzt-Weiterbildung hier absolviert. Durch besonderes klinisches Engagement und eigene Spezialgebiete kommt man dann in eine Oberarztposition. Was die Professur angeht: Die Leistungen in der Lehre und in der Forschung, die man erfüllen muss, um eine außerplanmäßige Professur zu bekommen, sind von der medizinischen Fakultät der Universität genau definiert.
Der Titel Ihrer Habilitationsschrift hat es in sich: „Determinanten für die Mikroperfusion und Rheologie beim freien Gewebetransfer in der onkologischen Mammarekonstruktion“. Was heißt das für Laien übersetzt?
Anker: Es geht um die Brustwiederherstellung nach einer Brustkrebserkrankung. Es gibt dabei zwei große Säulen, entweder man arbeitet mit Silikon-Implantaten oder mit körpereigenem Gewebe. Ich habe untersucht, welche Faktoren die Durchblutung von transplantiertem Gewebe beeinflussen, um die Ergebnisse und die Sicherheit der Operation zu verbessern.
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Das klingt im Vergleich zu Silikon-Implantaten nach einer sehr natürlichen Option. Ist sie auch besser?
Anker: Eine Eigengewebsrekonstruktion ist für die Operateure häufig anspruchsvoller, anfangs vielleicht auch belastender für die betroffene Patientin. Nicht jede Frau ist dafür geeignet, aber bei guten Voraussetzungen ist es für mich die favorisierte Form des Brustaufbaus. Die Ergebnisse sind natürlich und langanhaltend. Das eigene Gewebe altert mit. Wir haben sehr, sehr hohe Zufriedenheitsraten bei unseren Patientinnen.
Wie funktioniert so ein Eingriff?
Anker: Der Brustaufbau erfolgt häufig mit sogenannten freien Gewebetransplantaten. Das heißt, dass an einer Körperstelle mit „Gewebeüberschuss“ – wie beispielsweise am Bauch – ein Gewebeblock mit Gefäßen entnommen und an die Brustwand verlagert wird. Hier werden Gefäßverbindungen geschaffen, sodass das transplantierte Gewebe wieder durchblutet wird. Was es darüber hinaus noch gibt, ist der Eigenfetttransfer. Hierauf hat unser Klinikdirektor, Professor Lukas Prantl, seit vielen Jahren einen Schwerpunkt in der Klinik und Wissenschaft gelegt. Es handelt sich um ein sehr schonendes und elegantes Verfahren, das sowohl in der Onkologie als auch in der Ästhetik Anwendung findet.
Wie wichtig ist es für die Patientinnen nach einer Krebserkrankung, dass die Brust wieder aufgebaut wird?
Anker: Meiner Erfahrung nach hat die Brustrekonstruktion einen wirklich enormen Stellenwert. Häufig ist es der letzte Schritt, den Krebs komplett hinter sich zu lassen, und damit auch eine Art Neuanfang. Ich rate Patientinnen dazu, sich zumindest beraten zu lassen – sich anzuhören, welche individuellen Optionen es gibt.
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Was erfüllt Sie mehr, die Praxis oder die Lehre?
Anker: Mir macht beides Spaß und ich denke, die Lehre ist nicht minder relevant, aber als Chirurgin bereitet es mir besonders viel Freude, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen und zu operieren.
Wie oft operieren Sie in der Woche?
Anker: Beinahe täglich. Die Anzahl der Operationen pro Tag unterscheidet sich aber deutlich. Wir führen Operationen durch, die nur 20 Minuten dauern, wenn wir zum Beispiel Narben korrigieren. Dann gibt es Eingriffe, die sechs Stunden und mehr dauern.
Wie viele Arbeitsstunden kommen bei Ihnen in einer Woche zusammen?
Anker: Das ist schwer einzuschätzen, aber schon deutlich mehr als die üblichen 40.
Was raten Sie jungen Frauen, die eine ähnliche Karriere anstreben?
Anker: Es ist wichtig, dass man konkrete Ziele setzt und sie diszipliniert verfolgt. Man sollte sich schon früh am Beginn der Facharzt-Weiterbildung ausrichten und sich Forschungsgruppen anschließen. Im Team ist alles deutlich einfacher.
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Wie finden Sie Ausgleich?
Anker: Ich bin sehr gern in der Natur. Das beruhigt mich und lässt mich runterkommen. Ich koche gerne und mache Sport – vor allem Wassersport, Kite- und Wingsurfen. Das macht den Kopf frei.
Wie gefällt es Ihnen als Tirolerin in Regensburg?
Anker: Es ist eine Stadt, die ich zunehmend lieben gelernt habe. Anfangs habe ich die Berge schon vermisst. Inzwischen ist mir Regensburg auch eine Heimat geworden.
Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus – beruflich wie privat?
Anker: Wie schon gesagt, ich hätte mir früher verschiedene berufliche Wege vorstellen können. Dasselbe gilt für die weitere Karriere. Mal schauen, was sich ergibt. Eine Führungsposition wäre schon etwas, das ich mir sehr gut vorstellen kann und auch wünsche. Gleichzeitig wünsche ich mir aber auch, dass das Berufsleben mit dem Privatleben vereinbar bleibt.
Das Interview führte Jonas Raab