Das Regensburger Krankenhaus St. Josef baut neu und größer – im laufenden Betrieb

Andere Krankenhäuser schrumpfen, das Regensburger Haus will wachsen und dabei weiter seine Patienten voll versorgen. Was sind die Gründe dafür – und wie soll das funktionieren?
Es ist ein Megaprojekt: Seit drei Jahren plant das Caritas-Krankenhaus St. Josef seine Erneuerung, knapp 30 Interne und Externe gehören dem Bauteam an. Der Caritas-Verband will am selben Standort bauen. Und das Haus mit derzeit knapp 1500 Mitarbeitern soll dabei wachsen, während andere Häuser schrumpfen oder schließen. Medizinisch-ärztliche Direktorin Sylvia Pemmerl sagt: „Da schwimmen wir ein bisschen gegen den Trend.“
Anlass für Umbau und Erweiterung ist zum einen der zum Teil in die Jahre gekommene Gebäudekomplex und zum anderen der Wunsch, sich zu vergrößern. St. Josef feiert 2025 75-jähriges Bestehen, es wuchs über die Jahre. Das erschwert den Betrieb. Immer wieder gebe es Rohrbrüche, erzählt Pemmerl, Höhenunterschiede sind Hürden für die Betten. Und überhaupt wolle das Haus hin zum Zweibett-Standard, während es heute häufig noch Drei-Bett-Zimmer gebe, und sich mit einer klimafreundlichen Energieversorgung nachhaltiger aufstellen.
Das Caritas-Krankenhaus St. Josef schreibt keine roten Zahlen
Heute hat St. Josef 325 Betten. Dass es mehr brauche, habe der Freistaat bereits 2020 anerkannt. Und Pemmerl rechnet damit, dass der Bedarf weiter steigt. „Wir wissen leider Gottes, dass Tumorerkrankungen eher zunehmen werden die nächsten Jahre. Wir wissen auch, dass wir ein Kliniksterben haben werden, und dass wir als Schwerpunktversorger immer mehr Patienten versorgen dürfen und müssen.“ St. Josef ist, zusammen mit dem Universitätsklinikum und im Verbund mit anderen Häusern, nationales Tumorzentrum. „Wenn ich mir was wünschen dürfte, wären 400 Betten sicher der nächste Schritt“, sagt Pemmerl. Die Größenordnung sei auch wirtschaftlich optimal. Noch gehöre St. Josef wohl zu den wenigen Häusern, die schwarze Zahlen schreiben. Die zwei universitären Kliniken, für Urologie und für Frauenheilkunde, machten das Krankenhaus für Patienten und Mitarbeiter attraktiv. Zudem sei es „immer schon prozessorientiert und ökonomisch gut aufgestellt“ gewesen und habe sich so auch einen größeren Investitionsstau erspart. Auch Pemmerl sieht es mit großer Sorge, „was wirtschaftlich gerade abläuft“. „Aber wenn wir diesen Standort weiterentwickeln wollen, müssen wir einfach investieren und in die Zukunft schauen.“
Stehenbleiben sollen nur Notaufnahme, Hochschule, Pflegeschule und Nierenzentrum. Die Neubauten sollen neben mehr Platz für Betten auch zwei neue OP-Säle und mehr Räume für Funktionsdiagnostik bringen. Die Erweiterung funktioniert nach dem Baukastensystem. Lothar Backhaus, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt, erklärte das am Dienstag im Planungsausschuss des Stadtrats so: „Ein Fläche wird freigeräumt, dann kann ich das Nächste machen.“ Das sei „im Prinzip eine Operation am offenen Herzen“. Am Ende steht ein Gebäudekomplex mit Gründächern und Photovoltaikanlagen, der mit einer Bruttogeschossfläche von 60.000 Quadratmetern 20.000 Quadratmeter größer ist als der alte, und eine neue Parkstruktur zur Landshuter Straße. Das dauert, derzeit ist von einer Umsetzungszeit von circa 15 Jahren die Rede. Es hat aber für das Krankenhaus den Vorteil, dass es seine Patienten auch in der Bauphase voll versorgen kann, auf aktuelle Entwicklungen reagieren – und die Finanzierung strecken. „Wir reden von einem dreistelligen Millionenbetrag“, sagt Pemmerl. Nicht für alles fließe Fördergeld, wenn doch, handle es sich um Anteile zwischen 70 und 85 Prozent. Den Rest stemmt der Caritas-Verband als Träger.
2025 soll es losgehen mit dem ersten Bauabschnitt
Pemmerl sagt: „Idealerweise steht der Bagger 2025 da und 2027 wird der erste Bauabschnitt vollendet.“ Dabei handelt es sich um die Erweiterung und Aufstockung der Notaufnahme. In einem zweiten Bauabschnitt soll auf dem heutigen Parkplatz daneben ein großer Baukörper wachsen. Nach den Abbrüchen von zwei Bestandsgebäuden folgen zwei weitere Baukörper. Eine Option ist ein Ersatzneubau für das Verwaltungsgebäude ganz im Westen.
Die Stadträte im Planungsausschuss, die geschlossen für die Aufstellung eines Bebauungsplans stimmten, zeigten sich beeindruckt von dem Vorhaben – zu Recht, wenn es nach Planungsreferent Florian Plajer geht. Ein Neubau im Betrieb ringe der Caritas einiges an Schmerzbereitschaft ab. „Der Wert für uns ist, glaube ich, vor allem, dass ein Bestandsstandort im städtischen Gewebe erhalten und aufgewertet werden kann.“ Pemmerl sagt: „Wir wollen bewusst den Standort im Stadtosten erhalten.“ Andere Grundstücke in der Nähe seien ohnehin nicht verfügbar.


