Schaeffler und Vitesco: Das ist das große Ziel des kombinierten Unternehmens

Immer mehr Details werden rund um den Konzern bekannt, der durch die Fusion des fränkischen Automobilzulieferers Schaeffler (Standorte unter anderem in Ingolstadt und Nürnberg) und des Regensburger Antriebsspezialisten Vitesco entstehen soll. Für die vier Geschäftsbereiche des Unternehmens wird ein klares Ziel ausgegeben: Weltspitze.
15 Jahre ist es her, dass sich Schaeffler mit der Übernahme von Continental fast verhoben hatte. Deutlich geräuscharmer läuft nun die Integration der früheren Antriebssparte des Hannoveraner Reifenherstellers in die Schaeffler-Gruppe ab. Durch die Fusion des Regensburger Antriebsspezialisten Vitesco und des fränkischen Konzerns soll ein Automobilzulieferer-Riese entstehen – nach und nach werden immer mehr Details rund um das kombinierte Unternehmen bekannt.
Die Eckdaten wurden bereits im November geklärt. Damals unterzeichneten Vitesco und Schaeffler ein sogenanntes „Business Combination Agreement“ (BCA). Darin stand unter anderem, dass das kombinierte Unternehmen von Herzogenaurach (Lkr. Erlangen-Höchstadt) geführt werden soll. Auch Spekulationen rund um einen neuen Namen für den Konzern, beispielsweise eine Kombination aus Schaeffler und Vitesco, erteilte das Dokument eine Absage. Schlicht und einfach Schaeffler AG soll der fusionierte Zulieferer heißen.
Neue Schaeffler AG: E-Mobilitäts-Sparte besonders im Fokus
Außerdem Teil des BCA: Die geplante Aufteilung des Unternehmens in vier Sparten. Als besonders wichtig erachtet man offenbar den Geschäftsbereich „E-Mobility“. Schaeffler-Sprecher Axel Lüdeke teilt auf Anfrage mit: Man wolle in allen Sparten zu den Marktführern gehören, „dies gilt ganz besonders in der E-Mobilität“. Eine entscheidende Rolle soll dabei das Vitesco-Know-how spielen. Die Sparte wird folgerichtig von Thomas Stierle geführt werden, der aktuell den Geschäftsbereich „Electrification Solutions“ beim Regensburger Antriebsspezialisten verantwortet.
In den drei weiteren Sparten des kombinierten Unternehmens werden dagegen aktuelle Schaeffler-Vorstandsmitglieder an der Spitze stehen. Allerdings sollen auch hier Vitesco-Kompetenzen einfließen. Auf die Frage, was aus dem Verbrenner-Geschäft der Regensburger wird, antwortet Lüdeke: „Alle Geschäfte von Schaeffler und Vitesco sind Kerngeschäfte des kombinierten Unternehmens.“ Dass sich der fränkische Automobilzulieferer auch nach der Fusion nicht vollständig der Elektromobilität verschreiben will, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld bereits im März der Nachrichtenagentur Reuters: „Wir setzen auf Vielfalt im Antriebsstrang.“
Regensburger Know-how auch im Verbrenner-Bereich
Die entsprechende Sparte „Powertrain & Chassis“ werde eine „führende Position bei konventionellen Antrieben und Fahrwerken einnehmen“, gibt sich auch Vitesco-Sprecherin Emerenz Magerl-Ziegler gegenüber der Mediengruppe Bayern überzeugt. Sie verweist außerdem auf den dritten Geschäftsbereich „Vehicle Lifetime Solutions“. Dabei wird es sich um das Aftermarket-Geschäft des Konzerns handeln. Durch die Zusammenführung der entsprechenden Aktivitäten von Vitesco und Schaeffler wolle man einen „integrierten Plattform-Anbieter“ schaffen, sagt Magerl-Ziegler.
Einzig in der vierten Sparte setzt das Herzogenauracher Unternehmen nicht auf Regensburger Kompetenzen: Der Bereich „Bearings & Industrial Solutions“ wird das bewährte Kugellager-Geschäft von Schaeffler abdecken.
Vitesco: Erst Continental, jetzt Schaeffler
Während der grobe Aufbau des kombinierten Konzerns also bereits steht, wird an vielem anderen aber offenbar noch getüftelt. Mitte März habe man einen wichtigen Meilenstein mit der „Festlegung der geplanten Organisationsstruktur auf der ersten Ebene unter dem Vorstand“ erreicht, sagt Schaeffler-Kommunikationschef Lüdeke. Nun sei die zweite Führungsebene an der Reihe. Außerdem arbeite man aktuell die „divisionalen und funktionalen Strategien und Strukturen“ aus und erstelle einen Business-Plan.
All das komme „gut und planmäßig“ voran, so Lüdeke. In Herzogenaurach gibt man sich deshalb zuversichtlich, dass im Oktober die Fusion erfolgen kann. Nur etwas mehr als drei Jahre nach der Abspaltung von Continental ist Vitesco dann wieder Geschichte.