Grasgrün statt knallgelb: Verschwindet der Vitesco-Schriftzug nach Schaeffler-Fusion?

Noch prangt das knallgelbe Firmenlogo an den Vitesco-Gebäuden im Regensburger Osten. Doch dass das so bleibt, ist eher unwahrscheinlich. Sobald die Fusion des Regensburger Antriebsspezialisten mit dem fränkischen Automobilzulieferer Schaeffler abgeschlossen ist, soll das gemeinsame Unternehmen Schaeffler AG heißen – das Aus für den Namen Vitesco?
Nicht unbedingt. Denkbar wäre, dass der Name beispielsweise als Markenbezeichnung bestehen bleibt. Auf eine entsprechende Anfrage reagiert das Regensburger Unternehmen allerdings ausweichend. Vitesco-Sprecherin Emerenz Magerl-Ziegler verweist lediglich auf die vier Sparten, aus denen das fusionierte Unternehmen bestehen wird: „Alle vier Divisionen operieren unter der Marke Schaeffler.“ Ein endgültiges Aus für die Bezeichnung Vitesco bestätigt die Sprecherin aber nicht. Dass sich der Name also beispielsweise noch als Teil von Produktbezeichnungen wiederfinden wird, ist nicht gänzlich ausgeschlossen.
Trotzdem wird wohl in Zukunft der grüne Schaeffler-Schriftzug an den Firmengebäuden im Regensburger Osten prangen. Das Unternehmen aus Herzogenaurach (Lkr. Erlangen-Höchstadt) fährt seit geraumer Zeit die Strategie, seine Marken INA, FAG und LuK der Dachmarke so weit unterzuordnen, dass deren Logos kaum noch genutzt werden. Dem Vitesco-Schriftzug, der laut der Regensburger Firma übrigens für „Leidenschaft, Dynamik und Bewegung“ steht, wird wohl ein ähnliches Schicksal blühen. Das kombinierte Unternehmen werde die Farbe Grün nutzen, teilt Schaeffler-Sprecher Axel Lüdeke mit. Das Vitesco-Gelb hat also wohl keine Zukunft.
1200 Menschen arbeiten an Schaeffler-Vitesco-Fusion
Genauer lassen sich die beiden Unternehmen nicht in die Karten schauen. Fest steht nur, dass die Fusion – im April hatten ihr die Hauptversammlungen zugestimmt – bereits in vollem Gange ist. Über 1200 Menschen arbeiteten mittlerweile „nach einem sorgfältig erarbeiteten Plan“ daran, so Magerl-Ziegler. Das sind etwa ein Prozent der knapp 120000 Mitarbeiter, die Schaeffler und Vitesco gemeinsam beschäftigen. Koordiniert wird das ganze von einem Integrationskomitee, das laut Magerl-Ziegler wöchentlich tagt. „Es legt die strategischen Leitlinien für den Zusammenschluss fest und stellt sicher, dass vereinbarte Zeitpläne eingehalten werden“, so die Sprecherin.
Die Fusion soll bis zu Beginn des vierten Quartals dieses Jahres umgesetzt sein. Lüdeke bestätigt: „Wir liegen voll im Zeitplan. Die Vorbereitungen zur Integration von Vitesco in Schaeffler kommen gut und planmäßig voran“. Man sei zuversichtlich, dass die Verschmelzung im Oktober wirksam wird.
Schaeffler wird durch Regensburger Unternehmen zu riesigem Zulieferer
Im Moment steht Lüdeke zufolge unter anderem die Erarbeitung eines gemeinsamen Business-Plans im Fokus. Schaeffler hat auch immer wieder betont, einen Stellenabbau, im Zuge der Fusion vermeiden zu wollen. Auf eine konkrete Frage dazu hält sich der fränkische Konzern nun allerdings bedeckt: Aus dem Zusammenschluss resultierten „Stabilität und Wachstum und somit auch erhebliche Vorteile für unsere Mitarbeitenden in einer sich rasant verändernden Industrie“, so der Sprecher. Der Regensburger IG-Metall-Chef Rico Irmischer spricht indes von einem „guten Austausch“ zwischen Arbeitgebern und -nehmern. Der Verschmelzung stehe man nach wie vor „grundsätzlich positiv“ gegenüber, so Irmischer. „Wir haben das aber genau im Blick.“
Mit der Fusion steigt Schaeffler in den Kreis der zehn größten Automobilzulieferer weltweit auf. Die neue Schaeffler AG soll mit ihren 120000 Mitarbeitern in weltweit 100 Werken einen Jahresumsatz von 25 Milliarden Euro haben.