Branche strauchelt: Regensburger Firma zahlt trotzdem zehn Monatsgehälter als Bonus

Die Games-Branche steht trotz Umsatzwachstum vor Problemen. Entlassungswellen und Schließungen erschütterten in den vergangenen Monaten die Branche. Die Regensburger Computerspiel-Schmiede CipSoft verbucht derweil einen Rekordgewinn – und zahlt Mega-Boni.
Die Games-Industrie ist eine Branche der Gegensätze: Einerseits ist der Gesamtumsatz in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich gewachsen – auf 9,97 Milliarden Euro. Außerdem kam eine große Zahl hochkarätiger Spiele auf den Markt. Andererseits machte die Branche mit zahlreichen Negativ-Schlagzeilen auf sich aufmerksam: Entlassungswellen und Schließungen deutscher Entwickler-Studios sorgten für ein turbulentes Jahr – nur nicht in Regensburg, das ein Branchenmagazin jüngt sogar als „Schlaraffenland der Gaming-Industrie“ bezeichnete. Grund für diese Einschätzung: ein Rekordgewinn der Computerspiel-Schmiede CipSoft.
14,5 Millionen Euro: Höchster Gewinn bis dato für CipSoft
Das Regensburger Unternehmen vermeldete für 2023 eine Ergebnissteigerung um 21,8 Prozent auf 14,5 Millionen Euro. Damit handele es sich um den höchsten Gewinn vor Steuern in der Geschichte von CipSoft, teilte das Studio mit. Der Umsatz nahm demnach um 11,3 Prozent zu und belief sich auf 24,5 Millionen Euro.
Für Mitarbeitende des Unternehmens bedeuten die guten Zahlen einen Geldsegen: Sie werden mit einem Bonus von über 85 Prozent ihres Jahresgehalts am Erfolg des Studios beteiligt, bekommen also mehr als zehn zusätzliche Monatsgehälter ausgezahlt. So richtig zum Feiern war es dem CipSoft-Team aber trotzdem nicht zumute. Grund dafür seien „die schlechten Nachrichten, die zuletzt von vielen befreundeten Entwicklerstudios kamen“, sagt Geschäftsführer und Firmengründer Stephan Vogler.
Vogler: Rollenspiel-Klassiker Tibia als Grund für wirtschaftliche Lage
Er erklärt auch, warum es den Oberpfälzern besser geht, als vielen anderen in der Branche: „Wir haben das Glück, mit Tibia ein Live-Service-Game zu betreiben, hinter dem eine sehr loyale Community steht, in das wir in den letzten Jahren aber auch an den richtigen Stellen investiert haben.“ So habe man das Kernteam des Rollenspiel-Klassikers um nahezu ein Drittel vergrößert.
Das hat sich wohl ausgezahlt. Denn das langlebige Online-Game – der erste Server ging 1997 online – unterscheidet das CipSoft-Portfolio von dem vieler anderer Studios. Tibia garantiert den Regensburgern offenbar einen stetig wachsenden Umsatzstrom. Nur wenige Firmen in der Branche haben ein ähnliches Produkt und sind deshalb dazu gezwungen, neue Spiele auf den Markt zu bringen. Das gestaltet sich allerdings schwierig. Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands game, spricht von einem zunehmend „raueren Investitionsklima“.
Er verweist dabei auch auf „die nicht verlässlichen Rahmenbedingungen für die Spiele-Entwicklung in Deutschland“. Falk nennt hier unter anderem den seit etwa einem Jahr geltenden Antragsstopp bei der Games-Förderung des Bundes. Deren Richtlinien werden aktuell überarbeitet. Inwieweit hier aber Regelungen getroffen werden, die der Branche wirklich helfen, steht – auch aufgrund der schwierigen Haushaltslage im Bund – allerdings noch in den Sternen.
Bei CipSoft lässt man sich davon nicht beirren. Diesen Mai feierte das Studio den nächsten Meilenstein: erstmals 100 Mitarbeitende. Die Zahl soll weiter nach oben gehen.