Erfolgreiches Jahr: Regensburger Spiele-Entwickler CipSoft trotzt der Krise

Die deutschen Games-Unternehmen blicken pessimistisch auf 2024. Laut einer Umfrage glauben nur zwölf Prozent an ein gutes Jahr für die Branche. Bereits 2023 gab es reihenweise Entlassungen und Schließungen. Bei der Regensburger Computerspiel-Schmiede CipSoft stemmt man sich allerdings gegen den Branchentrend.
„Ein Jahr mit Licht und Schatten“ – so nennt der Verband der deutschen Games-Branche (game) das zurückliegende Jahr. 2024 könnte es so weiter gehen, wie eine Umfrage zeigt: Die Unternehmer prognostizieren mit großer Mehrheit ein schwieriges Jahr für die Branche.
Bei der Bewertung der eigenen wirtschaftlichen Lage zeigen sich die Games-Entwickler nicht ganz so pessimistisch. Jedes zweite Unternehmen geht hier immerhin von einer positiven Entwicklung im laufenden Jahr aus. Auch die Computerspiel-Schmiede CipSoft aus Regensburg stemmt sich gegen den Trend.
Stephan Vogler von CipSoft: Gestiegene Zinsen sind Grund für schlechte Lage
„Insgesamt geht es der Games-Branche nicht gut – und das nicht nur in Deutschland“, sagt Stephan Vogler, CipSoft-Geschäftsführer, auf Anfrage. Ihm zufolge liegt das vor allem an den gestiegenen Zinsen: „Viele Spieleentwickler, die auf externe Geldgeber angewiesen sind, haben Schwierigkeiten, ihre Projekte zu finanzieren.“ Das habe immer wieder Entlassungen zur Folge, so Vogler.
Laut einer aktuellen Umfrage von game erwarten tatsächlich nur zwölf Prozent der deutschen Games-Unternehmen eine positive oder eher positive Entwicklung der Branche in 2024. Zum Vergleich: Vor einem Jahr habe dieser Wert noch bei 48 Prozent gelegen, heißt es in einer Mitteilung. Vogler zufolge hängt die Zukunft an der Entwicklung des Leitzinses. Es sei bemerkenswert, welche Auswirkungen eine solche politische Entscheidung auf die Branche habe, sagt der CipSoft-Gründer. Falls die Zinsen gleich bleiben und im Lauf des Jahres vielleicht sogar sinken, sieht Vogler eine gewisse Entspannung: „In diesem Fall könnte sich die Situation bessern.“ Allerdings bleibe sie wohl „trüb“.
Eines der erfolgreichsten Jahre der Firmengeschichte für Regensburger Entwickler
Für das eigene Unternehmen sendet der Regensburger allerdings eine glasklare Positivnachricht: Mit 2023 sei man sehr zufrieden. „Die finalen Zahlen liegen noch nicht vor, aber wir können schon jetzt sagen, dass es eines der erfolgreichsten Jahre der Firmengeschichte war“, freut sich Vogler. 2022 erzielte CipSoft einen Umsatz von etwa 22 Millionen Euro, 2020 waren es sogar mehr als 25 Millionen Euro.
Auch mit Blick auf das laufende Jahr ist der Geschäftsführer optimistisch: Man sei nicht von externen Geldgebern abhängig, sondern könne sich komplett über laufende Einnahmen finanzieren. „Wir wollen weiter wachsen und stellen entgegen dem Branchentrend sogar Leute ein“, sagt Vogler.
GameDev Regensburg: Mitglieder tun sich schwer
Wie es um die Branche insgesamt in Regensburg und der Oberpfalz bestellt ist, ist indes schwer einzuschätzen. GameDev Regensburg, ein Zusammenschluss von Entwicklern aus der Region, hat dazu keine statistische Erhebung. „Unser starker Eindruck ist, dass sich unsere Mitglieder gerade wirtschaftlich eher schwer tun“, sagt Vorsitzender Florian Fischer. In dem Verband sind vor allem viele kleine Studios organisiert, die meist aus deutlich unter zehn Mitarbeitern bestehen.
„Mit der aktuellen Unklarheit, wie und wann es wieder eine Bundes-Games-Förderung geben wird, hadern viele unserer Mitglieder“, gibt Fischer zu bedenken. Viele Studios seien auf eine solche angewiesen. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Bundesverband game und kritisiert: „Die Kostennachteile von rund 30 Prozent gegenüber anderen internationalen Games-Standorten wiegen ohne aktives Förderprogramm in der aktuellen Lage doppelt schwer.“