Aufnahmestopps und langes Warten bei Neumarkter Hautärzten: Wohin mit den Patienten?

Die Nachfrage ist groß, der Terminkalender der Praxen voll: Dass die Suche nach einem Termin beim Hautarzt in Neumarkt schwierig sein kann, musste ein 59-Jähriger auf die mühsame Tour lernen. Ein Experte erklärt das Problem.
Alban Karl, wohnhaft im Landkreis Neumarkt, entdeckte einen schwarzen Fleck auf seinem Arm und wollte diesen abklären lassen. Bereits vor einem halben Jahr habe er bei seiner gängigen Hautarztpraxis in Neumarkt angerufen, erklärt Karl. Ohne Erfolg. Es werden keine neuen Patienten mehr angenommen, habe es am Telefon geheißen. Es gebe einen Aufnahmestopp.
Dass er immer in diese Praxis gegangen sei, spielte in diesem Fall keine Rolle. Denn er sei schon länger als fünf Jahre nicht mehr bei seinem Hautarzt gewesen, so die Begründung der Praxis. „Es war ein harter Schlag für mich, in jeder Praxis wurde ich abgewiesen“, erklärt der 59-Jährige. Inzwischen habe Alban Karl einen Hautarzttermin in Nürnberg bekommen.
Nur zwei Praxen reagieren auf Anfrage
Über das Thema sprechen die Hautarztpraxen in Neumarkt offenbar nicht gerne. Lediglich zwei von fünf Praxen reagierten auf eine entsprechende Anfrage. Die Praxis Bittner und Stosiek hat laut eigenen Angaben erst seit Februar einen Aufnahmestopp, bis voraussichtlich Ende des Jahres. Zu weiteren Auskünften seien die Ärzte jedoch nicht bereit. Auch die Hautarztpraxis von Jiri Trcka gab sich sehr wortkarg. Man nehme erst im September wieder Patienten auf.
Dass die Situation für die Dermatologie-Patienten in Bayern und Deutschland schlechter geworden sei, davon ist Markus Schwürzer-Voit überzeugt. Er ist Vorsitzender des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) in der Oberpfalz und führt seit 2000 eine Hautarztpraxis in Hemau im Landkreis Regensburg.
Die Nachfrage nach Hautärzten ist groß
Laut Schwürzer-Voit ist die Dermatologie ein kleines Fach, hat dafür jedoch eine sehr hohe Frequenz an Patientenkontakten. Rund 100 Patienten pro Tag seien durchaus üblich. Zur Einordnung: In seiner Praxis hat er seit Neugründung vor 24Jahren 53.000 Patienten in der Kartei. „Die Nachfrage ist riesig.“
Die Einführung des Hautkrebsscreenings in den vergangenen Jahren sowie die Zunahme der Patienten mit weißem Hautkrebs und seiner Vorstufen seien jedoch Gründe für eine Mehrbelastung der Praxen. Allein das Hautkrebsscreening beanspruche in einer Einzelpraxis mindestens 300 Termine im Quartal, die dann tatsächlich dermatologisch Erkrankten nicht mehr zur Verfügung stehen würden. „Die Manpower ist erschöpft“, betont Schwürzer-Voit.
In vielen Fällen, etwa bei leichten dermatologischen Erkrankungen, leichten Ekzemen oder infizierten Insektenstichen, würde es genügen, wenn die Patienten erst zum Hausarzt gingen. „Der Hausarzt kann etliches abfangen“, sagt Schwürzer-Voit. Auch erspare sich der Patient monatelange Wartezeiten.
Die Anreize für eine Praxisgründung fehlen
Ein weiteres anhaltendes Problem: Die eigene Praxis zu gründen sei für junge Dermatologen nicht mehr attraktiv. „Früher war der Wille unbedingt da, sich niederzulassen“, sagt Schwürzer-Voit. Doch momentan sei es schwierig. Junge Kollegen würden das Risiko einer Niederlassung scheuen, und eher direkt an der Klinik bleiben oder in medizinische Versorgungszentren gehen. Gründe seien unter anderem die Bedingungen in einer Praxis wie explodierende Sachkosten und das Fehlen von medizinischen Fachangestellten.
Die Schwierigkeit, Nachfolger zu finden, betrifft nicht nur dermatologische Praxen. Der Neumarkter Orthopäde Wolfgang Bärtl ist Vorsitzender des Bayerischen Facharztverbandes (BFAV). Es finde sich kaum jemand mehr, der bereit ist, das Risiko unter diesen Bedingungen zu tragen – die Anreize fehlten. „Die Bereitschaft zur Übererfüllung nimmt ab. Das System kommt an die Grenze“, sagt Bärtl. Die jüngere Generation habe eine andere Work-Life-Balance mit dem Wunsch Familie und Beruf gleichwertiger zu vereinbaren.
Hinzu komme die jahrzehntelange Budgetierung, die Bärtls Meinung nach zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Versorgung führt. Die Folgen: Weniger Leistungen, längere Wartezeiten und weitere Wege.
Die Versorgungslage im Landkreis Neumarkt
Versorgung: Rein statistisch gesehen ist die Versorgung mit Hautärzten im Landkreis Neumarkt überdurchschnittlich. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) liegt der Versorgungsgrad bei 148Prozent. Auf knapp 138.000 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) kommen fünf Hautarztpraxen.
Niederlassungen: In den Jahren 2022 und 2023 hat der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen laut KVB keine Niederlassungen von Hautärzten im Landkreis Neumarkt ermöglicht. Dies gelte auch für die vergangene Sitzung des Landesausschusses im Januar 2024.
Zum Vergleich: Laut der KVB liegt der Versorgungsgrad etwa im Landkreis Cham bei 86,99 Prozent. Auf knapp 130.000 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022) – vergleichbar mit Landkreis Neumarkt – kommen insgesamt drei Hautärzte.