Knapp 20 Trenckianer sind derzeit auf dem Pandurensteig auf dem Weg nach Passau

Von Petra Schoplocher · 27. Mai 2024 um 05:00

Das Abenteuer beginnt am Freitag exakt um 13.06 Uhr. Unter dem gleichen Gesang wie beim Abmarsch gen Böhmen im Festspiel machen sich am Freitag 17 Trenckianer auf, den Pandurensteig zu bezwingen. 190 Kilometer, in historischen Kostümen und durchaus gemischten Gefühlen.

Natürlich ist da die Vorfreude, vor allem bei denen, die bei der ersten Auflage 2019 schon mit von der Partie waren. Seinerzeit ging es von Passau nach Waldmünchen. Die vielen positiven Erlebnissen damals brachten die Wanderer schnell auf die Idee einer Wiederholungstat. Jetzt, zum „Fünfjährigen“, hat es sich gut angeboten, erzählt Andreas Eisenhart, einer der Mit-Organisatoren. Was sich zudem anbot: Die Richtung zu wechseln, also geht es dieses Mal von Waldmünchen nach Passau, das die Gruppe am Donnerstag erreichen will.

Noch etwas ist anders, eine Erleichterung: Bei der Premiere bildeten Alex Weingärtner und Herbert Heidinger den Tross, der für die Logistik sorgte. Das Duo hat mit Benedikt Gruber und Christof Heidinger – der 17-Jährige ist zugleich der jüngste Protagonist – gleich zwei Helfer dazugewonnen. Was bereits am ersten Abend in Cham für entspannte Gesichtszüge bei den Helfern im Hintergrund sorgte. „Die letzten Male sind wir immer gerade so fertig geworden mit dem Zeltaufbau“, erinnert sich Herbert Heidinger.

Persönliche Bewirtung

Für das Abendessen müssen sie nur drei Mal sorgen, zweimal geht´s ins Gasthaus und Pizzeria, zwei Mal wartet auf die Gruppe eine Besonderheit. Die Stadt Spiegelau lädt die Trenckianer zum Grillabend ein, in Perlesreut werden sie von Irmgard Weinrauch bekocht. „Sie versorgt uns am nächsten Morgen sogar noch mit Semmeln“, betont Benedikt Gruber. Irmgards verstorbener Mann Sam war Verein und Festspiel eng verbunden.

Wie wichtig Verpflegung ist, erfahren die Wanderer gleich am ersten Tag. Rettung kam in Person des „Urban-Papas“, der bei Zifling mit Würsten und Co. aufwartet. Zuvor schon hatte die Familie Deml am Wegesrand in Häuslarn Kaffee und Hefegebäck bereitgestellt.

Mit Essen hat auch der inoffizielle Auftakt zu tun. In der Jugendbildungsstätte verwöhnt Küchenmeister Lukas Gröbner „seine“ Freunde. Der kann dieses Mal nicht mitgehen, will aber nicht ganz außen vor sein – für Andreas Eisenhart ein weiteres schönes Zeichen des Zusammenhalts.

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Die kulinarische Unterlage war nötig, schließlich gibt 3.Bürgermeister Wolfgang Kürzinger eine Runde Trenckschnaps aus, ehe er die historisch gewandeten Panduren (lediglich Wanderstiefel sind erlaubt) mit „Trenck“ Christian Liegl offiziell auf den Weg schicke. Der Hauptdarsteller selbst schloss sich der Gruppe am Sonntag an, wie eine weitere Teilnehmerin, so dass in Passau 19 Wanderer ankommen sollten.

Werbung für Waldmünchen

„Ihr macht auf der ganzen Strecke Werbung für Waldmünchen“, ordnet Wolfgang Kürzinger die Bedeutung der Aktion ein. Ebenso wichtig seien Spaß und Freude und dass alle gesund wiederkommen.

Susi Heiner war schon vor fünf Jahren mit von der Partie. „Super schön damals“, sagt sie, und freut sich über die Begleitung ihrer Tochter Charlotte, mit 18 Jahren die jüngste Wanderin. Wie sie zugleich den hohen Frauenanteil herausstreicht.

Neben Werbung für Verein und Festspiel ist die persönliche Herausforderung, die Strecke zu schaffen, zusätzliche Motivation für viele, Stichwort eigene Grenzen erfahren. Raus aus der Komfortzone, keine „chilligen“ Übernachtungen im Hotel, eine Woche das Handy auf Minimum.

Ex-Kathi Pia Fichtinger hat die Begeisterung vor fünf Jahren vernommen. „Das hat eine ganz eigene Dynamik entwickelt“, beschreibt sie ihren Eindruck. „Ich wollte deshalb unbedingt dabei sein.“ Dafür hat sie die Stiefel aus dem Schrank geholt, die sie einst für die Wanderwoche in der Schulzeit angeschafft hatte.

In die Vorfreude mischt sich Respekt, schließlich hat es das letzte Mal auch Fitte erwischt. In ihrem Fall komme noch hinzu: „Ich kann alles radeln, aber nichts gehen“, lächelt sie. Dennoch lautet ihre Maxime: Wird schon gut gehen.

Ein wenig mulmig wird ihr dann doch, als Tobias Saffert von seinen Erfahrungen 2019, von schmerzenden Schonhaltungen und Kräfteverfall am Abend berichtet – die längste Etappe ist immerhin um die 40 Kilometer lang.

Unterstützung gibt es aus eigenen und externen Reihen. So stellt das Autohaus Schröpfer einen Transporter zur Verfügung. Und, „ganz wichtig“, lächelt der Vize-Vorsitzende: Das Care-Paket der Apotheke Deml, denn die größte Sorge aller ist die vor Blasen. Zurecht, wie sich rasch herausstellt, erst Auszeiten sind bereits am Wochenende nötig. Auch die von Tobias Saffert beschriebene Erschöpfung stellt sich ein. „Wir sind abends wirklich ganz schön fertig“, formuliert es Andreas Eisenhart am Sonntag, als er eine Wasserstandsmeldung von unterwegs durchgibt.

Die schließt trotz des ein oder anderen Wehwehchens beste Stimmung ein. Und das Wissen, (erneut) ein dickes Ausrufezeichen gesetzt zu haben. In Sachen Trenckverein, in Sachen Festspiel, in Sachen Heimatverbundenheit und in Sachen Gemeinsinn.

Auf gutes Gelingen! Wolfgang Kürzinger, amtierender Bürgermeister (rechts) verabschiedete die Gruppe am Marktplatz standesgemäß mit einem Trenck-Schnaps.
Knapp 200 Kilometer in sechs Tagen: Da ist es wichtig, das richtige Schuhwerk zu wählen.
Einmarsch in Cham: Gut sechs Stunden nach dem Start in Waldmünchen ist die erste Etappe geschafft. Ohne Zwischenfälle, auch der Aufbau klappte auf Anhieb reibungslos.
Die Pandurenflagge von Tobias Saffert bekommt noch ein Fahnenband, ehe es losgeht. 20 Frauen und Männer zwischen 18 und 62 Jahren haben die Herausforderung angenommen.