Damit sich die Hochschule für Neumarkt bezahlt macht: Stadt investiert in neue Firma

Von Wolfgang Endlein · 17. Mai 2024 um 15:00

Neumarkt hat mehr als 22 Millionen Euro in die Hochschule investiert. Aber: Was bringt das für Neumarkt? Damit die Antwort darauf nicht nur eine schön klingende Vision bleibt, investiert die Stadt erneut Geld. Diesmal in ein neues Unternehmen gemeinsam mit zwei jungen Neumarktern.

Neumarkt ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität. Möglich macht dies unter anderem das viele Geld in der Stadtkasse, die allen voran die starke Wirtschaft füllt. Es ist jedoch kein Automatismus, dass die regionalen Unternehmen auch in Zukunft ihre Stärke wahren. Es braucht unter anderem zwei Faktoren, die sich befruchten können: kompetente Mitarbeiter und Innovation.

Beides will die Stadt mit ihren Bemühungen, die sich unter dem Begriff Hochschule bündeln, anschieben. Der Hochschulkomplex soll idealerweise nicht nur ein Lernort für künftige Mitarbeiter der lokalen Firmen und Bewohner von Neumarkt sein. Hier sollen auch Ideen entwickelt werden, die die regionalen Unternehmen konkurrenzfähig halten oder gar dazu führen, dass sich neue Unternehmen gründen.

Sklenarz: Bei der Innovationskraft gibt es in Neumarkt noch Luft nach oben

„Innovationskraft darf nie still stehen“, sagte Linus Sklenarz, der als Leitender Verwaltungsdirektor auch die Wirtschaftsförderung im Rathaus verantwortet. Zudem nehme der Druck, innovativ zu sein, in einer sich immer schneller drehenden Welt stetig zu. Sklenarz sieht hierbei in Neumarkt noch Luft nach oben. Um das Innovations-Potenzial der Hochschule für die lokale Wirtschaft zugänglich zu machen, soll unter anderem eine Schnittstelle geschaffen werden, erklärte Sklenarz am Donnerstag im Stadtrat.

Dort stellte sich die neu gegründete Dream(dri)ven gGmbh vor. An ihr wird die Stadt 49 Prozent der Anteile halten. Der Rest gehört den Brüdern Manuel und Michel Kania. Die jungen Neumarkter haben in den vergangenen Jahren eigene Firmen gegründet, mit denen sie beispielsweise online Schmuck, Uhren und Kleidung verkaufen. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelten sie Dream(dri)ven, eine von der mit der Stadt gegründeten gemeinnützigen Dream(dri)ven gGmbH zu unterscheidende Firma. Die Idee hinter Letzterer: Die Kanias beraten junge Gründer und lassen sich das mit Anteilen am jeweiligen Start-up bezahlen.

Gründer-WG soll in der Kaminfegergasse entstehen

Das wird bei der gGmbH laut Manuel Kania anders sein. Deren breiter aufgestellter Ansatz: Die Studenten sollen ein Umfeld vorfinden, das sie motiviert und unterstützt, digitale Ideen zu entwickeln und praktisch umzusetzen. Ein weiterer Part ist es, sie in Kontakt mit den regionalen Unternehmen zu bringen.

Praktisch soll all das in diversen Formaten umgesetzt werden. Es wird in den neuen Häusern in der Kaminfegergasse einen Co-Working-Raum geben, in dem unterschiedliche Menschen Platz zum entwickeln ihrer Ideen finden und sich dabei im besten Fall auch austauschen können. Gedacht ist außerdem an einen sogenannten „Co-Living Campus“. In dieser Gründer-WG sollen fünf junge Menschen für drei Monate wohnen und in dieser Zeit intensiv an Projekten arbeiten, bei denen sie von Dream(dri)ven begleitet werden.

Die dafür nötigen Wohnräume stellt die Stadt in den neuen Studentenwohnungen in der Kaminfegergasse bereit. Zudem gibt sie einen Zuschuss von jährlich 40000 Euro für den Betrieb des Co-Working, das Dream(dri)ven betreut. So entstehen laut Linus Sklenarz neben der einmaligen Beteiligung in Höhe von rund 12250 Euro an der neu gegründeten gGmbH rund 70000 Euro an jährlichen Kosten für die Stadtkasse.

Zu diesem von Kania als Neumarkter Start-up/Technologie-Hotspot bezeichneten Projekt gehören auch diverse Veranstaltungsformen und Workshops. Dabei geht es nicht zuletzt darum, junge Menschen mit Ideen und Unternehmen zusammenzubringen. Letztere sollen im neuen Start-up/Technologie-Hotspot auch eigene Innovationsprojekte entwickeln können, unterstützt von Dream(dri)ven.

Neumarkt will noch mehr Studiengänge der TH Nürnberg und der OTH

Das Projekt wird drei Jahre lang erprobt. Zunächst gilt es laut Kania die vorhandenen Strukturen miteinander zu vernetzen. „Wir sind dabei, ein neues Innovations-Ökosystem in Neumarkt aufzubauen“, sagte Kania. Neben den Gründern und den Unternehmen zählt er auch die in Neumarkt engagierten Hochschulen aus Nürnberg und Amberg-Weiden dazu. Ab 2026 sollen dann Visionen Realität werden.

Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn lobte das Projekt und formulierte das Ziel, den der Hochschulstandort Neumarkt weiter zu puschen. Bislang gibt es einen Studiengang der Technischen Hochschule Nürnberg. „Das Ziel ist es, weitere Studiengänge nach Neumarkt zu holen und den Hochschulstandort zu entwickeln“, sagte OB Ochsenkühn. Neben der TH Nürnberg sei die Stadt dabei „in sehr guten Gesprächen mit der OTH Amberg-Weiden“.

Start-up-Berater: Manuel Kania und Fabian Heinke stellten das Projekt Dream(dri)ven im Neumarkter Stadtrat vor.