E-Scooter bleiben Schwandorf erhalten – Doch über ein Jahr nach dem Start gibt es weiter Kritik

Es war vor mehr als einem Jahr, als die E-Scooter der Firma Zeus in Schwandorf an den Start gingen. Seitdem sind die Flitzer unterwegs – auch nach dem Ende der sechsmonatigen Testphase. Und daran wird sich erst einmal nichts ändern.
Das Angebot ist am 24. März 2023 vorgestellt worden. Dabei waren die ersten sechs Monate als Testphase gedacht. Man wolle eine „Mobilitätsalternative“ schaffen, so hatte der damalige Geschäftsführer von Zeus Deutschland das Angebot begründet. Um für geregelte Verhältnisse zu sorgen, hatten die Stadt und das Unternehmen aber bereits zuvor Parkzonen für die Innenstadt festgelegt. Nur in diesen Bereichen sollen die Gefährte abgestellt werden können. Außerhalb der Innenstadt gab es hingegen keine Einschränkungen – vorausgesetzt, auf den Gehwegen blieb genug Platz und es wurde nichts blockiert.
Und doch dauerte es nicht lange, bis die Parksituation für Ärger sorgte. Der Grund: Immer wieder sind die Flitzer an Orten abgestellt worden, an denen es eigentlich nicht erlaubt ist. Vor allem in den sozialen Medien machten schnell kuriose Bilder die Runde – so etwa von einem E-Scooter, der auf einem Hydranten platziert wurde. Es dauerte daher nicht lange, bis mancher Stadtrat infrage stellte, ob die Gefährte nach den sechs Monaten eine Zukunft haben sollen.
Die Flotte in Schwandorf wird nicht erweitert
Doch als die Testphase im Herbst endete, erkannte die Stadt eine „positive Entwicklung“. Das Ordnungsamt sei regelmäßig in Kontakt mit der Firma Zeus gestanden und habe Beschwerden weitergegeben – auch mit der Bitte, die Nutzer bei schweren Verstößen zu sperren. Seit Juli habe es daher keine Beschwerden mehr gegeben, wie die Stadt im Oktober mitteilte. Auch Zeus hatte damals betont, dass sie Maßnahmen ergriffen und aktiv mit der Stadt zusammengearbeitet hätten – mit dem Ziel, die Park-Problematik in Schwandorf zu verbessern.
Nur wie es nach dem Ende der Testphase weitergeht, das blieb im Herbst offen. Die Geräte waren zwar weiterhin in der Stadt zu sehen. Aber auf Anfrage der Mittelbayerischen blieb das Unternehmen damals vage. Man sei in Gesprächen mit Verantwortlichen der Stadt, „um die Zukunft unseres E-Scooter-Services zu erörtern“, teilte ein Sprecher des Unternehmens im Oktober mit. Und weiter: „Wir sind optimistisch, dass wir eine positive Entscheidung treffen können, die den Bedürfnissen der Gemeinschaft gerecht wird.“
Tatsächlich war das Unternehmen bereits im Oktober 2023 für ein Gespräch bei der Stadt. Dabei habe sich Zeus mit der Auslastung der E-Scooter „in den ersten sechs Monaten sehr zufrieden“ gezeigt, wie Stadt-Sprecherin Maria Schuierer mitteilt. Mehr noch, es wurde klar, dass Zeus sein Angebot in der Stadt weiter anbieten möchte.
Auch das Unternehmen betont auf Anfrage , dass die Flitzer in der Stadt bleiben sollen. Insgesamt seien 90 Scooter unterwegs, die im Schnitt einmal am Tag bewegt werden. „Natürlich schwankend, je nach Wetter“, wie ein Sprecher von Zeus erklärt. Mit dieser Flottengröße ist die Firma laut eigenen Angaben zufrieden. Es gebe derzeit keine Pläne, mehr E-Scooter anzubieten.
Für die Stadt sei aber wichtig, dass durch die E-Scooter keine Verkehrsbehinderung entstehe, so Pressesprecherin Maria Schuierer. Falls es zu Problemen komme, „können sich die Bürger gerne an das Ordnungsamt der Stadt Schwandorf wenden“. Zeus selbst betont, dass man die Nutzer regelmäßig auf das „korrekte Parken“ hinweise und die Fotos kontrolliere, die gemacht werden müssen, wenn die Fahrt beendet wird. Eine Änderung bei den Parkzonen für die E-Scooter ist nach Angaben des Rathauses derzeit aber nicht geplant.
Auch bei den Stadträten gibt es durchaus geteilte Meinungen. Für die CSU macht deren Fraktionssprecher Andreas Wopperer keinen Hehl daraus, dass er kein Fan der E-Scooter ist. „Ich persönlich brauche den Krampf nicht“, sagt Wopperer. Auch wenn das Thema nicht mehr der tägliche Top-Aufreger sei, so gibt es nach seiner Beobachtung doch immer wieder negative Kommentare und Meinungen. Letztlich dürfe ein gewerblicher Anbieter dieses Angebot feilbieten, sagt Wopperer zur Rechtslage. Als interessant bezeichnet der CSU-Fraktionschef aber den Weg, den die Stadt Nürnberg zuletzt gegangen ist. Seit 1. Mai können E-Scooter dort nur noch auf sogenannten Sammelparkplätzen ausgeliehen und zurückgegeben werden. Andernfalls läuft die Uhr für die Nutzer so lange weiter, bis die E-Roller in einer zulässigen Parkzone abgestellt werden – was hohe Kosten bedeuten kann. Zunächst gilt diese Regel nur in der Altstadt, später soll die Vorgabe ausgeweitet werden.
SPD rät zur Gelassenheit
Von „Chaos“ spricht Kurt Mieschala, Fraktionschef der Unabhängigen Wähler. Er kritisiert, dass das Einsammeln der Geräte offenbar nicht funktioniere. Denn immer wieder, so Mieschala, würde man im Stadtgebiet E-Roller sehen, die über mehrere Tage und teils über eine Woche abgestellt seien. Der Stadtrat fordert daher bessere Regeln, dass die Gefährte nicht „irgendwo rumstehen“ dürfen. Zum Beispiel könnte sich der UW-Fraktionschef eine Lösung vorstellen, bei der die E-Roller nur zwei Tage stehen dürfen. Und als Ultima Ratio, wenn alles andere keine Abhilfe schafft, will der Stadtrat auch ein generelles Verbot nicht ausschließen.
„Uns passt das so, dass es dieses Angebot gibt“, sagt hingegen SPD-Fraktionschef Franz Schindler. Auch er weiß um die Beschwerden rund um die Parksituation. Diese seien „oft auch berechtigt“, würden sich aber meist wieder lösen. Das Problem sieht er in der „Unvernunft der Menschen“, die die Scooter einfach irgendwo abstellen.
Es handle sich letztlich um ein „ordnungsrechtliches Problem, das man aber hinnehmen muss, wenn man die Annehmlichkeiten dieser neuen Mobilität für die Schwandorfer nutzen will“. Die Alternative wäre, die Nutzung generell zu verbieten. „Aber da regen sich dann doch genauso viele auf“, sagt Schindler. Er rät zur Gelassenheit. „Das sollte man mit aller Geduld ertragen. So groß ist das Problem nicht.“

