Nach Einigung bei Schabmüller in Berching: Das sieht der Tarifvertrag vor

IG Metall und die Geschäftsführung der Firma Schabmüller haben sich im Tarifstreit auf ein Verhandlungsergebnis geeinigt. Was der Vertrag im Detail für die Beschäftigten bedeutet und wie es bei dem Elektromotorenhersteller in Berching weitergeht, erklärt die Gewerkschaft.
Gehalt: Der neue Tarifvertrag legt nach Angaben der IG Metall fest, dass die Löhne und Gehälter der Beschäftigten bis zum 1. Januar 2030 in sechs Schritten auf das Niveau derer in der Metall- und Elektroindustrie angehoben werden. Zum 1. Januar 2025 wird demnach die Differenz zunächst um 15 Prozent reduziert, ebenso in den Folgejahren bis 2029. Die verbleibenden 25 Prozent der Differenz werden zum 1. Januar 2030 beseitigt.
Sonderzahlungen: Ebenfalls auf das Niveau des Flächentarifvertrags angehoben werden laut Gewerkschaft in vier Schritten die beiden jährlichen Sonderzahlungen tarifliches Zusatzgeld und Transformationsgeld. Vom 1. Januar 2027 bis 1. Januar 2030 wird die Differenz zum Flächentarif jährlich um 25 Prozent reduziert.
Arbeitszeit: Die Wochenarbeitszeit sinkt von 40 Stunden in vier Schritten bis zum 1. Juli 2029 auf 37,5 Stunden: zum 1. Juli 2025 zunächst auf 39 Stunden, zum 1. Juli 2026 auf 38,5 Stunden, zum 1. Juli 2027 auf 38 Stunden. Ursprünglich hatten Beschäftigte gefordert, auf 35 Stunden herunterzugehen.
Inflationsausgleich: Ab Mai 2024 werden alle prozentualen Tariferhöhungen im Flächentarifvertrag für Schabmüller übernommen. Zudem erhalten die Beschäftigten im Juni 2024 eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 600 Euro, teilt die IG Metall mit.
Reaktionen: „Das ist ein toller Erfolg für die Beschäftigten bei Schabmüller. Sie haben gezeigt, was man erreichen kann, wenn man sich organisiert und zusammensteht“, gratuliert Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott. Auch Rico Irmischer, Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, ist glücklich: „Der Zusammenhalt und die Entschlossenheit der Belegschaft sind phänomenal.“ Olga Redda von der IG Metall war Teil des sechsköpfigen Verhandlungsteams. Sie sagt: „Der Arbeitgeber hat am Ende Vernunft gezeigt und lösungsorientierte Verhandlungen mit uns geführt.“
Stimmung: Wie zufrieden sind die Beschäftigten mit dem Verhandlungsergebnis? Dazu äußert sich Betriebsratsvorsitzende Christine Billmann. „Die Stimmung in der Belegschaft ist gut.“ Die Mitglieder wurden am Mittwochnachmittag bei einer Betriebsversammlung informiert. „Ich gehe fest davon aus, dass wir die nötigen 25 Prozent in der Urabstimmung erreichen“, sagt Billmann vor der Mitgliederversammlung. Wie die Urabstimmung läuft und warum Billmann von 25 Prozent spricht, lesen Sie im übernächsten Punkt unter „Abstimmung“.
Arbeit: Der Streik ist seit Mittwochmorgen um 5 Uhr unterbrochen. Zu dieser Uhrzeit hat die Frühschicht als erstes wieder ihre Arbeit aufgenommen. Der Lkw-Verkehr bei Schabmüller rollt seit Mittwoch wieder. Das Streikzelt ist von der Straße auf den Parkplatz gewandert. Dort bleibt es vorerst stehen, ebenso erhält die IG Metall die Infrastruktur vor Ort vorerst aufrecht – bis die Urabstimmung durch ist.
Abstimmung: Die IG Metall-Tarifkommission bei Schabmüller hat dem Verhandlungsergebnis bereits zugestimmt. In einer Urabstimmung bis Montag um 14 Uhr entscheiden die IG Metall-Mitglieder bei Schabmüller nun darüber, ob sie das Verhandlungsergebnis annehmen und den Streik dauerhaft beenden. Am Freitag und am Montag können IG Metall-Mitglieder von Schabmüller im Gemeinschaftshaus Sollngriesbach votieren.
Stimmen mindestens 25 Prozent dafür, wird der Tarifvertrag unterschrieben. Bisher sei nur das Verhandlungsergebnis unterschrieben, sagt Irmischer. Er betont, dass der Arbeitgeber davon nicht mehr zurücktreten könne. Die Arbeitnehmer dagegen schon: „Wenn weniger als 25 Prozent bei der Abstimmung gegen das verhandelte Ergebnis sind, dann streiken wir weiter“, sagt Irmischer.
Ob das tatsächlich passiert, soll am späten Montagnachmittag feststehen.