Nach acht Stunden Verhandlung bei Schabmüller: IG Metall vermeldet Ergebnis im Tarifstreit

Von Bernhard Neumayer · 7. Mai 2024 um 21:07

Am 15. Tag des Erzwingungsstreiks in Sollngriesbach (Berching) startet die deutsch-italienische Geschäftsführung von Schabmüller am Dienstag um 9 Uhr die Tarifverhandlungen. Und nach einem langen Verhandlungstag steht ein Ergebnis. Was das für die Beschäftigten bedeutet, erklärt ein Gewerkschafter.

Dienstag, kurz nach 9 Uhr: Ein Hauch von Rocky Balboa weht durch Sollngriesbach. Untermalt von dem Lied „Eye of the tiger“ und angefeuert von Hunderten Mitarbeitern schreitet das sechsköpfige IG Metall-Verhandlungsteam zu den Verhandlungsgesprächen. Es wirkt fast so, als würden Betriebsratsvorsitzende Christine Billmann & Co. wie einst Rocky Balboa in den Kampf ziehen.

Schabmüller beschäftigt rund 500 Mitarbeiter in Berching

Faustschläge wie Schauspieler Sylvester Stallone brauchten die Gewerkschafter in den Gesprächen nicht. Einen Erfolg aus ihrer Sicht kann die IG Metall am späten Dienstagabend aber dennoch verzeichnen. „Nach achtstündiger Verhandlung können wir einen Erfolg auf ganzer Linie vermelden“, sagte Rico Irmischer, Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg (IGM).

„Wir haben ein Ergebnis, mit dem wir sehr zufrieden sind“, teilte Irmischer unserer Zeitung gegen 20 Uhr mit. Unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Mitglieder habe die IG Metall bei den drei zentralen Elementen im Vertrag – Arbeitszeit, Entgelt und Sonderzahlungen – ein Verhandlungsergebnis erzielt. Sprich: Mit dem Arbeitgeber sei ein Tarifvertrag abgeschlossen worden, der diese drei Kernelemente beinhalte.

IG Metall-Mitglieder werden am Mittwoch informiert

Was konkret vereinbart worden sei, könne Irmischer noch nicht sagen. Zuerst wolle man die Beschäftigten im Rahmen einer Mitgliederversammlung (Mittwoch, 15 Uhr) informieren. Irmischer teilte mit, dass die Arbeitszeit zwar nicht auf einen Schlag von 40 auf 35 Wochenstunden reduziert werde. Aber sie werde stufenweise abgesenkt. Wie die Reduzierung im Detail aussieht, erfahren Mitarbeiter am Mittwochnachmittag.

Beim Gehalt gebe es ebenso einen Stufenplan, der die Beschäftigten schrittweise an das Niveau des Flächentarifvertrags heranführe, damit die 22-prozentige Lücke der vergangenen gut 20 Jahre stufenweise geschlossen werde. Bei den Sonderzahlungen wie dem tariflichen Zusatzgeld und dem tariflichen Zusatzbeitrag gelte das gleiche, sagte Irmischer, der die Verhandlungen als konstruktiv und lösungsorientiert, aber auch hart in der Sache betitelte. Er selbst saß bei dem Gespräch nicht am Tisch.

Das Wort in den Verhandlungen mit der deutsch-italienischen Schabmüller-Geschäftsführung führte für die Gewerkschaft Ralf Dirschl. Dieser hatte kurz vor den Verhandlungen am Dienstag ab 9 Uhr zu den Beschäftigten gesagt, dass „ihr euch euren Tarifvertrag“ holt.

Schabmüller: Frühschicht arbeitet am Mittwoch wieder

Zuvor hatten ihn und die fünf weiteren Personen des IGM-Verhandlungsteams Hunderte Beschäftigte in einem Spalier motiviert, das Beste herauszuholen – laut Rico Irmischer mit Erfolg.

Nach der Mitgliederversammlung stimmen die IG Metall-Mitglieder von Schabmüller am Mittwoch und Freitag über das Verhandlungsergebnis ab. „25 Prozent müssen dafür sein“, erklärte Irmischer.

Schon am Mittwoch um 5 Uhr soll die Frühschicht nach 15 Tagen im Erzwingungsstreik wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Der Tarifstreit bei der Firma Schabmüller:

Hintergrund: Schabmüller ist vor circa 20 Jahren aus dem Arbeitgeberverband und aus dem Flächentarifvertrag ausgetreten.

Gehalt: Seitdem erhalten die Beschäftigten im Vergleich weniger Entgelt und müssen länger arbeiten. Der Entgeltabstand zum Flächentarifvertrag beträgt laut IG Metall bis zu 20 Prozent.

Rico Irmischer, Bevollmächtigter der IG Metall: „Die Solidarität ist atemberaubend.“ Foto: Neumayer
Ralf Dirschl, Bezirksleitung Bayern der IG Metall: „Ihr holt euch euren Tarifvertrag.“ Foto: Neumayer
Karola Frank, Vorstandsmitglied der IG Metall: „Die Bezahlung war eine Sauerei.“ Foto: Neumayer