„Wir werden durchhalten“: 450 Schabmüller-Mitarbeiter legen den Betrieb lahm

Beschäftigte der Firma Schabmüller starteten am Dienstag um 5 Uhr den unbefristeten Streik. Seitdem steht die Produktion still. Wie lange die Mitarbeiter streiken, hängt von dem Arbeitgeber ab. Dieser soll nun laut Betriebsrat zwei mögliche Verhandlungstermine vorgeschlagen haben.
Bis kurz vor 14 Uhr könnte man meinen, die Beschäftigten bei Schabmüller feiern ein Betriebsfest. Rund 450 Mitarbeiter haben sich versammelt. Es gibt Kaffee und Kuchen sowie Bier und Bratwurstsemmeln. Die Mitarbeiter ratschen am Stehtisch und im Zelt oder wärmen sich um Feuertonnen herum auf. Doch dann, um Punkt 14 Uhr, werden die Mitarbeiter laut.
450 Mitarbeiter legen Firma Schabmüller still
Erst winken rund 450 Beschäftigte in Richtung Büro des Geschäftsführers, dann pusten viele so stark sie können in ihre Trillerpfeifen. „Die Stimmung ist gut“, sagte ein Mitarbeiter am ersten Tag des Erzwingungsstreiks bei dem Elektromotorenhersteller in Sollngriesbach.
Nachdem über 97 Prozent der IG Metall-Mitglieder des Betriebs bei der Urabstimmung für einen unbefristeten Streik gestimmt hatten (wir berichteten), startete am Dienstag um 5 Uhr der Erzwingungsstreik. Wie lange er dauert, ist unklar. Das hängt vor allem davon ab, ob die Geschäftsführer auf die Forderungen der Gewerkschafter und Beschäftigten eingehen.
„Wir sind alle gespannt, wie es weitergeht und wann die Geschäftsleitung auf unsere Streiks reagiert“, sagte ein Mitarbeiter. Bedenken, dass die Belegschaft irgendwann einknicke und nicht mehr streike, habe er nicht. „Wir bleiben so lange draußen, bis wir ein zufriedenstellendes Ergebnis haben.“
Bezirksleiter IG Metall Bayern: „Das ist beschämend“
Am Dienstag um 14 Uhr versammelte sich ein Großteil der Beschäftigten vor dem Betrieb, um bei einer Kundgebung Lärm zu machen. Auch der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Horst Ott, sprach dabei zu den Streikenden. „Ihr erarbeitet das Geld. Ihr habt die Firma zu dem gemacht, was sie jetzt ist“, sagte Ott. Dass das Unternehmen diese Leistung nicht mit angemessener Bezahlung würdige, sei beschämend. Ott hoffe, dass sich die Geschäftsleitung auf Verhandlungen einlasse. „Denn wir wollen nicht streiken“, sagte der IG Metall Bayern-Bezirksleiter. „Aber wir haben auch keine Lust zu betteln.“ Der Arbeitgeber habe die x-te Verhandlungsrunde verstreichen lassen.
Diesen Aussagen schloss sich Rico Irmischer, erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, an. Die Geschäftsführung bleibe bei ihrer Hinhalte-Taktik. Das könne man nicht hinnehmen. Deshalb „habt Ihr Euch entschieden, diesem Elend ein Ende zu setzen“, sagte Irmischer zu den Beschäftigten. „Ihr zeigt der Geschäftsführung, wo der Hammer hängt.“
Der Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg gestand aber auch ein, dass die nächsten Wochen „sau anstrengend“ werden. Denn Streik sei kein Zuckerschlecken. Streik bedeute, 24 Stunden, sieben Tage die Woche, alle Eingänge zu bewachen.
Schabmüller in Berching: Streiken bis zum Tarifvertrag
Streik bedeute auch Konflikt, Blockade, Stress – und finanzielle Einbußen. Streik sei aber vor allem auch für das Unternehmen kein Zuckerschlecken. „Aus diesem Erzwingungsstreik kommt der Arbeitgeber erst wieder raus, wenn er mit uns einen Tarifvertrag abschließt, der den Namen verdient“, sagte Irmischer. „Bleibt stabil, bleibt kämpferisch, bleibt entschlossen“, rief er den Mitarbeitern zu.
Betriebsratsvorsitzende Christine Billmann kündigte an, „dass wir durchhalten werden und uns nicht einschüchtern lassen“. Billmann teilte in ihrer Rede mit, dass der Arbeitgeber mittlerweile zwei Verhandlungstermine genannt habe – den 7. und 8. Mai. „Doch das ist erst in zwei Wochen. Das ist viel zu spät“, sagte Billmann.
Ob an diesen Tagen tatsächlich verhandelt wird, steht noch in den Sternen. Der Geschäftsführer in Sollngriesbach äußert sich nach wie vor öffentlich nicht zu den Tarifverhandlungen.
Tarifverhandlungen bei der Firma Schabmüller
Hintergrund: Schabmüller ist vor circa 20Jahren aus dem Arbeitgeberverband und damit aus dem Flächentarifvertrag ausgetreten. Seitdem erhalten die Beschäftigten laut IG Metall im Vergleich weniger Entgelt und müssen länger arbeiten. Der Entgeltabstand zum Flächentarifvertrag betrage bis zu 20 Prozent.
Warnstreiks: Die IG Metall fordert für die Gewerkschafts-Mitglieder bei der Firma Schabmüller einen Tarifvertrag analog des Flächentarifvertrags der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Weil die Verhandlungen stocken, streikte ein Großteil des Betriebs – zunächst auf drei bzw. 24 Stunden begrenzt, jetzt auf unbestimmte Zeit.
