Nach der Urabstimmung bei Schabmüller: Am Dienstag startet der Erzwingungsstreik

Über 97 Prozent der IG Metall-Mitglieder bei der Firma Schabmüller haben bei der Urabstimmung für einen unbefristeten Streik gestimmt. Wie geht es nun weiter? Die IG Metall Regensburg erklärt die nächsten Schritte im Kampf um einen Tarifvertrag bei dem Elektromotorenhersteller in Sollngriesbach.
• Ablauf: Am Dienstagvormittag um 5 Uhr startet der erzwungene Streik bei Schabmüller. Normalerweise fängt die Frühschicht zu dieser Uhrzeit zu arbeiten an. „Am Dienstag sind die Mitarbeiter aufgerufen, nicht in den Betrieb zu gehen“, sagt Rico Irmischer, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg. Ob sich alle Mitarbeiter solidarisch zeigen und streiken, werde sich an den Eingängen entscheiden. Um dies zu überwachen, halten Gewerkschafter und Mitarbeiter die ganze Zeit über Wache – 24/7. Alle Mitarbeiter sind aufgerufen, am Dienstag an der großen Kundgebung um 14 Uhr teilzunehmen, bei der unter anderem IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott spricht.
• Bezahlung: IG Metall-Mitglieder, die streiken, erhalten von der Gewerkschaft Streikgeld – sofern sie sich jeden Tag vor dem Betrieb eine Streikkarte abholen. Diese bekommen sie, wenn sie sich vor Ort registrieren und ihren Streikdienst ableisten. Mit dem Code auf der Streikkarte kann man die Lohnfortzahlung während des Streiks online bei der IG Metall beantragen. Wie viel Geld die Mitarbeiter von der Gewerkschaft bekommen, hänge unter anderem von der Dauer der IG Metall-Mitgliedschaft und dem eingezahlten Beitrag ab. „Je nach Mitglied sind es circa 70 Prozent des Nettogehalts, die man netto von uns bekommt“, sagt Irmischer. Wer sich nicht jeden Tag eine Streikkarte vor den Toren des Betriebs abholt und wer kein IG Metall-Mitglied ist, bekommt für den Streik kein Geld.
• Dauer: Wie lange der Erzwingungsstreik geht, ist nicht abzusehen. Das hängt auch davon ab, ob sich der Arbeitgeber auf die Forderungen der IG Metall einlässt. Die Gewerkschaft fordert für die Schabmüller-Beschäftigten nach wie vor einen Tarifvertrag analog des Flächentarifvertrags der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. „Wir hoffen weiter auf Verhandlungen“, sagt Irmischer. Bis jetzt habe sich der Arbeitgeber aber noch nicht so bewegt, wie es sich die Gewerkschaft vorstellt. „Wir streiken so lange es nötig ist“, sagt Irmischer. Eine Frist gebe es nicht. Und die Streikkasse sei sehr voll. „Wir können also wochenlang durchhalten.“
• Organisation: Die Verantwortlichen bei der IG Metall und die Vertreter der Schabmüller-Beschäftigten sind im Ausnahmezustand, sagt Irmischer. Denn vor einem unbefristeten Streik gebe es viel zu organisieren: Straßensperrung, Toilettenwagen, Müllentsorgung, Abwasser, Stromversorgung, Getränkeanhänger, Essensverpflegung.
• Hintergrund: Vor rund 20 Jahren ist Schabmüller aus dem Arbeitgeberverband und damit aus dem Flächentarifvertrag ausgetreten. Seitdem erhalten die Beschäftigten laut IG Metall im Vergleich weniger Entgelt und müssen länger arbeiten. Der Entgeltabstand zum Flächentarifvertrag betrage bis zu 20 Prozent.
• Unternehmen: In Sollngriesbach arbeiten bei Schabmüller rund 500 Beschäftigte und produzieren elektrische Antriebslösungen für Elektromotoren und Generatoren. Die Firma gehört zur italienischen Zapi-Group mit Sitz in der Nähe von Bologna.