Harald Bemmerl ist seit zehn Jahren Steinbergs Bürgermeister – 2026 wird wohl Schluss sein

Als die Rathausmitarbeiter ihn gerade mit einer Erdbeertorte überraschen wollten, war Steinbergs Bürgermeister Harald Bemmerl (SPD) eigentlich dabei, das Gebäude zu verlassen. Denn am Donnerstag hatte er sich Handwerker nach Hause bestellt. „Dann habe ich den Termin aber natürlich nach hinten verschoben“, sagt er und grinst. Der Grund für die Aktion seiner Kollegen: der Rathauschef ist nun seit zehn Jahren im Amt.
Dazu gratulierte ihm auch Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter (CSU), der mit dem Jubilar seit Jahren innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Wackersdorf/Steinberg am See eng zusammenarbeitet. Falter hatte seinem Amtskollegen am Vormittag als Vorwand einen Termin eingestellt. „Personalangelegenheiten“ stand im Betreff. „Ich habe ihn dann noch gefragt, ob wir den Termin nicht verlegen könnten“, sagt Bemmerl.
Ein kommunalpolitischer Exot
Die Überraschung sei dann umso größer gewesen. „Ich habe mich sehr darüber gefreut. Nicht mal ich selbst hatte auf dem Schirm, dass ich seit zehn Jahren im Amt bin.“ Doch tatsächlich leitet Harald Bemmerl seit 1. Mai 2014 die Geschicke von Steinberg am See.
Kommunalpolitisch ist der gebürtige Zielheimer, der 1972 in die Gemeinde zog, schon lange aktiv. Seit vielen Jahren sitzt er für die SPD im Steinberger Gemeinderat, war langjähriger Fraktionssprecher der Genossen und ist nach wie vor Vorstandsmitglied des SPD-Ortsvereins. Sein Vater, einst selbst Gemeinderat in Klardorf, habe ihm die Leidenschaft für Politik in die Wiege gelegt, die letztendlich in einer Bürgermeisterkandidatur enden sollte.
Bei seiner ersten Wahl setzte sich Bemmerl mit 44,6 Prozent gegen Bernd Hasselfeldt (CSU, 43,2 Prozent) und Daniel Frank (FW, 11,7 Prozent) durch. Sechs Jahre später wurde der SPD-Mann mit 65,81Prozent erneut ins Amt gewählt. Mitbewerber Christian Messmann (CSU) kam dagegen auf lediglich 34,19 Prozent der Wählerstimmen.
Über die Jahre ist Harald Bemmerl zu einem kommunalpolitischen Exoten geworden – zumindest im Landkreis Schwandorf. Der 70-Jährige hält mittlerweile als einziger amtierender Bürgermeister die Fahne der SPD hoch. Für ihn sei das aber nur eine Randnotiz, wie er selbst sagt. Schließlich müsste man innerhalb der Kommune ohnehin über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten, um die bestmöglichen Entscheidungen für die Bürger vor Ort zu fällen. Und das klappe in Steinberg am See unterm Strich sehr gut.
Von Kita-Erweiterung bis Glasfaserausbau
Während seiner Zeit als Bürgermeister habe sich in der Gemeinde viel getan. Die Ortschaft Oder wurde beispielsweise an die Kanalisation und die Wasserversorgung angeschlossen. Damit sei auch der Weg bereitet worden für die Ansiedlung der Erlebnisholzkugel samt Chalet-Ressort, die zusammen jährlich zahlreiche Touristen aus Nah und Fern anlocken. Aber auch im Bereich der Kinderbetreuung habe er zusammen mit den Gemeinderäten die Kommune fit für die Zukunft gemacht.
Der Katholische Kindergarten St. Martin wurde neu gebaut, erweitert und dort erstmals auch eine Kinderkrippe ins Leben gerufen. Im September 2023 nahm der Waldkindergarten Mooswichtel seinen Betrieb auf. Mittlerweile gibt es in Steinberg am See insgesamt 99 Betreuungsplätze für die Kleinen. Und auch in Sachen Grundschule sollte sich etwas tun.
2016 habe es laut Bemmerl noch so ausgesehen, als gäbe es zu wenig Schüler, um die Einrichtung weiter bestehen lassen zu können. Doch dann wurden neue Baugebiete erschlossen, wie beispielsweise Hirmerleithen III mit 53 Parzellen. „Binnen zwei Jahren waren 85 Prozent davon bebaut“, erinnert sich der Rathauschef. Viele junge Paare ließen sich nieder, die Zahl der Kinder stieg. „Ab nächstem oder spätestens im darauffolgenden Schuljahr werden wir wohl wieder vier Schulklassen haben“, prognostiziert Bemmerl.
Daneben gebe es noch eine Reihe weiterer Dinge, die während seiner bisherigen Amtszeit in Angriff genommen wurden. Straßen wurden saniert, die Wasser- und Abwasserversorgung moderner aufgestellt, weitere Baugebiete wie beispielsweise am „Retzer Schübl“ realisiert, die Ortsmitte neugestaltet, die Verkehrsführung rund um den Steinberger See neu konzipiert und umgesetzt oder auch der Glasfaserausbau vorangetrieben. „Wenn wir jetzt noch den Mobilfunkmasten vom Rathausdach runterbekommen, bin ich zufrieden“, sagt Bemmerl und lacht.
Bemmerls Plan für die Zukunft: Den Ruhestand genießen
Daneben hätte er mit dem Campingplatz am Steinberger See noch ein weiteres Projekt auf der Agenda. „Das wäre schon schön, wenn ich dafür noch den Startschuss geben könnte“, sagt Bemmerl. Noch sei das Vorhaben in der Schwebe. „Ich werde mich aber sehr darum bemühen, alle Voraussetzungen zu schaffen, damit dieses Projekt noch realisiert werden kann.“
Knapp zwei Jahre hat der Rathauschef dafür noch Zeit, ehe im Frühjahr 2026 wieder die Kommunalwahlen in Bayern stattfinden. Für eine erneute Amtsperiode wird der 70-Jährige aber wohl nicht mehr zur Verfügung stehen. „Wenn die nächsten Wahlen sind, bin ich 72. Da sollte man nicht mehr für das Bürgermeisteramt kandidieren.“ Natürlich gebe es auch noch Politiker, die noch älter als er seien und noch wichtigere Ämter bekleiden, sagt Bemmerl mit Blick auf Joe Biden (81), den Präsidenten der Vereinigten Staaten. „Auch ihm sieht man das Alter aber mittlerweile an.“
Nach seiner Bürgermeisterzeit möchte er vor allem seinen Ruhestand auskosten, der sich durch seine zwei Amtsperioden nun doch ordentlich verzögert habe. Eigentlich sei er schon seit mehr als sechs Jahren Rentner, doch das Bürgermeisteramt sei auch in einer eher kleinen Gemeinde wie Steinberg am See durchaus anspruchsvoll und zeitintensiv. „Zwölf bis 13Stunden Dienst sind keine Seltenheit“, sagt Bemmerl.
Doch die Zeit habe er bisher immer gerne investiert – und das stets ehrenamtlich. „Mir ist es einfach wichtig, dass die Leute zufrieden sind und hier gerne wohnen. Das wünsche ich mir auch für die Zukunft.“

