Nur leichter Anstieg: Neunburger Polizei registrierte im Vorjahr 420 Straftaten

Die Beamten der Polizei in Neunburg (Landkreis Schwandorf) beschäftigen vor allem Delikte wie Laden- oder Fahrraddiebstähle, Verstöße mit Betäubungsmitteln oder Körperverletzungen. Hin und wieder haben sie aber mit außergewöhnlichen Fällen zu tun – so auch 2023.
Im Vorjahr wurde beispielsweise ein Pärchen (28 und 23 Jahre) dingfest gemacht, das in mehr als 80 Fällen Betrügereien auf Onlineplattformen begangen hatte. Von ihnen wurden hauptsächlich Airpods angeboten, der Kaufpreis kassiert, die Ware aber nicht geliefert.
„Da der Mann bei seinen Vernehmungen wenig Unrechtsbewusstsein zeigte, dürften die strafrechtlichen Konsequenzen entsprechend gravierend sein“, zeigte sich Markus Schmitt, Leiter der Neunburger Polizei, bei der Präsentation des Sicherheitsberichtes für 2023 überzeugt.
Einbruch wurde aufgeklärt
Sicher nicht alltäglich war der Einbruch in eine Entsorgungsfirma im Juni 2023. Dabei wurden 20 Büroräume aufgebrochen und ein Tresor geöffnet. Gegenstände im Wert von 5000Euro wurden entwendet und ein Sachschaden von 30.000 Euro angerichtet. Im Bereich Bayreuth konnte letztendlich eine Tätergruppe, die sich aus bis zu zehn Tätern zusammensetzte, festgenommen werden. Auch der Einbruch in Neunburg konnte der Gruppierung zugeordnet werden. Die Einbrecher sind für 51Taten in Bayern, Hessen und Thüringen verantwortlich.
Trotz diesen beiden außergewöhnlichen Fälle leben die Neunburger in einer „sicheren Region“, wie Schmitt betonte. Im gesamten Dienstbereich der PI Neunburg, zu der nicht nur die Stadt Neunburg, sondern auch die Gemeinden Bodenwöhr, Dieterskirchen, Neukirchen-Balbini, Schwarzhofen und Thanstein gehören, gab es im Vorjahr 402 Straftaten. Das sind knapp vier Prozent mehr als 2022. Damit lag der Bereich der PI Neunburg deutlich unter dem Anstieg in der gesamten Oberpfalz, wo die Straftaten um 6,1 Prozent zugenommen haben.
Nur 21 Asylbewerber gehören zu den Tatverdächtigen
Große Unterschiede gab es auch bei der Ausländerkriminalität. Während in der Oberpfalz die Zahl der Tatverdächtigen ohne deutschen Pass um 37,6 Prozent nach oben ging, waren es in der PI Neunburg nur zwei Prozent. Schmitt verdeutlichte dies an einem Beispiel: Von den 248 ermittelten Tatverdächtigen im Jahr 2023 waren 21 Asylbewerber. 2022 waren es im Vergleich 253 Tatverdächtige und davon ebenfalls 21 Asylbewerber. „Das sind wirklich wenig Täter, wenn man den hohen Ausländeranteil betrachtet“, fand der PI-Leiter.
Von den 21 Tätern, bei denen es sich um Asylbewerber handelte, wurden 30 Straftaten begangen, darunter sechs Ladendiebstähle und jeweils vier Rauschgiftdelikte mit Cannabis und einfache Körperverletzungen.
Die in der Gemeinschaftsunterkunft in Neunburg lebenden Tunesier würden keine Problemgruppe darstellen, erklärte Schmitt. Neunburg unterscheide sich da von Regensburg, wo es große Probleme mit Nordafrikanern gebe, vor allem rund um den Bahnhof. Überhaupt gebe es in seinem Bereich keine bestimmte Problemgruppe unter den Flüchtlingen, so der Neunburger PI-Leiter. Schmitt sah einen Grund für die geringe Ausländerkriminalität in der guten Integrationsarbeit in Neunburg, gerade auch durch die Integrationsbeauftragte Elke Reinhart. Auf dem Land müssten sich die Flüchtlinge integrieren, in der großen Stadt seien sie dagegen anonymer, sagte Schmitt.
Bürgermeister loben gute Zusammenarbeit mit der Polizei
Das Lob gaben die Bürgermeister, denen der Sicherheitsbericht 2023 im Neunburger Rathaus vorgestellt wurde, gern zurück. „Wir fühlen uns gut aufgehoben“, meinte Thansteins Gemeindechef Walter Schauer (Christliche Wählergruppe Kulz). Er dankte der Polizei für die Präsenz vor Ort.
Auch Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) bezeichnete die Zusammenarbeit mit der Polizei als „toll“. Und machte den PI-Leiter gleich auf die zahlreichen Vandalismusschäden im Stadtpark aufmerksam. Der Bauhof solle Bilder machen, auch wenn es sich nur um herausgerissene Blumen handeln würde, antwortete Schmitt. „Es bringt nichts, wenn sie sich nur ärgern und wir wissen nichts davon“, meinte er. Die Polizei werde auf jeden Fall den Stadtpark im Auge haben, versprach der Dienststellenleiter.
Kriminalistische Kennzahlen auf einen Blick
Straftaten: Insgesamt wurden 402 Straftaten im Jahr 2023 von der PI Neunburg gemeldet. 2022 waren es 387. Das ist eine Zunahme von 3,88 Prozent.
Deliktgruppen: Die Eigentumskriminalität stieg 2023 auf 74 Fälle (2022: 71). Wie im Jahr 2022 gab es auch 2023 insgesamt 64 Vermögens- und Fälschungsdelikte. Sachbeschädigungen waren es statt 38 Fällen wieder 32. Bei den Rohheitsdelikten (unter anderem Körperverletzungen, Bedrohungen und Freiheitsberaubung) war ein deutlicher Anstieg von 67 auf 86 Strafanzeigen zu verzeichnen. Die Rauschgiftdelikte gingen von 26 auf 24 Fälle zurück.
Gemeindeverteilung: In Neunburg gab es 242 statt 228Straftaten (+6,1 Prozent), in Bodenwöhr waren es 120 statt 107 Fälle (+12,1 Prozent), in Schwarzhofen 17 statt 25Fälle (-32Prozent), in Neukirchen-Balbini zehn statt fünf Fälle (+100 Prozent), in Thanstein fünf statt zehn Straftaten (- 50Prozent) und in Dieterskirchen acht statt 15 Straftaten (-46,7 Prozent).
Aufklärungsquote: In der PINeunburg lag sie 2023 bei 78,6 Prozent. Im Vergleich dazu beträgt sie im Landkreis Schwandorf 74,5 Prozent, in der gesamten Oberpfalz 69,9Prozent und im Freistaat Bayern 65,2 Prozent.
Tatverdächtige: 248 Tatverdächtige wurden ermittelt. Dabei handelte es sich um 172Deutsche und 76 Ausländer. 192 Täter waren männlich und 56 weiblich. Von den Tatverdächtigen waren 214 älter als 21 Jahre (86 Prozent), 29Personen zwischen 14 und 21 Jahre (zwölf Prozent) und fünf bis 14 Jahre alt (zwei Prozent). Bei der Verteilung der Nationalitäten und Geschlechter gab es kaum Verschiebungen gegenüber 2022. Bei den Altersgruppen lagen die prozentualen Verteilungen 2022 bei 79, 18 und drei Prozent.