Alarmierende Zahlen: Regensburg ist „von der Kriminalität überrollt worden“

Von André Baumgarten · 20. März 2024 um 10:00

Polizei zieht eine ernüchternde Bilanz. 2023 steigen die Straftaten in fast allen Bereichen auf einen Höchststand. Ermittler kommen an ihre Grenzen – die Forderung nach politischen Lösungen wird laut. So ist die Lage in Regensburg.

Im Vergleich zu anderen Großstädten in Bayern hat Regensburg „mit Abstand die größte Kriminalitätsbelastung“. Für Gerhard Roider, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Regensburg-Süd, ist das einfach nur: „ernüchternd“. 14.005 Straftaten (ohne Ausländerrecht) gab es im vergangenen Jahr im Stadtgebiet. In fast allen Bereichen stiegen die Zahlen – im Vergleich zu 2022 um 15,3 Prozent auf den höchsten Stand in zehn Jahren. Bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik fanden Verantwortliche der Regensburger Polizei ungewohnt deutliche Worte: „Die Polizei allein kann das Problem nicht mehr händeln“, sagte Roider und kündigte an, dass man nicht nachlassen werde, die Lage in den Griff zu kriegen.

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Fakt ist: Nach einer zunächst positiven Entwicklung im vergangenen Jahr sei Regensburg „spätestens ab dem zweiten Halbjahr von der Kriminalität überrollt worden“, gab Roider einen Überblick. Ein ganz ähnliches Bild zeichnet Kripo-Chef Robert Fuchs: „Das hat uns personell an Grenzen gebracht.“ Es gebe kaum noch Zeiten, um Vorgänge abarbeiten zu können. „Ladendiebstahl ist die am häufigsten begangene Straftat in Regensburg“, erklärte Armin Glötzl, Leiter der PI Regensburg-Nord. Eine positive Nachricht gab es dennoch: Bei der Aufklärungsquote stehe Regensburg (+0,2 Prozent) im Vergleich nicht schlecht da.

• Hohe Steigerungen in fast allen Kriminalitätsfeldern

An der prozentualen Verteilung der Delikte hat sich kaum etwas verändert: Eigentumsdelikte wie Diebstähle rangierten auch 2023 auf Platz 1, vor sonstigen Straftaten wie Sachbeschädigung oder Beleidigung und Rohheitsdelikten (568, +30,9 Prozent) wie Körperverletzung oder Raub (108, plus 77 Prozent).

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Sexualdelikte (206, +23,4 Prozent) oder Straftaten gegen das Leben wie Mord oder Totschlag (14, +100 Prozent) machen dennoch gerade 1,6 Prozent aller Straftaten in der Stadt aus, erfahren aber meist die höchste Aufmerksamkeit. Nur zwei Deliktarten sanken 2023: Sachbeschädigungen wie Graffiti (-33,5 Prozent) und an Kraftfahrzeugen (-19,9 Prozent).

• Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ist explodiert

Lag der Anteil nichtdeutscher Verdächtigen 2019 noch bei einem Drittel, ist diese Zahl im vergangenen Jahr auf nahezu die Hälfte angestiegen: Von 5877 Personen sind laut Statistik 46,6 Prozent Ausländer. Davon sind 53 Prozent Zuwanderer, die sich illegal, im Asylverfahren oder geduldet hier aufhalten. Überproportional groß sei der Anteil von Tunesiern, so Roider. Deren Bevölkerungsanteil in Regensburg liegt bei 0,14 Prozent. Sie begingen aber 14,5 Prozent aller Straftaten in der Stadt.

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Zudem: Fielen sie zunächst mit Drogen und Diebstähle auf, ging es „plötzlich auch um Sexual- und Raubdelikte bis hin zu versuchten Tötungsdelikten“. Das zeige, sagte der Chef der PI-Süd, „dass wir es hier mit einer echten Problemgruppe zu tun haben“. Aber: Nur einige wenige, vorwiegend Männer zwischen 18 und 40 Jahren, begingen eine Vielzahl von Straftaten.

• Die bekannten Brennpunkte und größten Sorgenkinder

Die mit Abstand höchste Steigerung gab es bei Diebstahl mit einem Plus von 1193 auf 5754 Taten – Taschen- (177, +142,5 Prozent) und Ladendiebstähle (2393, +46,9 Prozent) stiegen besonders. Gut ein Viertel wird Intensivtätern zugeschrieben, erklärte Glötzl. Waren es zuletzt 214 Verdächtige, denen fünf und mehr Taten zuzuschreiben waren, stieg die Zahl 2023 auf 304.

Darauf wurde früh reagiert: Seit Herbst wird das Problem mit aller Härte verfolgt – 46 dieser Intensivtäter sind aktuell in U-Haft. Die Brennpunkte sind bekannt: das Bahnhofsumfeld („signifikante Steigerung“), und das Diskothekenviertel in Regensburg vor allem aber der Bereich um den Petersweg. „Wir versuchen auch diesen Raum für uns und für die Bürger zurückzugewinnen“, erklärte Roider gestern.

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• Deutliche Kritik an geplanter Cannabis-Legalisierung

Die jüngsten Zahlen belegen außerdem, „dass wir ein Drogenproblem haben und das lässt sich auch nicht beschönigen“, schilderte Kripo-Chef Fuchs. Es sei ein Riesenmarkt da, der Handel in der Stadt floriere. Zehn Drogentote sprächen beispielsweise im Vergleich zu Nürnberg (dreimal so groß wie Regensburg, 15 Tote) eine klare Sprache.

Das geplante Cannabisgesetz sei „ein Bürokratiemonster“, das in der Praxis kaum umsetzbar wäre, übte Fuchs deutliche Kritik. Und: „Alle anderen Länder, die es getan haben, sind gescheitert.“ In Deutschland fürchte er dasselbe; vor allem bedeute es jedoch eins: noch mehr Arbeit für die Ermittler. So sahen das auch die beiden Leiter der Polizeiinspektionen.

• Wie will die Polizei die Lage wieder in den Griff kriegen?

„Nicht nachlassen“, erklärte Gerhard Roider auf die Frage, wie die Polizei wieder Herr der Lage werden will. In Sachen Videoüberwachung sei man im Bereich Petersweg bereits online, für Bahnhof sowie Fürst-Anselm-Park liefen die Vorarbeiten der Stadt. Zudem müsse speziell an den Brennpunkten noch mehr Präsenz gezeigt werden.

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Fuchs appellierte zudem an die Bürger, Zivilcourage zu zeigen und immer sofort anzurufen, wenn man etwas beobachte. Man setze aber vor allem auf die Arbeitsgruppe mit Stadt, Justiz, Regierung, Ankerzentrum und Landesamt für Asyl und Rückführung, so Roider. „Die Polizei allein kann das Problem nicht mehr händeln.“ Und, das sagte der Chef der PI-Süd deutlich, nun seien politischen Lösungen gefragt.

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