Liebesbeweis im Schaltjahr: Marie-Luise und Sabrina steckten ihren Männern einen Maibaum

Von David Salimi · 1. Mai 2024 um 05:00

Seit jeher folgen in einigen Gebieten Bayerns zum 1. Mai viele Männer einer langjährigen Tradition: Sie überraschen ihre Angebetete mit einem geschmückten Maibaum. In diesem Jahr ist jedoch alles anders, denn im Schaltjahr kommen die Frauen zum Zug – so auch Marie-Luise und Sabrina.

Mehrere Wochen investierten die beiden Frauen aus Cham in die Vorbereitungen, um in der Nacht auf den 1. Mai ihren Freunden in Chammünster und Pösing (Landkreis Cham) jeweils einen Liebesbeweis der anderen Art zu erbringen.

Kein einfaches Unterfangen, immerhin musste die von langer Hand geplante Aktion bis zur besagten Nacht vor den Angebeteten geheim gehalten werden. Die erste Herausforderung für die jungen Frauen: einen geeigneten Baum finden.

„Den richtigen Baum zu finden, war tatsächlich nicht so einfach“, erzählt Marie-Luise. Ihre Kriterien: „nicht zu klein aber auch nicht zu groß, damit wir ihn leichter transportieren können“, beschreibt die 31-Jährige die erste Hürde. Um außerdem nicht in fremden Wäldern ungefragt zu wildern oder auf ein Exemplar aus dem Baumarkt zurückgreifen zu müssen, entschieden sich die Freundinnen, bei sämtlichen Waldbesitzern im Familien- und Bekanntenkreis anzufragen. Mit Erfolg.

Weil die Beschaffung dann doch nicht ganz ohne Hilfe klappte, entschieden sich die Frauen für Unterstützung im Freundeskreis. „Wir haben die Bäume gemeinsam mit Freunden abgeholt und dann mit einem Anhänger transportiert“, erzählt Marie-Luise. „Eine Gemeinschaftsaktion quasi“, beschreibt es Marie-Luise. Gerade das schätzen aber die Freundinnen an der Aktion: das Miteinander, das bekanntlich lange Zeit aufgrund der Pandemie zu kurz gekommen ist. Im Vordergrund steht trotz allem der Liebesbeweis an den Verehrer. „Ich möchte zu diesem schönen Anlass meinem Freund Wertschätzung entgegen bringen“, sagt Sabrina. „Und natürlich freut man sich auch auf die Reaktion, wenn das aufgehübschte Bäumchen vor der Haustür erspäht wird“, beschreibt die 28-Jährige ihre Vorfreude.

Mit vereinten Kräften am Werk

Mit vereinten Kräften ging es dann auch an den deutlich weniger problematischen Teil der Vorbereitung: die Veredelung des erstandenen Bäumchens. Ob beim Einkaufen, gegenseitigen Beraten und gemeinsamen Dekorieren – „Auch da haben wir Mädels uns gegenseitig unterstützt“, sagt Marie-Luise. Dennoch betont sie, dass jede der Freundinnen den Großteil ihres Baumes selbst gestaltet hat. Immerhin sei dieser als persönliche Geste an den Liebsten gedacht.

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„Zuerst habe ich überlegt, Stoffbänder, die ich bereits zuhause habe, an den Baum zu binden“, erzählt Sabrina. Letztlich habe sie sich dann doch dafür entschieden, neue Schleifen zu kaufen, um das Bäumchen möglichst bunt zu schmücken. Auch Marie-Luise hat sich bei ihrem Exemplar für eine bunte Aufmachung entschieden, auch wenn die roten Bänder wegen ihrer Symbolkraft überwiegen.

An der Rinde habe sie nichts verändert. Aber auch da gebe es Gestaltungsspielraum: „Es ist zum Beispiel auch möglich, den Namen des Angebeteten in den Baum zu ritzen“, sagt Marie Luise, die sich für den Baum ein ungewöhnliches Versteck bis zur Maiennacht entschieden hat: im Dachboden des Schuppens ihres Freundes. Trotz der gefährlichen Nähe zum Beschenkten, sei aber letztlich alles gut gegangen. „Dort oben konnte ich den Baum in Ruhe zu Ende schmücken und hatte Gelegenheit, ihn zu bewässern“, begründet sie ihre zunächst waghalsig klingende Entscheidung. Immerhin einen Vorteil habe der Standort des Verstecks gehabt: „Ich musste den Baum in der Nacht nicht weit transportieren“, sagt sie und lacht.

Nächtliches Treffen

Für die gelungene Überraschung haben sich die Freundinnen nach Mitternacht verabredet. Ihr Plan: Sie treffen sich am 1. Mai um 2 Uhr morgens traditionell nach dem Maibaumstellen, um sich einander beim Baumaufstellen zu unterstützen. So sollte es zuerst nach Pösing zu Sabrinas Freund gehen, anschließend nach Chammünster, wo Marie-Luises Freund wohnt.

Gelegenheit, ihren Männern diese besondere Freude noch einmal zu machen, haben die Freundinnen 2028, wenn das nächste Schaltjahr ansteht. Ob sie dann wieder nachts unterwegs sein werden? „Auf jeden Fall“, sind sich die Freundinnen einig. Immerhin handelt es sich dabei um einen wunderbaren und schützenswerten Brauch, der Nervenkitzel verspricht, wie beide finden.

Im Zeichen des Brauchtums

Während die Ortsmaibäume häufig von Vereinen als Zeichen des Brauchtums aufgestellt werden, sind die Liebesmaien nicht nur ein Ausdruck von Zuneigung. Für gewöhnlich ist es an den Männern, ihre Frauen mit einem Bäumchen zu überraschen. Bei verheirateten Paaren ist es eher unüblich sich einen Baum zu stecken, berichtet Marie-Luise.

Teilweise sei es eben auch so, dass die Beschenkte ihren Verehrer gar nicht ausmachen kann, außer es wird ihr dann von anderer Stelle zugetragen. Unüblich sei hingegen, dass sich bereits verheiratete Paare gegenseitig ein Bäumchen schenken. Immerhin geht es ja um das „Anbandeln“, so die 31-Jährige.