Ist die Nosferatu-Spinne inzwischen auch im Landkreis Cham angekommen?

Von David Salimi · 30. April 2024 um 05:00

Sie hat lange, haarige Beine, ist bis zu zwei Zentimeter lang und hat eine Beinspannweite von etwa fünf Zentimetern – die Nosferatu-Spinne. Aktuelle Studien zeigen, dass sie fast bundesweit verbreitet ist. Hat es sich der giftige Neubürger mittlerweile auch im Landkreis Cham gemütlich gemacht?

Am vergangenen Wochenende entdeckte eine Leserin den Achtbeiner in ihrer Wohnung in Bad Kötzting. „Zuerst sah ich nur einen schwarzen Fleck am oberen Fensterrand im Schlafzimmer“, beschreibt sie die morgendliche Begegnung.

Entdeckung im Schlafzimmer

Dass es sich um die derzeit allseits gefürchtete Nosferatu-Spinne handeln könnte, lag für sie sofort auf der Hand. Immerhin hat das kleine Tierchen, das in Ausnahmesituationen auch Menschen einen deutlich spürbaren Biss verpassen kann, in den vergangenen Wochen reichlich Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auch eine schnelle Recherche zum Abgleich der gesichteten Spinne im Schlafzimmer, mit Bildern der Nosferatu-Spinne im Internet verschaffte ihr keine hundertprozentige Gewissheit.

Ein Blick in das Online-Meldeportal des Naturschutzbundes Deutschland zeigt hingegen, dass der Achtbeiner, der im Mittelmeerraum beheimatet ist, auch in Süddeutschland auf dem Vormarsch ist. In der interaktiven Karte können Nutzer melden, wenn sie eine Nosferatu-Spinne gesehen haben.

Für den Naturschutzbund liefern diese Beobachtungen wertvolle Erkenntnisse. Mit der Analyse dieser Daten können sich die Fachleute ein genaueres Bild über die Verbreitung des Neuankömmlings machen. So konnte mit Hilfe des bundesweiten Meldeportals bislang festgestellt werden, dass die Spinne bereits im Jahr 2022 in fast ganz Deutschland verbreitet war, teilt der Naturschutzbund Deutschland auf seiner Seite mit.

Bislang keine Meldungen

Markus Schmidberger, Leiter der LBV-Geschäftsstelle in Nößwartling bei Arnschwang, warnt indes vor einer leichtfertigen Verwechslung, etwa mit dem Ammen-Dornfinger. Bei diesem handele es sich ebenfalls um eine Webspinne, die auch eine typisch mediterrane Art aufweist und den Landkreis Cham mittlerweile dicht besiedelt habe.

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„Aber eine Nosferatu-Spinne wurde uns zumindest bislang noch nicht gemeldet“, sagt Schmidberger, der um den momentanen Hype der gefürchteten Spinne weiß. Oft werde eine im Bayerischen Wald übliche Spinne, wie etwa der Ammen-Dornfinger, alleine wegen seiner Größe versehentlich für eine Nosferatu-Spinne gehalten.

Unabhängig davon gibt Schmidberger Entwarnung: „Wenn überhaupt, greifen Spinnen nur dann an, wenn sie in den Verteidigungsmechanismus gehen“, sagt er. Das sei etwa der Fall, wenn sie ihre Jungen schützen wollen. In der Regel flüchte jede Spinne zunächst vor Menschen. Schmidbergers Rat lautet demnach, den Achtbeiner mit einem Glas und einer Postkarte behutsam nach draußen zu setzen.

Was ist über die Nosferatu-Spinne bekannt?

Herkunft: Die Nosferatu-Spinne gehört zur Familie der Kräuseljagdspinnen und zählt zu den Echten Webspinnen. Ursprünglich im im Mittelmeerraum beheimatet, hat sich die Art durch Verschleppung und globale Erwärmung auch in Mitteleuropa ausgebreitet.

Gewohnheiten: Eine Besonderheit der Nosferatu-Spinne ist, dass sie sich aufgrund ihrer speziellen Hafthaare selbst an senkrechten glatten Oberflächen, wie etwa Fensterscheiben festhalten kann. Ebenso eigenartig ist, dass sie, anders als andere Webspinnen, keine Netze baut, um an ihre Beute zu gelangen. Stattdessen fängt sie ihre Beute, indem sie diese verfolgt und im Sprung überwältigt.

Gefahr: Prominenz hat der Nosferatu-Spinne nicht nur ihr außergewöhnlicher Name, sondern auch die Angst vor ihrem Biss, eingebracht. Zwar ist die Nosferatu-Spinne eine der wenigen, deren Biss die menschliche Haut durchdringen kann. Dennoch ist das Gift der Zoropsis spinimana laut Experten für den Menschen hingegen nicht gefährlich. Ihr Biss wird in etwa als so schmerzhaft beschrieben, als ein leichter Wespenstich, informiert der Naturschutzbund. Die Spinne beißt jedoch nur bei direkter Bedrohung, was selten der Fall ist.

Die Nosferatu-Spinne ist in weiten Teilen Deutschlands verbreitet. Foto: Pfeifle/NABU