Ausgedientes Feuerwehrauto wartet in Kötztinger Autohaus auf sein zweites Leben

Er holt schon mal ein Auto in Finnland oder verkauft eines nach Israel: „Ich habe Erfahrungen im Bieten (für ein Auto), mit Unbekannten (die ein Auto verkaufen) und mit Entfernungen“, sagt Andreas Huber, Inhaber des gleichnamigen Autohauses in Gehstorf. Für das derzeit auffälligste Fahrzeug auf seinem Hof musste Huber nicht gleich in ein anderes EU-Land fahren – nur in den Nachbarlandkreis, nach Kollnburg.
Ungewöhnlich war dieses Mal eher das Fahrzeug selbst: ein Iveco Magirus LF 8 – ein Feuerwehrauto.
Wieso er „einfach so, ohne handfesten Hintergrund“ ein Feuerwehrauto kaufen wollte, kann Andreas Huber gar nicht sagen. „Diese Frage konnte ich weder mir noch allen, die mich danach fragten, beantworten.“ Und: Einfach so „gekauft“ hat er das Fahrzeug auch gar nicht. Huber erzählt die ganze Geschichte.
Keinen Bezug zur Feuerwehr
Ende 2023 sei er in einem Zeitungsbericht über eine Gemeinderatssitzung in Kollnburg über eine Passage gestolpert, dass die dortige Feuerwehr ein neues Löschfahrzeug bekomme und das alte verkauft werden soll. Andreas Huber hat zwar keinen Bezug zur Feuerwehr, „ich bin nur passives Mitglied“. Trotzdem sei er gleich Feuer und Flamme gewesen. Er beauftragte seinen Lageristen Richard Liebl – der wiederum Vorsitzender der FFW Engelshütt, also ein Feuerwehr-Insider, ist – , bei der Gemeindeverwaltung Kollnburg wegen des Fahrzeugs nachzufragen. Dort war die Auskunft: Das LF8 wird versteigert (siehe auch Infokasten).
Als es mit der Bieteraktion losging, habe er dann ein wenig „Angst vor der eigenen Courage“ bekommen. Ein Feuerwehrauto erwerben zu wollen, sei ja schon anachronistisch – und wirklich begründen habe er das Ganze ja auch nicht können. „Auf der anderen Seite wäre e i n Fehltritt bei einem Fahrzeugbestand von 100 Autos nicht so schlimm“, dachte sich Huber. Und: „Im schlimmsten Fall, also wenn sich das Löschfahrzeug nicht verkaufen lässt, kann ich eine Litfaßsäule draus und Werbung damit machen.“
Fahrzeug gut in Schuss
Bevor er bei der Auktion mitbot, schaute sich Huber das LF8 zusammen mit seinem Kfz-Meister an. Immerhin ist das Fahrzeug ein Feuerwehr-Oldie und hat 32 Jahre auf dem Buckel – Erstzulassung 10. Juli 1992. Die Feuerwehren würden drauf achten, dass ihre Fahrzeuge gut in Schuss sind, sagt Huber. So sei es auch im Fall von Kollnburg gewesen. Nettigkeit am Rande: Die Kollnburger hatten ihr LF8 vor 32 Jahren direkt beim Hersteller Iveco in Ulm abgeholt. Iveco gehört zum Fiat-Konzert – und früher hieß das Autohaus Huber „Fiat Huber“.
Am Ende bekam Andreas Huber den Zuschlag für das LF8. Aber: Wer sollte das Fahrzeug in Kollnburg holen? Er selbst habe keine Zeit gehabt und keiner seiner Mitarbeiter habe den Lkw-Führerschein. Schließlich holte Seniorchef Heinrich Huber das Löschfahrzeug ab. Andreas Huber hofft jetzt auf ein „Vanlife-Pärchen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Vanlife“ heißt auf Deutsch „Leben im Bus“ – für eine bestimmte Zeit oder einfach im Urlaub. Vor allem während Corona wurden die „Vanlifer“ immer mehr – ob im alten Wohnmobil oder im selbst ausgebauten Kastenwagen. So einen Verwendungszweck könnte sich Autohaus-Inhaber Huber auch für sein LF8 vorstellen. „In diese Richtung gingen auch alle Anfragen, die wir bisher hatten.“
Ein Knackpunkt ist der Führerschein: Das LF8 ist, wie gesagt, ein 7,5-Tonner. Seit dem 1. Januar 1999 muss dafür ein extra Lkw-Führerschein gemacht werden. Ältere Jahrgänge hatten die Fahrerlaubnis bis 7,5-Tonnen automatisch mit dem normalen Führerschein. Wohl deshalb sind es eher die „Best Ager“ ab Mitte 50, die sich bislang für das Feuerwehrauto auf Hubers Hof interessierten.
Hubers Geschäft ist sehr internetlastig. Wie alle seine Verkaufswagen findet sich auch das LF8 in den gängigen Internetbörsen. Allein bei mobile.de hatte das Fahrzeug in den vergangenen 60 Tagen 2000 Aufrufe, davon 39 Parkungen. Übrigens hat der Wagen 141 PS und soll 14999 Euro kosten. Ein H-Kennzeichen für einen Oldtimer ist dem Käufer sicher, meint Andreas Huber: „An diesem Fahrzeug ist noch alles original.“
Die Vorgeschichte
Idee: Anfang 2024 kam das ausgemusterte LF8 der Freiwilligen Feuerwehr Kollnburg (Landkreis Regen) unter den Hammer. Die FFW hatte mittlerweile ein neues LF10 (Kostenpunkt: 425000 Euro). Das alte Löschfahrzeug – mit 32 Jahren ein Oldtimer – sollte aber nicht einfach anonym über ein Internetportal verkauft werden. Denn: Vielleicht könnte der 7,5-Tonner auch in der Region bleiben und dort eine sinnvolle Verwendung finden? Bürgermeister Herbert Preuß und die Rathausverantwortlichen entschieden sich deshalb für einen Bieterwettbewerb. Die Gemeinde inserierte Anfang Januar das Fahrzeug bei Facebook. Intern hatte man sich einen Mindestverkaufspreis von 10000 Euro gesetzt – ein Schnäppchen für das scheckheftgepflegte Fahrzeugauto mit 37000 Kilometern auf dem Tacho und TÜV bis August 2024.
Zuschlag: Zwischen 25 und 30 Gebote gingen laut Preuß ein – die Wunschvorstellung der Gemeinde von 10000 Euro knackten aber nur vier. Mit ihrem Gebot reichten viele Bieter Ideen ein, wie der Oldtimer umgenutzt werden könnte, darunter Getränkewagen, Wohnmobil oder Foodtruck. Für 10700 Euro bekam dann Andreas Huber vom gleichnamigen Kötztinger Autohaus den Zuschlag – die Entfernung zum neuen Einsatzort des ehemaligen Kollnburger Feuerwehrkameraden bleibt also überschaubar.
