Der Maibaum der Stadt Furth im Wald wurde von den jungen Willmeringern gestohlen

Von Alexander Frimberger · 29. April 2024 um 15:00

Wenn auf dem Stadtbauhof von Samstag auf Sonntag nachts um zwei Uhr geschäftiges Treiben herrscht, dann bedeutet das nichts Gutes. Zumindest nicht für die Verantwortlichen der Stadt. Folgerichtig wurde der Maibaum entwendet.

Andreas Rauscher und seine Spießgesellen, die jungen Willmeringer, haben sich laut Bürgermeister Sandro Bauer zu besagtem Zeitpunkt „unbemerkt Zutritt zum Further Stadtbauhof verschafft und sich dort des eingelagerten Further Maibaums bemächtigt. Ein unheimliches Verbrechen“, scherzt der Rathauschef.

Zähe Verhandlungen

Den weiteren Tathergang beschreibt Bauer so: „Mittels Muskelkraft wurde der Maibaum über das Tor gehoben, dort auf bereitgestellten professionellen Transportmitteln befestigt und mit einem Kleinbus als Zugmaschine abtransportiert, begleitet von weiteren Fahrzeugen zur Verkehrsabsicherung. Der Rest der Diebesbande entfernte sich in weiteren Fahrzeugen unerkannt vom Tatort.“

Lesetipp: Anton Robl aus Furth im Wald bringt Biodiversität auf Betriebsgelände

Die Übeltäter legen nach eigenen Aussagen sehr viel Wert auf Sicherheit. „Vor einigen Jahren wurden wir nachts von der Polizei aufgehalten. Weil alles so professionell abgesichert war, wurden wir durchgewunken“, so Rauscher. Dazu ist aber auch jedes Mal eine minuziöse, wochenlange Planung notwendig.

Im Further Fall hat ein Taxifahrer den Stein ins Rollen gebracht. „Ein aufmerksamer Further Taxifahrer, der zufällig an den Dieben vorbei fuhr, erkannte zwar die Situation, aber wegen der großen Anzahl an Personen scheute er die Konfrontation, fragte dann erst im Laufe des folgenden Sonntags bei einem Bauhofmitarbeiter nach, ob denn der Maibaum noch da sei“, so Bauer. Am Sonntag wurde dann auch das Further Stadtoberhaupt von Rauscher kontaktiert, „dann liefen die Drähte heiß.“

Bauhofleiter Christoph Haimerl wurde mit den Auslöseverhandlungen beauftragt. Die verliefen demnach zunächst zäh, dann einigte man sich auf eine Brotzeit mit Bier für 30 beteiligte Personen. Während der Verhandlungen wurde seitens der Stadt noch darüber diskutiert, wann und ob ein Maibaum überhaupt gestohlen werden darf. „Da aber wohl die Regel gilt, dass ein Maibaum gestohlen werden dürfe, wenn er eindeutig als solcher erkennbar ist, waren wir uns einig, dass man im Hinblick auf die Pflege und Wahrung der Brauchtumspflege den Spaß mitmacht“, verrät Bauer. Brauchtum ist genau das Thema der Willmeringer. „Wir wollen diese Tradition hoch halten“, erklärt Rauscher, freut sich mit seinen Kameraden aber auch über das Lösegeld.

An die „sehr geehrten Lausbuben“ war Haimerls ausformuliertes Schriftstück adressiert. Er hielt darin die Modalitäten fest, bestätigte das Lösegeld und forderte die Bande auf, den Baum unversehrt zurückzubringen.

Der Baum ist wieder da

Von Cham aus setzte sich der Konvoi dann am Sonntag kurz nach 21 Uhr über die alte B20 wieder in Richtung Furth in Bewegung. Am Ortseingang wurde der Transport empfangen und zum Bauhof begleitet. Dort wird der Baum jetzt sicher verwahrt. „Letztlich war es ein schöne Aktion aber noch einmal brauchen wir das so schnell nicht mehr.“

Maibaumaufstellen

Am Dienstag, 30.April, wird auf dem Stadtplatz der Maibaum aufgestellt. Los geht es ab circa 18 Uhr. Begleitet wird der Zug vom Spielmannszug Grenzfähnlein.

Vor Ort wird das Blasorchester das Aufstellen mit einem Standkonzert begleiten. Die Mitarbeiter des Bauhof heben unter tatkräftiger Mithilfe der „Further Ratsherrn“ und vieler fleißiger Helfer den Baum nach oben. Im Anschluss bringt die Further Feuerwehr die Zunftzeichen mit der Drehleiter an.

Der Spielmannszug Grenzfähnlein begleitet den Baum auf den Stadtplatz. Foto: Frimberger