Nittenauer Haushaltsdebakel: Jetzt spricht Bürgermeister Boml über die Ursachen

Von Cornelia Lorenz · 1. Mai 2024 um 19:00

Am 15. Mai soll der Nachtragshaushalt der Stadt Nittenau verabschiedet werden. Falsche Buchungen und Veranschlagungsfehler machten ihn nötig – und führten im Stadtrat zu einiger Aufregung. Bürgermeister Benjamin Boml (FW) weist Vorwürfe, er hätte früher etwas von den Unstimmigkeiten im Etat bemerken müssen, vehement zurück.

Als gelernter Sparkassenfachwirt musste Boml in den vergangenen Tagen einiges an Häme einstecken. Doch Vorwürfe, ihm als Finanzexperten und Chef der Verwaltung hätten handwerkliche Fehler im Haushaltsplan 2024 auffallen müssen, weist er entschieden zurück. „Ich kann für mich ruhigen Gewissens sagen: Es war für uns nicht zu erkennen“, sagt er – und verweist unter anderem auf die Tatsache, dass der Haushaltsplan 2024 Ende März von der Rechtsaufsicht in der ursprünglichen Form am Schwandorfer Landratsamt genehmigt worden sei.

Umso überraschter sei er gewesen, als er vom Berater der Bayerischen Akademie für Verwaltungsmanagement – der die Stadt Nittenau derzeit mangels eigenem Kämmerer seit März unterstützt – über Ungereimtheiten in Kenntnis gesetzt worden sei. „Das war im ersten Moment ein richtiger Schock für mich“, sagt Boml.

Viele Ursachen möglich

Doch wie sind die angemahnten Fehler in der Kämmerei, die nun die Verabschiedung eines Nachtragshaushalts nötig machen, zu erklären? Haben sich die folgenreichen Patzer wegen Zeitdrucks eingeschlichen, weil der Haushalt 2024 bereits vor Weihnachten 2023 verabschiedet werden sollte? Schließlich wollte die Stadt die Chance auf Stabilisierungshilfe vom Freistaat wahren und drückte aufs Gas. Oder fehlte es schlichtweg an Wissen?

Darüber lässt sich im Nachhinein nur spekulieren – und Boml will eigentlich auch viel lieber nach vorne schauen. Der Bürgermeister ist deshalb auch heilfroh, die seit 1. März verwaiste Position des Kämmerers nachbesetzen zu können – seinen Worten zufolge eine echte Herausforderung. „Der Arbeitsmarkt ist so umkämpft wie nie“, sagt Boml. Einen geeigneten Kämmerer zu finden gleiche der Suche nach der Nadel im Heuhaufen – dank des Fachkräftemangels müsse man mittlerweile über jede Bewerbung dankbar sein.

Viel Unterstützung für die Nachfolgerin

Spätestens am 1. Oktober – möglicherweise auch schon etwas früher – werde die neue Kämmerin Katrin Schminke, die derzeit noch bei der Stadt Regensburg beschäftigt sei, ihren Dienst im Nittenauer Rathaus antreten. Man werde ihr jegliche Unterstützung zukommen lassen, die sie für ihre Einarbeitungszeit brauche, betont Boml. Auch der externe Berater der Akademie für Verwaltungsmanagement werde ihr hierbei zur Seite stehen. Grundsätzlich müsse man in der Kämmerei künftig viel mehr als bisher auf Teamarbeit setzen, um Fehler zu vermeiden.

Zum Glück sei der Stadt durch die bereits passierten Pannen kein finanzieller Schaden entstanden, sagt Boml. Die Fehlbuchungen ließen sich beheben, echtes Geld habe man nicht verloren. „Die Situation ist natürlich nicht gut – aber wir kommen glücklicherweise nicht in eine finanzielle Bredouille“, so Bomls Fazit. Den Aufwand, den Nachtragshaushalt aufzustellen, hätte er allen Beteiligten allerdings natürlich gern erspart. „Aber jetzt wissen wir wenigstens, dass wir den Weg weitergehen können.“

Weiterhin früh dran sein

Wird man sich nach den negativen Erfahrungen mit dem Etatentwurf 2024 heuer für den Haushalt 2025 wieder etwas mehr Zeit lassen – und ihn, wie früher üblich, erst im Frühjahr des laufenden Jahres verabschieden? Nein, sagt der Bürgermeister dazu ganz klar. Das frühzeitige Erarbeiten des Etatentwurfs sei grundsätzlich äußerst sinnvoll, findet er – auch wenn das in nicht vielen Kommunen so gehandhabt werde. „Ich würde gern weiter zu diesen Exoten gehören“, sagt Boml.