Nittenau braucht einen neuen Kämmerer: Posten ist ab März vakant

Die Stadt Nittenau bewegt sich finanziell gerade in sehr schwierigem Fahrwasser. Jetzt muss sie auch noch einen neuen Kämmerer suchen: Andreas Käsbauer verlässt nach gut einem Jahr im Amt das Nittenauer Rathaus schon wieder.
Seinen Dienst an der Spitze der Finanzverwaltung hatte Käsbauer im Dezember 2022 angetreten. Damals stellte Bürgermeister Benjamin Boml (FW) ihn bei der Jahresabschlusssitzung den Stadträten vor. Käsbauer hatte zuvor als Kämmerer bei der Verwaltungsgemeinschaft Wald gearbeitet, bevor er nach Nittenau wechselte.
Vor Käsbauers Dienstantritt im Nittenauer Rathaus war der Sessel des Kämmerers schon einmal zwei Monate lang verwaist gewesen: Sein Vorgänger Sebastian Heimerl hatte nach gut zweieinhalb Jahren im Amt entschieden, sich beruflich neu zu orientieren, hieß es damals aus dem Rathaus. Er räumte seinen Schreibtisch Ende September 2022.
Für Käsbauer gab es in seinen 15 Monaten an der Spitze der Nittenauer Finanzverwaltung eine Menge zu tun: Bereits vier Monate nach seinem Amtsantritt – Ende März 2023 – verabschiedete der Stadtrat den Haushalt 2023. Nur neun Monate später, in der Jahresschlusssitzung des Stadtrats für das Jahr 2023, legte Käsbauer dem Gremium den Haushalt 2024 zur Genehmigung vor.
Hintergrund dieses straffen Zeitplans war die Tatsache, dass die Stadt Nittenau plante, Stabilisierungshilfen vom Freistaat zu beantragen. Weil die Kommune in den kommenden Jahren voraussichtlich Investitionen in Höhe von rund 45Millionen Euro schultern muss, dabei aber eine hohe Verschuldung in Kombination mit einer unterdurchschnittlichen Steuerkraft aufweist, will man versuchen, die Lage mittels finanzieller Unterstützung des Freistaats zu verbessern. Dafür war es nötig, den Haushalt deutlich früher als in den Vorjahren üblich zu verabschieden – was in der Dezembersitzung 2023 auch gelang.
Käsbauer orientiert sich neu
Zu den Gründen für seinen Weggang äußerte sich Käsbauer gegenüber der Mittelbayerischen nicht. Er verlasse das Rathaus und orientiere sich beruflich neu, hieß es von Seiten der Pressestelle. Derzeit sucht die Stadt via Stellenanzeige nach geeigneten Kandidaten für die Position „Leitung der Finanzverwaltung/Kämmerer“ zum nächstmöglichen Eintrittszeitpunkt.
Wie will die Stadt Nittenau verhindern, dass Käsbauers Nachfolger, der von sechs Mitarbeitern – davon einer Vollzeit- und fünf Teilzeitkräften unterstützt wird – ebenfalls nur ein kurzes Gastspiel in der Finanzverwaltung gibt? „Ein Patentrezept dazu gibt es sicherlich nicht. Ein Bestreben der Stadtspitze ist es, im regelmäßigen Austausch gerade mit den Führungskräften gemeinsam an der Personalentwicklung zu arbeiten, um im Rahmen der Möglichkeiten für jede einzelne Person als auch als Arbeitgeber im Allgemeinen gute Rahmenbedingungen zu schaffen“, so Pressesprecherin Alexandra Oppitz.
Auf die Frage, ob die Arbeitsbelastung in der Kämmerei zu hoch sei oder ob es zu wenig Personal gebe und das der Grund für die Fluktuation auf dem Posten des Kämmerers sein könnte, verweist sie auf ein externes Gutachten. Dieses habe gezeigt, „dass die personellen Kapazitäten in der Finanzverwaltung angemessen und ausreichend sind. Es besteht in diesem Bereich aktuell kein Handlungsbedarf“. Darüber hinaus sei die Arbeitsbelastung in allen Ämtern in regelmäßigen Abständen, insbesondere bei wesentlichen Aufgabenänderungen bzw. neuen Anforderungen, neu zu bewerten.
Boml: Kontinuität wichtig
Ist der anstehende Personalwechsel auf der Position des Kämmerers angesichts des Plans, Stabilisierungshilfen zu akquirieren, für die Stadt aktuell problematisch? Bürgermeister Boml kommentierte diese Frage gegenüber der MZ so: Der Kämmerer sei die wesentliche Ansprechperson und Sachbearbeiter für das umfassende und zeitintensive Thema der Beantragung der Stabilisierungshilfe. „Im Allgemeinen, aber gerade auch mit dieser zusätzlichen Aufgabe, ist eine Kontinuität auf der Stelle besonders wichtig“, so Boml.
Ein zeitintensiver Baustein für die Beantragung der Stabilisierungshilfe sei der Haushaltsbeschluss vom Dezember 2023 gewesen. In Abstimmung mit dem Stadtrat werde nun „zeitnah das weitere Vorgehen besprochen“.