Geldabheben an der Supermarktkasse immer beliebter – Einzelhändler beklagen Gebühren

Beim Einkauf noch schnell Bargeld an der Kasse abheben – inzwischen gehört das für viele Chamer zum Alltag. Was viele nicht wissen – für jede Abhebung müssen die Händler eine Gebühr an die Banken zahlen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisiert diese Praxis und wirft den Banken zudem vor, die Bargeldversorgung auf die Supermärkte abzuwälzen. Auch Chamer Einzelhändler sehen die Gebühren kritisch.
Mit einem Anstieg des Gesamtvolumens der Bargeldauszahlungen um 20 Prozent im Jahr 2023 auf über zwölf Milliarden Euro wird deutlich, wie beliebt der Bargeld-Service bei den Kunden der Supermärkte ist. Doch die Last der Gebühren, die zwischen 0,1 und 0,2 Prozent pro Transaktion liegen, wiegt schwer auf den Schultern der Einzelhändler, die allein im vergangenen Jahr über 17 Millionen Euro an die Banken abführen mussten, berichtet die dpa.
Bargeld-Service auch im Landkreis Cham häufig genutzt
Dass der Bargeld-Service im Landkreis immer beliebter wird, merkt auch Stefan Kohl, Inhaber der Edeka Kohl-Filiale in Rötz: „Die Nachfrage nach dem Bargeldabheben an der Kasse war bei uns schon immer hoch und ist in den vergangenen Jahren weiter gestiegen.“ Für diesen Trend hat der Geschäftsführer Verständnis: „Den Leuten stehen immer weniger Geldautomaten zur Verfügung. Deshalb bleibt ihnen oft nichts anderes übrig, als ihr Bargeld in Supermärkten abzuheben.“
Obwohl Bares scheinbar immer begehrter wird, zeigt sich bei Kunden vieler Einzelhändler gleichzeitig die Tendenz in Richtung bargeldlose Bezahlung. In der Rötzer Edeka-Filiale greifen rund 60 Prozent der Käufer an der Kasse zur EC- oder Kreditkarte, schätzt Stefan Kohl. Auch Birgit Allescher, Inhaberin der Edeka Allescher-Filiale in Cham bestätigt den Trend für ihre Kunden: „Auch bei uns ist eine Tendenz in Richtung Kartenzahlung ersichtlich. Schätzungsweise bezahlt rund ein Drittel unserer Kunden bargeldlos, wobei es sogar etwas mehr sein könnten.“
Marion Bauer, Leiterin der Rewe Bortar-Filiale in Cham bemerkt in dieser Hinsicht demografische Unterschiede: „Mir fällt auf, dass gerade die jüngere Kundschaft immer mehr mit Handys und Smart Watches bezahlt. Die älteren Kunden greifen eher zu den bewährten Methoden: Bargeld und EC-Karte. Doch in Zukunft werden auch sie sich wohl mit der neuen Technik befassen müssen.“
Gehen den Supermärkten bald die Scheine aus?
Betrachtet man die Lage, so stellt sich die Frage, ob die steigende Nachfrage nach Bargeld in Kombination mit den immer beliebteren bargeldlosen Zahlungsmethoden dazu führen könnte, dass den Supermärkten bald die Scheine ausgehen. „Wenn immer mehr Kunden bargeldlos bezahlen und die Nachfrage nach Bargeldabhebungen steigt, könnte es durchaus zum Problem werden“, sagt Stefan Kohl. Und weiter: „Ich als Geschäftsführer kann nun mal keine 10000 Euro auf Vorrat im Tresor haben.“ Auch Birgit Allescher sieht das potenzielle Problem, versichert aber gleichzeitig, dass in dieser Hinsicht aktuell keine Gefahr droht: „Natürlich kann es mal etwas schwierig werden, wenn die ersten Kunden gleich zu Beginn des Tages größere Summen abheben möchten, aber im Normalfall gibt es kein Problem.“
Obwohl der Bargeld-Service in Cham und der Region nach wie vor ohne größere Probleme gewährleistet werden kann, sehen sich viele Einzelhändler aufgrund der Gebühren, die sie an die Banken abführen müssen, im Stich gelassen. Laut Ulrich Binnebößel, HDE-Experte für Zahlungsverkehr, übernimmt der Handel einen Teil der Aufgaben der Banken, während letztere ihre Filialen und Automaten vielerorts reduzieren. „Es ist untragbar, dass die Banken an einem Service verdienen, den sie nicht anbieten“, sagte er gegenüber der dpa.
Einzelhändler schultern die Gebühren
Dem stimmt auch Birgit Allescher zu: „Ich finde, dass wir mit der Bargeldauszahlung eine für die Kunden wichtige Grundversorgung übernehmen, welche die Banken durch stark reduzierte Öffnungszeiten und Filialen sehr erschwert haben. Es wäre schön, wenn es seitens der Bank auch belohnt würde, zum Beispiel durch reduzierte Gebühren.“ Nicht zuletzt sagt auch Petra Bender, dm-Gebietsverantwortliche, auf Nachfrage: „Mit Blick auf den Service, den dm erbringt, wäre es zu begrüßen, wenn die Banken die Bargeldauszahlung mit Girocard im Handel als ergänzendes Angebot zur Bargeldversorgung wertschätzen und auf eine Erhebung von Gebühren auf den Auszahlbetrag verzichten würden.“
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Gleichzeitig weisen Banken die Kritik und die damit einhergehende Forderung zurück. „Wir betreiben im Landkreis Cham flächendeckend 38 Geldautomaten. In den letzten drei Jahren wurden keine Automaten abgebaut − die Zahl ist seitdem konstant hoch“, sagt Franz Wittmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse im Landkreis Cham auf Nachfrage. Und weiter: „Für die Kundinnen und Kunden der Sparkasse im Landkreis Cham ist der nächste Geldautomat nie weiter weg als 15 Minuten“, womit er sich auf eine Studie des Sparkassen- und Giroverbands in Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln bezieht.

